Kein Wolf, kein Schwein

Wolf (Canis lupus) with autumn color, Canada
Wolf (Canis lupus) with autumn color, Canada
Foto: Getty Images
Was wir bereits wissen
Ein Wolf in Sprockhövel? Die Experten halten das für sehr unwahrscheinlich. Wer sich dagegen gar nicht mehr blicken lässt, das sind die Wildschweine.

Sprockhövel..  Karin Neiss (74) ist sich sicher: Sie hat einen Wolf gesehen. Ganz in der Nähe ihres Hauses an der Flurstraße soll der einen Ausflug über die angrenzende Wiese gemacht haben. Doch der Wolf hat ihr wohl einen Bären aufgebunden. Denn schnell sei der streunende Schäferhund mit Meister Isegrim verwechselt. „Man muss da schon genau hingucken“, sagt Udo Brackelmann, Leiter des Haßlinghauser Hegerings.

Es ist durchaus möglich, dass Wölfe auch nach Nordrhein-Westfalen kommen. Etwa zwei Dutzend Rudel fühlen sich in Deutschland heimisch, die meisten leben in Sachsen und Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Doch in NRW gibt es bisher nur vermeintliche, unbestätigte Sichtungen, wie beispielsweise im Siegerland. Aber: „Nordrhein-Westfalen ist ein Wolferwartungsland“, sagt Andreas Schneider vom Landesjagdverband (LJV).

Ob ein Wolf auch durch Sprockhövel ziehen könne, wage er nicht zu beurteilen. Für Udo Brackelmann geht das alles zu weit. Dass es wieder Wölfe oder auch den Luchs in Deutschland gebe, werde ihm oft viel zu überspitzt dargestellt. „Das mit Wolf und Luchs ist ja ganz schön, aber noch weit, weit weg.“ Falls sie doch kommen, ist NRW vorbereitet. „Eine ähnliche Situation wie mit den Wölfen hatten wir vor gut zehn Jahren, nur eben mit dem Luchs“, sagt Pressesprecher Andreas Schneider.

Vor diesem Hintergrund hat das Land ein Informationsnetzwerk etabliert und setzt Luchsberater ein. Luchsberater sind kundige Menschen, die aufkommende Fragen von Jägern, Landwirten und Bürgern zur Raubkatze beantworten. Die Berater weiten ihre Tätigkeit nun aus und legen ihr Augenmerk auch auf den Wolf.

Und wenn schon der Wolf nicht nach Sprockhövel will, wie sieht es zurzeit eigentlich mit den Wildschweinen aus? Die haben der Stadt wohl ihren borstigen Rücken zugekehrt. „Im Moment herrscht da absoluter Stillstand“, sagt Udo Brackelmann.

Die letzten Spuren habe es vor einigen Jahren gegeben. „Aber Wildschweine sind Vagabunden, die heute hier und morgen da sind.“ Im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis gebe es noch einige Rotten. Doch über die Autobahn A1 kommen die nur selten. „Zum Glück, denn ein Wildschwein bringt durchschnittlich 80 bis 90 Kilo auf die Waage.“ Kollidiere ein Auto mit so einem Brocken, könne sich jeder die Folgen ausmalen. „Der Blechschaden ist dabei nur zweitrangig, es geht um Menschenleben.“ Da Schwarzwild sich rege vermehrt, müsse die Jägerschaft immer ein Auge auf die Population haben und auch regulierend eingreifen.