Kita-Mitarbeiter protestieren kreativ

Erzieherinnen aus Sprockhövel in Witten.
Erzieherinnen aus Sprockhövel in Witten.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Mehr als 100 Streikende machen auf ihre Aufgaben aufmerksam: „Anziehen, Füttern, Wickeln, Fördern“ – und fordern mehr Geld für ihre Arbeit.

Sprockhövel..  Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kindertagesstätten haben sich am Dienstag zum ersten Mal öffentlich beschwert. Im Vereinsheim „Goal“ an der Westfalenstraße in Witten kamen 100 Damen und drei Herren aus Witten, Sprockhövel, Schwelm und Gevelsberg sowie zwei Kinder, die selbst vom Kita-Streik betroffen sind, zusammen.

Es wird gebastelt – etwa ein Papp-Krake, auf dessen Armen die Aufgaben einer Erzieherin stehen: „Anziehen, Füttern, Wickeln, Fördern“. Und „den Lärmpegel eines Kampfjets überstehen“. Ihren kreativen Protest wollen die Mitarbeiter aus Kita und Schulbetreuung am heutigen Mittwoch bei der Großdemo in Hagen zeigen.

Für Kampfstimmung sorgt im Saal des Fußballvereinsheims zunächst hat Ina Hecht, Verdi-Gewerkschaftssekretärin für Südwestfalen. Zu wenig Wertschätzung, schlechte Arbeitsbedingungen und ein zu niedriges Gehalt stehen auf der Beschwerdeliste der Kita-Mitarbeiter ganz oben. „Seit Jahren ist das deutsche Bildungssystem unterfinanziert“, sagt etwa Sabine Uhlenkott von Verdi. „Es muss etwas passieren!“

Ihren Namen wollen die Streikenden nicht nennen. Etwa die beiden Angestellten einer großen Wittener Kita mit vielen Kindern aus sozial schwachen Familien. Eine seit 27, die andere seit 30 Jahren im Dienst. „Früher haben wir mit den Kindern gespielt und eine gute Vorschularbeit gemacht. Mehr wurde nicht erwartet“, sagt eine. „Heute machen wir in übervollen Gruppen therapeutische Arbeit.“ Kein bisschen würde berücksichtigt, wie sehr sich Kinder und Familienstrukturen verändert hätten. „Wir haben so viele Kinder mit Förderbedarf. Wir schaffen es gerade, ihnen eine liebevolle, angstfreie Zeit zu bieten.“ Die dringend nötige intensive Beschäftigung klappe aus Zeitmangel nicht. Kleinere Gruppen bei mehr Personal sei die Lösung, denn „auch viele Kinder vertragen die großen Gruppen nicht“.

Eine Sprockhöveler Erzieherin sorgt sich, dass das geringe Gehalt guten Nachwuchs fern halte. „Nur Leute, die Bildung haben, können Bildung weitergeben.“ Studierte Heilpädagogin sei sie, 32 Jahre im Dienst. Ihr Verdienst? 2500 Euro brutto, bei 31 Wochenstunden.

Auch eine Berufsanfängerin streikt mit. Nach Fachabitur, Ausbildung und Anerkennungsjahr hatte sie das seltene Glück, in der Kita Vormholz eine unbefristete Anstellung zu finden. Gerade die motivierten Berufsanfängerinnen würden mit Ein-Jahres-Verträgen mürbe gemacht. Einen in der Schulbetreuung angestellten Erzieher ärgert vor allem die geringe Wertschätzung: „Für viele bin ich lediglich staatlich geprüfte Hausfrau und Mutter.“