Schulpolitik und Stadtgrenzen
27.12.2010 | 15:56 Uhr 2010-12-27T15:56:00+0100
Sprockhövel. Die Pläne für eine Gemeinschaftsschule sorgten im Kreisausschuss noch einmal für grundsätzliche Diskussionen.
Eigentlich gab es auf der Sondersitzung des Schulausschusses des EN-Kreises, zu der eilig noch vor Weihnachten eingeladen wurde, wenig zu entscheiden. Und doch wurde eine Grundsatzdiskussion über die Zukunft der Bildungslandschaft daraus.
Der Rat in Sprockhövel hat beschlossen, den Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule zu stellen. Die Stadt ist damit eine von sechs Kommunen im Regierungsbezirk Arnsberg, die an dem Versuch teilnehmen. Die Gemeinschaftsschule Sprockhövel wird keine gymnasiale Oberstufe haben. Die Landesregierung will aber sicherstellen, dass die Mädchen und Jungen anschließend die Möglichkeit haben, ihr Abitur zu machen.
Jede Schule mit entsprechenden Angeboten wird die Absolventen einer Gemeinschaftsschule gerne aufnehmen. Nur verlangt der Gesetzgeber, das mindestens eine Schule dies garantiert. Hattingen hat bereits die Kooperation mit dem Gymnasium Holthausen zugesagt. Sprockhövel wünscht sich aber zudem noch die Gesamtschule Haßlinghausen als Partner – und dafür muss der Kreis als Schulträger zustimmen.
Grund für Diskussionen: „Wir werden Stadtteile haben, in denen es keine Kinder mehr gibt“, führte Kreisdirektorin Iris Pott den Politikern die Folgen des Geburtenrückgangs drastisch vor Augen. Ronald Mayer (FDP) sprach sich „gegen die Einheitsschule“ aus, beklagte aber gleichzeitig, dass in seiner Heimatstadt den Mädchen und Jungen nach der Grundschule nur eine Haupt- und eben die Gesamtschule als weiterführendes Angebot bliebe. Für andere Bildungsmöglichkeiten müssten sie die Stadtgrenzen hinter sich lassen.
Die Hauptschule sei längst keine echte Chance für eine gesicherte Zukunft mehr, argumentierte Eberhard Fandrey (SPD): „Die Eltern schicken ihre Kinder nicht mehr auf die Hauptschule, weil sie dann keine Chance auf dem Arbeitsmarkt haben.“ Die entsprechende Abstimmung mit den Füßen habe bereits stattgefunden, ergänzte Willi Kloppenburg (Linke). Dass die Zeiten vorbei sind, in denen jede Stadt selbst ihr bildungspolitisches Süppchen kochen konnte, sprach Michael Lunemann (CDU) an: „Wir müssen über den Tellerrand hinaus schauen.“
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