Sprockhöveler dreht Dokumentation im Irak

Markus Matzel im Einsatz: hier in Bagdad bei einen Sandsturm und nach dem Einschlag von zwei Raketenam 26. März 2003.Foto:
Markus Matzel im Einsatz: hier in Bagdad bei einen Sandsturm und nach dem Einschlag von zwei Raketenam 26. März 2003.Foto:
Foto: Markus Matzel / Das Fotoarchiv.
Was wir bereits wissen
Der Kriegsfotograf Markus Matzel aus Hiddinghausen und die Journalistin Karin Leukefeld drehten im Irak eine Dokumentation über Uranmunition. Sie wird am Mittwoch ausgestrahlt.

Sprockhövel..  Das Golfkriegssyndrom ist der Oberbegriff. Uranmunition ein Teil davon. Dass ein Gesundheitsrisiko besteht, ist umstritten. Der Hiddinghauser Kriegsfotograf Markus Matzel ging der Sache auf den Grund. Zusammen mit der Journalistin und Auslandskorrespondentin Karin Leukefeld drehte er die Dokumentation „Leiser Tod im Garten Eden: Die Folgen der Golfkriege“, die am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt wird und zur Reihe „Stationen“ gehört. Sie beleuchtet eine Facette der Zeit nach den Irakkriegen und zeigt, dass Gefahr nicht greifbar sein muss, aber sehr wohl da sein kann.

Bei den Dreharbeiten war Matzel im Süden des Iraks und in Deutschland unterwegs, begleitete einen Frankfurter Arzt, besuchte eine irakische Kinderklinik und einen Kinderfriedhof, sprach mit Soldaten, porträtierte das Leben der Menschen in den ehemaligen Kriegsgebieten, sprach mit Vertretern der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Wie die Munition funktioniert und warum von ihr noch Gefahr ausgeht, wenn sie längst verschossen wurde, fasst Markus Matzel in wenigen Worten zusammen. „Die Munition wird gegen Panzer eingesetzt“, erklärt der Kriegsfotograf. Sie trifft auf die Hülle, durchschlägt sie. Dadurch erhitzt sich das Geschoss, Staub entsteht und explodiert. „Der Panzer explodiert, und das von innen nach außen.“

Dieser Staub setzt sich auf den Wracks ab, auf Pflanzen, schwebt durch die Luft und gelangt ins Wasser. „Er strahlt radioaktiv und die Menschen sind der Situation ausgesetzt.“ Die Erkrankungen der Bevölkerung, zu denen Lungen- oder Blutkrebs gehören, stiegen stark an. „Kinder kommen mit Missbildungen zu Welt und ihre Sterblichkeitsrate ist hoch.“

Es ist kein regionales Problem. Staub setzt sich auf den Wracks ab und Metallhandel ist auch im Irak ein großes Geschäft. „Es sind bereits Laster an der Grenze zu Jordanien aufgehalten worden, die verseuchtes Metall geladen hatten.“ Der Film entstand im Laufe des vergangenen Jahres. Bei den Recherchen traf Matzel auf einen Frankfurter Arzt, der immer wieder in den Irak reist, erkrankte Kinder nach Deutschland holt, um sie dort zu operieren. In der Kinderklinik habe er die Missbildungen der Neugeborenen gesehen. „Dort werden Kinder täglich so geboren.“

Diese Eindrücke steckte auch Matzel nicht einfach weg. „Man kommt nicht so zurück, wie man hinfährt“, sagt er und meint es gleich im doppelten Sinne. „Ein Minenfeld kann kartographiert und entfernt werden.“ Bei kleinsten Partikeln habe man kaum eine Chance. „Karin Leukefeld und ich waren dem genauso ausgesetzt, wie die Menschen, die dort leben.“ Distanz schafft da nur der professionelle Umgang mit dem Thema. „Verdrängen hilft nicht, man muss es anerkennen, selbst wenn es unvorstellbar ist.“ Und zwischen allem steht die Kamera. „Sie ist wie die Handschuhe eines Arztes, die er sich vor einem Einsatz überzieht, um Distanz zu schaffen.“