Banknoten liegen in Chronik

Stockum..  Wenn am morgigen Sonntag in der Stockumer Pankratius-Kirche die Mädchen und Jungen zur Erstkommunion gehen, wird ihnen Msgr. Prof. Konrad Schmidt in seiner Predigt eine 70 Jahre zurückliegende Geschichte erzählen: Denn trotz eines Volltreffers von zwei amerikanischen Bomben auf den Kirchenspeicher, der total zerstört wurde, blieben alle Kommunionkinder des Jahrgangs 1945 unverletzt. Sie befanden sich nur wenige Meter daneben in der Pankratius-Kirche zur Beichte. Die Kommunionfeier selbst wurde am Tag danach schon vor 8 Uhr gefeiert, um keinen weiter zu gefährden.

Bei den Recherchen in der Pfarrchronik machte Msgr. Schmidt dann noch eine erstaunliche Entdeckung: „Zwischen den Seiten von 1945 steckte ein ganz kleiner und unscheinbarer Briefumschlag. Darin fanden sich ein handgeschriebener Brief und zwei Banknoten: Einmal ein belgischer 100 Franc-Schein und ein französischer 100 Franc-Schein.

Unterzeichnet hatte den Brief ein amerikanischer Soldat mit dem Namen Tom O’Sheer, der in Stockum wohl in diesen allerersten Nachkriegstagen als „Der Irländer“ bekannt war. „Ich war in Ihrer Kirche am Weißen Sonntag“, schreibt der Soldat. „Ich hoffe, ich kann nachdem Krieg zurückkommen.“ In der Pfarrchronik hat Pastor Franz Padberg (1888 - 1950) verzeichnet, dass er für die amerikanischen Soldaten eine Messe am Tag nach dem Einmarsch gehalten hatte. Später habe er im Opferstock einen Brief mit einem belgischem Geld gefunden. In diesem entschuldigt sich der US-Soldat für das Leid, dass die Stockumer ertragen mussten und entschuldigt sich für die Plünderungen. Dazu sagt er: „Es ist unrichtig und unchristlich.“

Und auch über den französischen Geldschein hat Padberg eine kurze Notiz hinterlassen: „In unserem Kellerfenster, das nach Vielhabers Garten liegt, lag eines Morgens eine Banknote über 100 französische Franc. Die hatte der Wind nicht hineingeweht.“