Volles Programm gegen Rassismus

Günter Halfmeier berichtete von seinen Erlebnisse als Kind und Jugendlicher während der Nazizeit.
Günter Halfmeier berichtete von seinen Erlebnisse als Kind und Jugendlicher während der Nazizeit.
Foto: Christian Werth

Sprockhövel..  Prävention gegen Rassismus wird an der Wilhelm-Kraft-Gesamtschule groß geschrieben. Sie wartete daher am Donnerstag mit einem großen Projekttag gegen Fremdenfeindlichkeit auf und bot ihren Schülern ein breit gestreutes Programm an Aktionen.

Für die Abiturienten stand ein Erlebnisbericht der Schwelmer Humanistin Saraswati Albano-Müller auf dem Plan. Die 81-jährige gebürtige Inderin berichtete, wie sie vor 60 Jahren nach Deutschland kam und stets von interkulturellen Begegnungen geprägt worden sei. Sie ermunterte die Schüler, sich über andere Religionen und Kulturen zu informieren. Ferner seien Anpassung und das Lernen einer Sprache wichtige Integrationsvoraussetzungen. Nur ein einziges Mal sei sie selbst mit Fremdenfeindlichkeit in Kontakt gekommen, als man ihr Hilfe verwehrt und sie zur Rückkehr in ihr Land aufgefordert worden habe.

Einberufung mit 15 Jahren

Auch die jüngsten Gesamtschüler profitierten vom Wissensschatz des Alters. Den Fünftklässlern statteten mit Fritz Eierding und Günter Halfmeier zwei Zeitzeugen des Holocausts einen Besuch ab und berichteten von Krieg und Fremdenfeindlichkeit. „Das Schlimmste, was passieren kann, wäre ein weiterer Krieg“, hob Halfmeier hervor und warnte in diesem Zusammenhang vor den jüngsten Übergriffen durch die Salafisten.

Er selbst könne sich noch heute gut an die Grausamkeit der Reichspogromnacht von 1938 erinnern, auch wenn er damals erst acht Jahre alt gewesen sei. „Mit gerade mal 15 Jahren habe ich am 28. März 1945 einen Einberufungsbescheid für ein Wehrertüchtigungslager bekommen, obwohl der Krieg zum Glück wenige Tage später vorbei war“, präsentierte der Sprockhöveler den verblüfften Schülern ein noch gut erhaltenes Dokument.

Währenddessen lauschten die Schüler der Klassen 9 und 10 dem Roman „Edelweißpiraten“von Autor Dirk Reinhardt, aus dem gelesen wurde. „Die Inhalte aus diesem Buch sind sehr gut dafür geeignet, sie im Unterricht aufzugreifen. Außerdem haben wir uns natürlich auch im Vorfeld damit beschäftigt“, sagte Geschichtslehrerin Marzena Wosch.

Neben den Vortragsprojekten beinhaltete der Aktionstag Schüleraktionen wie die Erstellung von Transparenten gegen Rassismus, die Aufführung des Theaterstücks „Ausgrenzung“ oder die feierliche Kranzniederlegung zu Ehren des jüdischen Freiheitskämpfers Wilhelm Kraft. „Wir sind seit 2007 ,Schule ohne Rassismus’ und seit 2012 ,Schule der Vielfalt’ und wollten dies nun bewusst in einem großen Rahmen zusammenbringen. Diese Themen können nicht ohne einander laufen“, sagte Schulleiter Christoph Uessem zum Hintergrund des Tages. Vorbereitet worden waren die Aktionen von Projektleiterin Christine Niephaus mit sieben weiteren Kollegen.