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Taxifahrerin bat um Milde für ihren Räuber

30.07.2012 | 19:28 Uhr
Taxifahrerin bat um Milde für ihren Räuber

Ein Hänfling. Der 24-Jährige sitzt vor dem Landgericht Essen, als könne er niemandem wehtun. Tatsächlich hat er in Sprockhövel brutal eine Taxifahrerin überfallen und am Hals verletzt. Sechseinhalb Jahre lang muss der Wuppertaler deshalb ins Gefängnis.

Den Richtern erzählt er am Montag, er könne sich die Tat selbst nicht erklären. Am 12. April hatte er eine 56 Jahre alte Taxifahrerin in Wuppertal gebeten, ihn nach Sprockhövel zu fahren. Dort dirigierte er sie in ein Waldstück in der Nähe des Autobahnkreuzes Wuppertal Nord. Unvermittelt, so stellte das Gericht fest, zog er sein Teppichmesser und fügte der Frau eine sechs Zentimeter lange Schnittverletzung am Hals zu. „Sie können froh sein“, mahnt Richter Oliver Greff, „hätten Sie die Halsschlagader getroffen, dann würden Sie jetzt vor dem Schwurgericht sitzen“. Das Portemonnaie mit 240 Euro Bargeld und ein Handy erbeutete der 24-Jährige.

Früh hatte er sich zum Geständnis entschlossen und bei der Polizei gestellt. Was er gestand, klang wie die Tat eines Drogensüchtigen. Er nimmt aber gar keine Drogen, war auch nicht betrunken. Aus einer problematischen Familie stammt er, kam in eine Pflegefamilie, schaffte den Realschulabschluss, brach dann aber mehrere Ausbildungen ab.

Die 56-jährige Taxifahrerin wirkt ruhig bei ihrer Aussage. Warum sie nicht nervös sei, fragt der Richter sie. Da hätte der Angeklagte doch wohl mehr Grund zur Nervosität, sagt sie. Auch zur Tatzeit sei sie ruhig gewesen. Nach dem Schnitt habe sie aber Todesangst empfunden. Ruhig will sie auch in den ersten Tagen nach dem Überfall gewesen sein. Dann kamen die Alpträume: „Ich sah seine Augen wieder vor mir. Es war ein großer Fehler von mir, bei der Tat in seine Augen zu blicken.“

Rachegefühle hegt sie nicht. Nach ihrer Aussage richtet der Angeklagte Worte der Entschuldigung an sie. „Es tut mir tierisch leid.“ Sie nickt: „Das glaube ich Ihnen. Irgendwann werde ich Ihnen verzeihen.“ Sie ergänzt und nimmt seine Worte auf: „Es tut mir auch leid, dass Sie Ihr Leben so vermasselt haben.“

Sieben Jahre Haft fordert Staatsanwältin Melanie Droste. Verteidiger Günter Klose bittet um Milde, erinnert an den schwierigen Lebenslauf des Mandanten. Überraschend erklärt Opfer-Anwalt Marc Flender, seine Mandantin lege gar nicht so viel Wert auf eine harte Strafe. Richter Greff greift das im Urteil auf: „Im Opfer hatten Sie Ihre größte Fürsprecherin.“ Angesichts der klaffenden Halswunde stelle das Urteil eine Strafe im unteren Rahmen dar.

Stefan Wette



Kommentare
31.07.2012
10:54
Taxifahrerin bat um Milde für ihren Räuber
von donjon | #2

Er wird wohl ein großes Vorstrafenregister gehabt haben, denn sonst kann ich mir die hohe Haftstrafe auch nicht erklaren.

31.07.2012
03:54
Taxifahrerin bat um Milde für ihren Räuber
von dr_john_becker | #1

6,5 Jahre sind nicht gerade ein mildes Urteil. Es stellt sich auch die Frage, was wir als Gesellschaft davon haben, jemanden, der ggf. ohne Vorsatz wirklich einen blöden Fehler begangen hat, weiter auf die schiefe Bahn zu führen durch lange Gefängnisaufenthalte. Verbrecher wiederum (U-Bahn-Schläger & Co.), die es weit mehr verdient hätten und bei denen eh Hopfen und Malz verloren ist, bekommen milde Bewährungsstrafen... Verkehrte Welt!

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