Karnevalisten in der Minderheit

Eine der wenigen Ausnahmen: Bei den katholischen Frauen der Gemeinde St. Josef wird gefeiert.
Eine der wenigen Ausnahmen: Bei den katholischen Frauen der Gemeinde St. Josef wird gefeiert.
Foto: WAZ FotoPool

Sprockhövel..  Man nennt es Fasching, Fastnacht oder die fünfte Jahreszeit – in Sprockhövel sagt man dazu Karneval. Man feiert ihn hier nur an einigen wenigen Orten, manche Jecken zieht es an den tollen Tagen eher in die Nachbarschaft.

Denn in der Umgebung feiert man, teils ausgiebig und umfangreich. Der Hattinger Karnevalszug in Holthausen lockt jedes Jahr Zehntausende Besucher an. Und auch der Nachbar auf der anderen Seite, Wuppertal, hat karnevalstechnisch einiges zu bieten.

Warum eigentlich feiern die Sprockhöveler nicht selbst groß? Karin Hockamp, Leiterin des Stadtarchivs, hat einen Erklärungsansatz: „Ich denke, dass der Karneval in protestantischen und westfälischen Gegenden generell keine große Tradition hat“, sagt sie. Und beides trifft auf Sprockhövel zu. „Sprockhövel ist im Zuge der Reformation geschlossen zum Protestantismus übergetreten.“

Konfessionelle Prägung

Und bis der Katholizismus durch Zuwanderung ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wieder begonnen habe, Fuß zu fassen, habe es nur eine Hand voll Gläubige dieser Konfession gegeben. „Die konfessionelle und regionale Prägung spielt eine Rolle.“

Ein zwischenzeitliches Aufleben gab es in Sprockhövel gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts. Der Bauernball der TSG Sprockhövel lockte bis in die frühen 2000er Jahre bis zu 1000 Menschen in die Glückauf-Halle.

Langfristig Fuß gefasst hat aber auch diese Großveranstaltung in Sprockhövel nicht. Denn am Ende seien die Menschen nicht mehr in ausreichender Menge gekommen, sagt André Meister, Geschäftsführer der Fußball-Abteilung. Und der Bauernball war zwar eine tolle Party, aber manchmal flogen auch die Fäuste.

Eine Wiederbelebung wird immer mal wieder angedacht, aber in der Zwischenzeit sind die Hürden höher geworden. Alleine die Halle zu schmücken, habe damals einen ganzen Tag gedauert, so Meister. Und alle Vereine leiden darunter, dass es immer weniger und schon gar nicht genug Helfer gibt. Oder auch das Thema Sicherheit: „Die Judo-Abteilung den Sicherheitsdienst machen zu lassen – das ginge heute ja gar nicht mehr.“

TSG feiert drei Tage

Und so bleiben einige wenige, kleinere Veranstaltungen über: So bei der katholischen Gemeinde St. Januarius in Niedersprockhövel, wo diesen Samstag die Gemeinde feiert. Auch die Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands in der Gemeinde St. Josef in Haßlinghausen verkleiden sich, allerdings laut Pastor Burkhard Schmelz erst am Karnevalsdienstag. Seit seiner Gründung im Jahr 1980 ist auch der Awo-Ortsverein Haßlinghausen jeck. Dessen Gründer Otto Best habe die Feiern damals eingeführt, obwohl er selbst kein großer Karnevalist gewesen sei, sagt die derzeitige kommissarische Vorsitzende Margrit Michler. Am Rosenmontag wird getanzt, dazu gibt’s Kaffee und Berliner Ballen.

In den vergangenen Jahren hat der Karneval bei der TSG Sprockhövel übrigens wieder an Bedeutung gewonnen, seit im Sportlertreff im Baumhof getanzt wird. „Wir haben vergangenes Jahr von einem Tag auf drei Tage umgestellt, weil es wirklich toll angenommen wurde“, sagt André Meister. Auch dieses Jahr wird an Weiberfastnacht, Karnevalssamstag (jeweils ab 20 Uhr) und Rosenmontag (ab 17 Uhr) gefeiert, zum ersten Mal mit einer Cocktailbar.