Kaffee-Rösterei in der Garage

Lucas Kemna, 18 Jahre, röstet in der elterlichen Garage Kaffee und Espresso.
Lucas Kemna, 18 Jahre, röstet in der elterlichen Garage Kaffee und Espresso.
Foto: Walter Fischer
Was wir bereits wissen
Der 18-Jährige Lucas Kemna betreibt neben der Schule eine eigene Firma. Seinen Sprockhöveler Kaffee verkauft er mittlerweile deutschlandweit.

Sprockhövel.. Den Autofahrern fällt das Haus Nummer 44 an der Bochumer Straße im Vorbeifahren wohl nicht besonders auf. Doch genauer hinsehen lohnt sich: denn hinter dem Zaun befindet sich seit Anfang des Jahres „Lulus Coffee Factory“.

Dass die Kaffeerösterei so gut läuft, hätte Betreiber Lucas Kemna nicht gedacht: „Angefangen habe ich mit keiner Ahnung und der Überzeugung nach drei Woche wieder schließen zu können.“ Nun hat der 18-Jährige schon sieben Fortbildungen besucht und einen Barista-Kursus absolviert. In den letzten vier Monaten hat sich das Kundenpotenzial vervielfacht und das, obwohl Lucas die Rösterei neben der Schule betreibt. „Man steht halt schon um fünf Uhr auf und macht die ersten Büroarbeiten und geht erst um elf ins Bett.“ Freizeit bleibe da kaum, nach der Schule geht es für ihn direkt zum Kaffeebetrieb. „In der Rösterei steckt definitiv mehr Zeit“, sagt der Schüler.

Kaffee ist nicht gleich Kaffee

Angefangen hat alles als Hobby, als sich der 18-Jährige einen Tischröster zulegte. Aufgewachsen sei er mit Tchibo-Kaffee, den viele als nicht genießbar bezeichneten. Das hat Fragen bei dem Schüler aufgeworfen: „Ich dachte: Kaffee ist doch Kaffee.“ Seit er selber röstet hat er festgestellt: das stimmt nicht.

In der umgebauten Garage werden Kaffeebohnen geröstet und gemahlen. Insgesamt hat der Schüler acht Sorten im Sortiment aus denen er 230 verschiedene Mischungen Kaffee herstellen kann. Die Pakete verkauft er auch für die Kaffeemaschine zu Hause. Dabei ist es ganz unterschiedlich wie die Leute bestellen: persönlich, am Telefon oder übers Internet.

Der 18-Jährige hat Kunden in ganz Deutschland, unter anderem am Bodensee und in Berlin. „Viele Leute kaufen den Kaffee auch gerne als Geschenk aus Sprockhövel“, weiß Lucas. Mittlerweile stattet er auch Cafés, Restaurants und Einzelhändler im Umkreis mit seinem Kaffee aus, unter anderem das Café Z in Blankenstein. Seit August bietet er private, so genannte „Coffee Tastings“ an. Dort bereitet er sechs verschiedene Kaffeesorten aus dem Siebträger zum Verkosten zu und stellt den Teilnehmern zwei Modegetränke aus der Kaffeeszene vor. „Die ersten Tastings kamen gut an und jetzt wird das Angebot immer mal wieder gebucht“, erzählt der 18-Jährige.

Während des Sommers können Besucher ihre Getränke an den Tischen vor der Ausgabe genießen. Dann gibt es auch Tee und Kakao: allerdings nicht selbst gemacht. „Man kann nur eine Sache gut, aber nicht alles“, sagt Lucas. Und bei ihm ist es eben Kaffee.

Für die Zukunft hofft er auf wachsende Kundenzahlen und eben auf alles was Existenzängste aus der Welt schafft. Nach der Schule möchte er studieren gehen, Mathematik und Informatik auf Lehramt. Denn: „Selbstständigkeit kann immer nach hinten losgehen.“ Wenn es also mit der Rösterei doch nichts wird, bleibt immer noch der Job als Mathelehrer.