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Sozial kaufen in der "Tankstelle"

01.10.2008 | 18:35 Uhr

Seit Hartz IV beschäftigt das Diakonische Werk in einem ehemaligen Möbelladen in Schwelm 60 Menschen. Eine Unterstützung zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt

Im südlichsten Erscheinungsbereich der Sprockhöveler Zeitung, in Schwelm, gibt es noch etwas, worum selbst die Einwohner größerer Städte die Schwelmer beneiden. Ein richtiges Kaufhaus, ganz nach dem alten Motto "tausendfach unter einem Dach". Da finden die Kunden gelegentlich auch mal einen Automotor. Manche Sachen sind gebraucht in der "Tankstelle", andere neu, Verkäufer gibt es genug. Lohnt sich so ein Laden überhaupt?

"Und ob sich das lohnt, sogar mehrfach. Schließlich ist es ein Sozialkaufhaus mit Mehrfacheffekt. Bedürftige kommen günstig an Mobiliar, Geringqualifizierte finden unter fachlicher Anleitung eine Beschäftigung und der Umwelt hilft es auch, wenn alte Sachen aufbereitet weiter verwendet werden können, statt auf der Kippe oder in der Müllverbrennung zu landen und das alles vor christlichem Hintergrund", betont Einrichtungsleiter Edgar Proske.

Der 53-Jährige beschäftigt im Auftrag des Diakonischen Werkes Ennepe-Ruhr/Hagen etwa 60 Menschen in dem ehemaligen Möbelhaus. 1-Euro-Jobber, Festangestellte und Ehrenamtliche sorgen dafür, dass der Laden brummt. Bis zu 150 Kunden sind es an guten Tagen. Darunter auch Studenten mit kleiner Geldbörse aus umliegenden Uni-Städten. In der Tankstelle finden Arbeitslose, neben der sozialpädagogischen Beratung, vor allem praktische Unterstützung zur Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt. Das "Sozialkaufhaus" ist dabei eine wichtige Hilfe. Rund um Wohnungsauflösungen, Möbelaufbereitung, Verkauf und Buchhaltung finden Langzeitarbeitslose Beschäftigung in verschiedenen Arbeitsfeldern. Verkauft werden preiswerte Möbel und Hausrat. Die Einrichtung richtet sich an Menschen in finanziellen Notlagen, steht aber auch anderen interessierten Kunden offen. Auch am 19. Oktober, dem verkaufsoffenen Sonntag in Schwelm. "Von wegen Trödler Abraham, natürlich findet man bei uns auch ein Harmonium und eine alte Standuhr, aber wir führen, vor allem bei den Haushaltsgeräten, auch absolute Neuware", sagt Michael Peix und zeigt auf die alufarbene Mikrowelle und den Kühlschrank aus deutscher Produktion. Dann legt er für einen Kunden eine alte LP auf den Plattenspieler. Es knistert und rauscht ein wenig, wie es eben in der guten vordigitalen Zeit normal war. "Mit 10 000 Singles und LPs haben wir vermutlich die größte Schallplattenauswahl weit und breit", begeistert er sich. Peix arbeitet ehrenamtlich an fünf Tagen in der Woche, nachdem er in seinem Beruf nichts finden konnte.

Für alles gibt es Fachpersonal. "Da kommt nichts in den Verkauf, was nicht von einem Techniker auf Sicherheit und Funktionalität getestet wurde", stellt Proske fest. Einer davon ist der IT-Systemelektroniker Stefan Gies. Aus drei kaputten Rechnern macht er einen PC, der dann funktioniert und trotzdem wenig kostet. "Früher gab es den typischen Kunden, seit Hartz IV ist das anders. In einem Suchbuch kann man individuelle Wünsche eintragen lassen, zum Beispiel eine rote Waschmaschine. Ist sie dann da, wird man angerufen", wirbt Proske in eigener Sache. Oft bieten Geschäfte dem Kaufhaus Vorjahreskollektion, ältere Herdtypen oder abgeschriebene Ware als Spenden an.

Von Andreas Smolka


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