Schon die dritte Wolfssichtung

Nicholas Schmidt
Nicholas Schmidt
Foto: Funke Foto Services
Nicholas Schmidt begegnete dem Tier in Haßlinghausen. Wolfsbeauftragter des Naturschutzbundes gibt Tipps zum richtigen Verhalten.

Sprockhövel..  Erneut gibt es einen Hinweis auf einen Wolf in Sprockhövel. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits zwei WAZ-Leser ein entsprechendes Tier beobachtet hatten, meldete sich nun auch Nicholas Schmidt. Und wieder fand die Sichtung im selben Bereich in Haßlinghausen statt: Flurstraße, Neustraße und jetzt Schleifkotten. Thomas Pusch vom Landesfachausschuss Wolf des Naturschutzbundes (Nabu) NRW will nicht ausschließen, dass es ein Wolf bis hierher geschafft haben könnte. „Gesicherte Erkenntnisse aus der Gegend gibt es noch nicht“, dennoch hat der Experte Tipps für dem Umgang mit Wölfen.

„Es klingt ja sehr weit hergeholt, aber ich bin nicht der Einzige“, erklärt Student Nicholas Schmidt als er jetzt von seiner Begegnung in der Nacht des Karfreitags berichtet. Zunächst hatte er das recht große, schlanke, hell gezeichnete Tier für einen Hund gehalten. Ungewöhnlich sei aber das Verhalten gewesen. „Das Tier bemerkte mich beim Aussteigen aus dem Auto, drehte sich um und fixierte mich sofort.“

Es sei sehr steif gewesen und habe sich erst in Bewegung gesetzt, als sich der 20-Jährige langsam entfernte. Einige Meter sei es ihm noch gefolgt, ohne ihn aus den Augen zu lassen. „Der Anblick löste einen erstaunlich starken Fluchtreflex bei mir aus, obwohl ich an Hunde mein Leben lang gewöhnt bin“, erinnert sich Schmidt.

„Wölfe polarisieren. Und es ist beeindruckend, wenn man einem Wolf gegenüber steht“, weiß Wolfsexperte Pusch. Dabei, auch das stellt er klar, müsse man keine Angst haben. Richtig sei, dass Wölfe keine Fluchttiere sind. „Sie sind vorsichtig und würden Menschen im Normalfall umgehen, aber sie laufen nicht in Panik weg.“ Und gerade jüngere Wölfe seien oft aufgeschlossener. Außerdem würden sie durchaus gern Wanderwege oder geteerte Straßen nutzen.

Das von Nicholas Schmidt beschriebene Verhalten sei aber für alle Hundeartigen typisch. „Bisher haben sich die Meldungen doch immer als Hund herausgestellt“, sagt Pusch. Fest steht aber auch, dass es zu Beginn des Jahres bestätigte Wolfssichtungen aus Ostwestfalen und dem Siegerland gab. Allein in Niedersachsen leben fünf Wolfsrudel mit 22 Welpen.

„Ein Wolf läuft in einer Nacht 30 bis 40 Kilometer“, ausschließen möchte der Experte also nicht, dass ein Tier weiter nach Westen vorgedrungen ist. Fraglich ist, ob das Umfeld geeignet ist, dass es bleibt.

Für die Begegnung mit einem Wolf rät Pusch, nicht panisch wegzulaufen. „Das könnte eine Verfolgung auslösen.“ Stattdessen solle man sich langsam zurückziehen, laut sprechen und in die Hände klatschen: „In 15 Jahren hat das bisher immer gereicht.“