Sport kennt keine Grenzen

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Beim Neujahrsempfang des Stadtmarketings wird bei der Podiumsdiskussion die Brücke von den Pariser Anschlägen bis zum Sport in Sprockhövel geschlagen.

Sprockhövel..  Der Neujahrsempfang des Stadtmarketings stand unter dem Motto „Werte, Wege, Ziele“. Prominente Gäste schlugen bei der Podiumsdiskussion eine Brücke von den islamistischen Anschlägen von Paris bis zu lokalen Themen.

Zu Beginn der Veranstaltung ­galten die Gedanken dem Terror. Das war beim Grußwort von Bürgermeister Ulli Winkelmann so, und das war auch bei Moderatorin Edda Dammmüller so. Sie sagte, die Anschläge seien ihr sehr nahe gegangen. Der stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU, Armin Laschet, stieg unter dem Hinweis, Paris sei Nordrhein-Westfalen näher als Berlin, ein. „Wir müssen unsere Werte verteidigen“, sagte er. Aber: „Es geht nicht um eine ganze Religion, sondern um einige fanatische Täter.“

Sport als Integrations-Instrument

Olympia-Pfarrer Thomas Weber sah den Islam herausgefordert. „Man kann nicht immer sagen: Das ist nicht der richtige Islam.“ Sportjournalist Manfred Breuckmann mahnte, die Gesellschaft müsse Stellung beziehen, gegen Islamisten ebenso wie gegen Islamhasser. Was das mit Sprockhövel zu tun hat? Viel, denn Intoleranz beginnt im Alltag, egal wo. „Ich glaube, es ist bis in das Bürgertum verbreitet, mal einen Schwulenwitz zu erzählen“, sagte Breuckmann.

Der Sport wird häufig als Integrations-Instrument beschworen, als Möglichkeit, Grenzen zwischen Gesellschaftsgruppen aufzuheben. Das tat auch Torsten May, Box-Olympiasieger des Jahres 1992. Er erzählte, wie er nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 2001 eine neue Aufgabe durch seine Breitensport-Boxschule fand. „Im Sport gibt es keine Grenzen, außer der Leistungsgrenze“, sagte er. „Es ist völlig egal, ob man Vorstandsvorsitzender oder Schrauber, Moslem oder Christ ist.“

May erkannte sich auch in den allesamt hoch dekorierten Sprockhöveler Sporttalenten wieder, die vorgestellt wurden: Fußballerin Lena Oberdorf, Läufer David Valentin, Handballerin Liska Hoffmeister und Judo-Kämpferin Andrea Haarmann. Sie alle gäben viel für den Sport auf, aber mit Sieg wie Niederlage umgehen zu müssen, sei charakterbildend. May sagte, ein Olympiateilnehmer sei schon durch das Dabeisein Gewinner, egal auf welchem Platz er lande. Thomas Weber stimmte zu: Die Mutter einer Olympionikin habe ihm gesagt, die sieben Tage bei den Spielen entschädigten für 15 Jahre Vorbereitung und hartes Training.

Die Vorstellung, das Dabeisein sei wichtiger als das Gewinnen, fand Breuckmann dann doch etwas naiv.