Lange Haftstrafe für Räuber

Der Angeklagte (47) mit seinem Verteidiger, Anwalt Wolf Koszinowski, im Landgericht Wuppertal.Foto:Lotze
Der Angeklagte (47) mit seinem Verteidiger, Anwalt Wolf Koszinowski, im Landgericht Wuppertal.Foto:Lotze
Landgericht sieht es als bewiesen an, dass ein Sprockhöveler (47) in Remscheid eine 80-Jährige überfallen haben soll. Weitere Verdachtsfälle in Haan.

Sprockhövel..  Für sechs Jahre und zwei Monate soll ein 47-jähriger Sprockhöveler ins Gefängnis, weil er Ende Mai 2013 mit noch unbekannten Komplizen eine 80-jährige Remscheiderin in ihrem Zuhause überfallen hat. Das Landgericht Wuppertal hat den vielfach vorbestraften Gelegenheitsarbeiter am Dienstag wegen Raubes verurteilt. Das Urteil ist noch anfechtbar; 15 000 Euro, die der Mann seinem Opfer abgepresst haben soll, bleiben verschwunden.

Laut Gericht besteht kein Zweifel, dass der 47-Jährige knapp ein Jahr nach der Tat erneut durch die selbe Wohngegend fuhr und dabei Mitfahrern Einzelheiten des Raubes dort berichtete, die nur ein Täter wissen konnte. Sein Auto wurde abgehört, weil er wegen zweier ähnlicher Überfälle in Haan unter dringendem Verdacht stand. In diesem Zusammenhang war sogar über die ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY“ öffentlich nach ihm gefahndet worden.

Knapp anderthalb Tage umfassten die Mitschnitte, die das Gericht öffentlich vorspielen ließ. In der Urteilsbegründung stellte der Vorsitzende Richter klar: „In dieser Zeitspanne drehte sich der ganze Tagesablauf um Straftaten. Um Diebstähle und Einbrüche und um – wie er es ausdrückt – ‘alte Omas ausspionieren’. Und dabei lief Musik. Die Stimmung war gut.“ Der Angeklagte habe sich sogar über die Todesangst seines Opfers lustig gemacht. Der Staatsanwalt hatte herausgestellt, dass die ganze Familie des Angeklagten in seine Art, den Lebensunterhalt durch Raubzüge zu bestreiten, eingeweiht war.

Angeklagter bestritt die Vorwürfe

Der 47-Jährige hatte die Vorwürfe bestritten und erklärt, er habe lediglich eine Spur auf den Raub gefunden. Er habe die Tat aufklären wollen und deshalb mit Bekannten darüber gesprochen, was er aus Medien gehört habe.

Bei der Strafe blieb das Gericht deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die die Haaner Taten als erwiesen gewertet und elfeinhalb Jahre Gefängnis beantragt hatte. Das Gericht stellte klar: Zwar begründe eine DNA-Spur geringer Qualität vom Haaner Tatort einen Anfangsverdacht, aber selbst zusammen mit einer Verbindung zu entfernten Verwandten des Angeklagten im Umfeld der Opfer (83 und 85 Jahre alt) und einer Bank-Karte aus der Beute, die in seiner Nachbarschaft in Sprockhövel wieder auftauchte, reicht das nicht für eine Verurteilung.

Der Angeklagte bleibt in Untersuchungshaft, bis das Urteil rechtskräftig wird. Ihn erwarten zusätzlich sechseinhalb Jahre Gefängnis in der Schweiz wegen ähnlicher Straftaten, außerdem eine weitere Anklage wegen eines Einbruchs in Sprockhövel, der laut Gericht nebenbei durch die abgehörten Gespräche aufgeklärt wurde. Bei dieser Tat steht der 22-jährige Sohn des Angeklagten als Mittäter unter Verdacht.