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Weltklasse in Bossel

09.08.2009 | 16:08 Uhr

Der 34-jährige Stephano Blasi bereitet Schüler und Pferde auf internationale Meisterschaften vor

Stephano Blasi läuft in der Halle auf und ab. Beobachtet seine vier Schülerinnen genau. Korrigiert jeden Fehler, gibt Kommandos. „Trotto di lavoro” lautet eines davon. Das heißt so viel wie „im Arbeitstempo Trab”.

Stephano Blasi ist Reitlehrer, seine Schülerinnen kommen aus Rom. Sveva (12), Brunella (13), Rebecca (13) und Sara (11) sind Gäste auf der Reitanlage Alt Bossel. Zehn Tage lang trainieren die Mädchen vom italienischen Vielseitigkeits-Pony-Club die Kunst des Dressur-Reitens. Schließlich wollen auch sie Championate reiten. So wie ihr Vorbild: Stephano Blasi.

Der 34-Jährige wurde in Hattingen geboren. Sein Vater ist Italiener, seine Mutter stammt aus Wuppertal. Aufgewachsen ist der Pferdekenner in Mailand. „In den Ferien bin ich immer am Hibbelweg in Sprockhövel geritten”, erinnert er sich. Da habe es gefunkt, zwischen ihm und den Pferden.

Stephano Blasi beginnt seine Karriere mit 18 Jahren: Macht zunächst eine Ausbildung zum Berufsreiter beim weltbekannten Trainer George Theodorescu, reitet seine erste Senioren-Europameisterschaft mit Pia Laus, legt seine Meisterprüfung in Italien ab. Trainiert mit dem Kollegen Norbert van Laak, startet im Jahr 2002 für Italien bei der Weltmeisterschaft im Dressur-Reiten in Jerez, ein Jahr später bei der Europameisterschaft in England. Qualifiziert sich für Athen – doch der Traum vom Olympischen Gold platzt einen Monat vor dem Start. „Mein Pferd Red Bastian verletzte sich.”

Seit fünf Jahren arbeitet Blasi als Berufsreiter in Sprockhövel. Beginnt seinen Arbeitstag um halb sieben, mistet die Ställe, reitet sechs Stunden lang mit Ehefrau Stefanie Baumgartner-Blasi die Pferde, gibt bis abends Unterricht. Einmal im Monat trainiert er Schüler, bereitet sie zum Beispiel auf Europameisterschaften vor. Blasi war zwei Jahre Bundestrainer der italienischen Pony-Dressur-Junioren.

Dazu hat er regelmäßig bis zu acht Pferde zur Ausbildung – bis hin zur hohen Klasse – oder zur Korrektur. „Die Leute schicken mir ihre Tiere, wenn eigentlich keine Hoffnung mehr besteht, sie alles kaputt geritten haben. Oft verlangen die Menschen zu früh zu viel von den Tieren, wenn Muskeln und Gelenke noch nicht so weit sind.” Zu groß sei der Druck, Erfolge zu erzielen. Es geht ums Geld.

„Die Menschen sollten eines nicht vergessen: Ein Pferd ist nicht dazu geschaffen, über Hindernisse zu springen oder hohe Dressur-Lektionen zu laufen. Die Natur sieht es vor, dass es auf der Wiese steht, frisst und äppelt, bei Gefahr davonrennt. Wenn sich ein Pferd für den Sport anbietet, muss es individuell und schonend ausgebildet und nicht mit aller Macht zum Erfolg gebracht werden, nur des Geldes wegen. Viele Menschen vergessen einfach, dass sie den Sport einst begannen, weil sie die Tiere so sehr liebten.”

Svenja Hanusch

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