Schläger wird überwältigt

An der Tür der Zwiebelturmkirche begann der Randalierer seine Angriffe, ehe ihnen Jürgen Becker später ein Ende setzte.
An der Tür der Zwiebelturmkirche begann der Randalierer seine Angriffe, ehe ihnen Jürgen Becker später ein Ende setzte.
Foto: Hans Blossey

Sprockhövel..  Das Wort Zivilcourage ist in aller Munde, aber nur wenige leben sie. Jürgen Becker ist einer von denen, die nicht wegschauen. Am vergangenen Montag stoppte er einen Randalierer, der Passanten im unteren Bereich der Hauptstraße tätlich angriff.

Der Mitarbeiter der evangelischen Gemeinde war vormittags gerade dabei, den Weihnachtsbaum in der Zwiebelturmkirche abzuschmücken, als draußen ein Mann zu randalieren anfing. „Ich stand gerade auf der Leiter“, sagt Jürgen Becker. Dann habe ein Mann von außen mit voller Wucht gegen die Tür der Kirche getreten. „Und er hat geschimpft: Ihr Pharisäer, ihr Scheinheiligen. Gott sei Dank hatte ich mich eingeschlossen.“

Frau und Kind attackiert

Da der Tumult nicht aufhörte, verließ Becker die Kirche durch einen anderen Ausgang. „Ich habe den Mann ruhig angesprochen und gefragt, ob ihm etwas fehle, ob ich ihm helfen kann.“ Die Antwort folgte in Form eines tätlichen Angriffs. Becker lief in die benachbarte Praxis einer Kinderärztin und bat darum, das die Polizei gerufen werde, aber das war schon passiert.

„Als ich herauskam, attackierte der Mann eine Frau und ihr Kind, die zur Ärztin wollten“, erzählt Jürgen Becker. Dann sei der Mann auf den Parkplatz der Volksbank gelaufen, wo er abgestellte und fahrende Autos mit Tritten bearbeitet habe. Als dann auch noch vor der gegenüberliegenden Bäckerei ein Mann von hinten angegriffen und mit beiden Händen geboxt worden sei, da sei ihm klar geworden, dass er handeln müsse, sagt Jürgen Becker. „Da habe ich nicht mehr nachgedacht. Ich hatte das Gefühl, der Mann wird immer aggressiver.“

Becker griff den Mann von hinten und brachte ihn zu Boden, versuchte ihn zu kontrollieren. Zwei Mitarbeiter der Volksbank seien auch sofort zur Stelle gewesen und hätten die Beine des Angreifers festgehalten. Schließlich traf auch die Polizei ein, aber die zwei Beamten riefen noch Verstärkung hinzu, um mit dem wie von Sinnen um sich schlagenden und spuckenden Mann fertig zu werden.

Jürgen Becker sagt, zu Beginn der Ärgers habe er noch überlegt, ob er eingreifen solle. „Zunächst bringt man sich ja selbst eventuell in Gefahr. Und dann hatte ich auch nicht das Gefühl, dass es Zeugen gibt, falls dem Mann etwas passiert wäre. Aber nach dem, was alles vorgefallen war. . . Was wäre denn als nächstes passiert? Ich würde es wieder tun.“

Becker hat sich ärztlich untersuchen lassen, weil er an beiden Händen blutete und der Angreifer um sich spuckte. Anzeige wolle er zunächst aber nicht stellen. „Ich denke, der Mann ist gestraft genug.“ Seiner Einschätzung nach waren weder Alkohol noch Drogen im Spiel.

Andere haben nach Angaben der Polizei Anzeige gegen den 38-Jährigen Schwelmer gestellt. Zwei Anzeigen wegen Körperverletzung, eine wegen Sachbeschädigung und eine wegen Widerstandes gegen die Beamten gebe es, sagt Polizeisprecher Dietmar Trust. Der polizeibekannte Mann sei in die psychiatrische Klinik in Niederwenigern eingeliefert worden.

Trust lobt den Einsatz Jürgen Beckers, warnt aber davor, „den Helden“ zu spielen. „Das Wichtigste ist, sofort die Polizei zu rufen“, sagt er.