Historiker zeigt die Bilder des Krieges

Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Ralf Blank erklärt, warum in Sprockhövel Bomben fielen, obwohl die Stadt nie direktes Ziel war.

Sprockhövel..  Über die Geschehnisse in Sprockhövel während der Endphase des Zweiten Weltkrieges sprach Kriegshistoriker Dr. Ralf Blank auf Einladung des Stadtarchivs. Der 52-Jährige präsentierte im mit 80 Gästen gut gefüllten Veranstaltungsraum der Sparkasse einen bewegenden Bildvortrag.

Die visuelle Reise beinhaltete zahlreiche Kriegsfotos aus den benachbarten Regionen um Hagen, Witten und Bochum. „Sprockhövel war der Wetterwinkel des Krieges“, erklärte der Historiker Blank. So sei die Stadt zwar zu keinem Zeitpunkt direktes Angriffsziel gewesen, habe jedoch durch die großen Angriffe auf Dortmund, Bochum und Hagen mehrfach etwas abbekommen. „Es gibt einige Quellen, in denen Sprockhövel durch Einschläge von Sprengbomben und Luftminen erwähnt wird“, verdeutlichte er. Vor allem während der Ruhrschlacht zwischen Mai und Juni 1943 sowie im Zuge des so genannten Ruhrkessels zum Ende des Weltkriegs sei die Stadt nicht selten getroffen worden.

Schließlich seien bei der Totalzerstörung Dortmunds bis zu 30 000 Bomben innerhalb von nur 30 Minuten abgeworfen worden. „Es wird oft behauptet, dass die Alliierten genau gesehen haben, was sie treffen wollten. Doch hatte man in der Luft bei schlechter Sicht häufig gar keine Zeit, ein Ziel genau anzuvisieren“, begründete Blank die Sprockhöveler Zufallstreffer.

Während Luftbildaufnahmen die Zerstörung der Großstädte und Nahaufnahmen von im dichten Qualm umherirrenden Menschen zeigen, wirken Fotos vom Einsatz so genannter Christbäume als Zielmarkierungsbomben auf den ersten Blick wie Feuerwerke. Die Situation der hinterbliebenen Frauen zeigt eine ganze Reihe regionaler Fotos mit weiblichen Flakschützen, aber auch Schutz suchenden Frauen mit fröhlichen Gesichtern in einem Hattinger Stollen. „Man muss berücksichtigen, dass das Leben in diesen Schutzbunkern mit der Zeit eine gewisse Normalität mit sich brachte“, erklärt Blank.

Zudem zeigte der Historiker Sprockhöveler Flugblätter, die als Nazi-Propaganda „Russen-Angst“ schürten und die Schuld an der Zerstörung auf jüdische Hintermänner lenken sollten. Er präsentierte aber auch Gegenpropaganda der Alliierten, welche die Sinnlosigkeit der Gegenwehr thematisierten und deren Weitergabe als Hochverrat bewertet wurde.