Auch Kälbchenführen ist Unterrichtsstoff

Auch das Kalbführen auf dem Bauernhof
Auch das Kalbführen auf dem Bauernhof
Foto: WP

Arnsberg/Sundern..  21 Lehrerinnen und Lehrer aus ganz Südwestfalen informierten sich im Rahmen einer Fortbildung zum Thema „Leben und Arbeiten auf dem Bauernhof“ auf dem Betrieb der Familie Schmalor in Sundern-Hagen darüber, wie ein Besuch ihrer Schulklasse auf dem Bauernhof ablaufen kann. Eingeladen zu dieser praktischen Einheit auf dem Lande hatten der Westfälisch-Lippische Landwirtschaftsverband (WLV) und Stadt und Land NRW, um den Pädagogen bei einer Betriebsbesichtigung Anregungen für die Umsetzung landwirtschaftlicher Themen in den verschiedenen Unterrichtsfächern zu geben.

Gezielte Zucht ist wichtig

So wurden die Lehrkräfte aus dem ganzen Sauerland, aus Sundern, Attendorn, Hemer und Arnsberg, mit dem „Arbeitsplatz Bauernhof“ genauestens vertraut gemacht. Betriebsleiterin Kristina Schmalor, die den Milchkuhhof am Rande des Sunderner Ortsteils Hagen in einer idyllisch gelegenen Randlage gemeinsam mit ihrem Vater Johannes betreibt, erläuterte dabei besonders die wichtige Aufgabe des Landwirts, durch gezielte Zucht die Eignung der Milchkühe für die bergige Landschaft im Sauerland zu verbessern.

„Da unsere 60 Milchkühe täglich Weidegang haben, sind starke Beine bei unseren Hanglagen für eine Kuh wichtig.“ Großen Wert legt Kristina Schmalor auf die Tierbeobachtung: „Beim täglichen Melken sehe ich jede Kuh ganz genau, ich kenne alle beim Namen und kann bereits, bevor sie krank wird, bemerken, wie es ihr geht - wenn sie zum Beispiel ein Ohr komisch schief hält, weiß ich, bei der Kuh stimmt etwas nicht“, berichtete die junge Betriebsleiterin den Pädagogen.

Selber Hand anlegen

Hand anlegen konnten die Lehrkräfte dabei auch selbst, so wie es Schüler bei einer praktischen Bauernhofbesichtigung auch tun können: Sie durften ein Kalb am Strick führen und die tägliche Futterration für eine Kuh zusammenstellen – der Berg von 40 Kilo Grassilage und die Masse von 100 Litern Wasser wurden so anschaulich zusammengetragen.

Alle waren sich zum Abschluss einig: Das war ein Nachmittag „lernen mit allen Sinnen“. Anschließend sichteten die Teilnehmer das umfangreiche Unterrichtsmaterial, das es inzwischen zur Vorbereitung eines solchen Besuches gibt.

Einige Informationen gibt es zum Lernort noch von Pressesprecherin Barbara Kruse: Eine inhaltliche Vorbereitung des Lernstoffes im Unterricht wird von den Höfen vorausgesetzt. Fachkundige Unterlagen mit vielen hilfreichen Informationen und Ratschlägen halten die Mitarbeiter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes vor Ort für Lehrer/innen bereit.

Oft sind die Landwirte auch bereit, stundenweise bei der Vor- oder Nachbereitung des Unterrichts zu helfen, indem sie zum Beispiel selbst am Schulunterricht teilnehmen und dort in einer Fragestunde Rede und Antwort stehen, wenn sie ihren Hof und weitere landwirtschaftliche Inhalte vorstellen. Bevor die Gruppe den Hof besucht, sorgt eine inhaltliche Einführung im Unterricht für eine gute Vorbereitung auf den Lernort. Um nachhaltige Lernprozesse zu ermöglichen, sollten die Erlebnisse und Erfahrungen einer Bauernhoferkundung mit den Teilnehmern reflektiert und aufgearbeitet werden. „Eine Nachbereitung ist daher immer sinnvoll, außerdem freuen sich die Landwirte über eine Rückmeldung der Besuchergruppen“, so Barbara Kruse dazu.

Info

Kinder und Jugendliche haben heute kaum noch Gelegenheit, in ihrem sozialen Umfeld die Natur mit Tieren und Pflanzen, sowie die Landwirtschaft mit all ihren Facetten kennen zu lernen.

Vielen Menschen sind bäuerliche Arbeit und Lebenswelt fremd geworden. Oft fehlt das Wissen über ökologische Zusammenhänge sowie über die Herkunft, Verarbeitung und den Handel von Nahrungsmitteln und landwirtschaftlichen Gütern.


Das Konzept bietet die Möglichkeit, die heutige Landwirtschaft altersgerecht mit all ihren Besonderheiten kennen und verstehen zu lernen. Auf diese Weise wird der Bauernhof zu einem Lernort der besonderen Art.