Sie werden ihre Schule vermissen

Gina Stichert (17) und Benjamin Wohlfarth (16)
Gina Stichert (17) und Benjamin Wohlfarth (16)
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Zehtnklässler feiern ihren Abschluss an der Mathilde-Anneke-Schule – und verraten der Sprockhöveler Zeitung, was sie in der Zukunft planen.

Sprockhövel..  Das letzte Zeugnis verteilt, alle Klassenfotos im Kasten und alle Glückwünsche ausgesprochen – dann dämmerte es den Schüler der Mathilde-Anneke-Schule langsam: Diese Schule werden sie vermissen, wenn sie das auch nur zögerlich und im Flüsterton zugaben.

Der Abschluss ist in der Tasche. In viele Reden bekamen sie noch Ratschläge für die Zukunft. Doch schon bald startet eben diese – die Jugendlichen machen etwa eine Ausbildung oder bilden sich an anderen Schulen weiter. Und wo es für sie hingeht, das erzählten die Schüler dieser Zeitung.

„Ich werde Isoliertechniker“, sagte Benjamin Wohlfarth. Viele Bewerbungen musste er dafür nicht schreiben. „Ehrlich gesagt war es nur eine einzige Bewerbung, die ich schrieb.“ Simon Zyto beginnt bald eine Lehre als Feinwerkmechaniker an der Ruhr-Universität in Bochum. Er ist über die Berufseinstiegsbegleitung an seinen neuen Beruf gekommen, schrieb seine Bewerbung, stellte sich den Aufgaben eines Einstellungstests. „Gerade bei dem Test war ich schon etwas nervös“, sagt er.

Genau wie den beiden erging es vielen Schülern. Bereits während der Schulzeit bekamen sie Möglichkeiten aufgezeigt, sammelten Praxis in verschiedenen Praktika unterschiedlicher Länge. Und sie hatten stets ein engagiertes Lehrerkollegium an der Seite, das sie unterstütze. „Es hätte mir nichts Besseres passieren können, als an diese Schule zu kommen“, sagte Janina Ranzmann, die erst in der 8. Klasse aus Hattingen an die Mathilde-Anneke-Schule wechselte. „Die Lehrer waren immer für uns da, das habe ich so an meiner alten Schule nicht erlebt.“ Doch jetzt ­ziehe es sie wieder nach Hattingen, an das dortige Berufskolleg. „Ich möchte mich dort Kinderpflegerin ausbilden lassen.“ Für sie sei eh ­niemals ein anderer Beruf infrage gekommen.

Auch Steffan Schmidt geht ans Berufskolleg nach Hattingen – mit dem Ziel, Krankenpfleger zu werden. Gina Stichert nutzt dagegen das Programm „Chance Plus“ der Deutschen Bahn, hinter dem sich ein Berufsvorbereitungsjahr verbirgt. Auf die Idee brachte sie ihre Mutter, die selbst bei der Bahn arbeitet. „Ich muss noch ein Jahr überbrücken, bis ich volljährig bin“, sagte Gina Stichert. Ihre Ausbildung werde sie, wenn alles klappt, bei der Deutschen Bahn fortsetzen.

Mit unter den Gästen war auch ein alter Bekannter. Der nunmehr ehemalige Schulsozialpädagoge und jetzige Bürgermeister Ulli Winkelmann gab den Schülern seine Rat: „Behaltet euch euren Weg bei unter hinterlasst eure eigenen Fußspuren – bleibt andersartig.“