Hier wird in Sprockhövel Lesen groß geschrieben

Die Leselernhelfer und ihre Schüler präsentieren
Die Leselernhelfer und ihre Schüler präsentieren
Foto: Bastian Haumann
Was wir bereits wissen
An vielen Schulen ist der Verein Mentor - Die Leselernhelfer aktiv. Nun weist auch eine kleine Plakette an den Eingangstüren auf die ehrenamtliche Arbeit hin.

Sprockhövel..  Auf den Plaketten an den Eingängen vieler Schulen steht nun: Wir sind Mentor-Schule – bei uns wird Lesen groß geschrieben. Das Gütesiegel heftet an den Türen der Grundschulen Haßlinghausen, Hobeuken und Börgersbruch, der Förderschule, der Haupt- und der Gesamtschule.

Dort setzen sich, immer nach Unterrichtsschluss, die Mentor-Leselernhelfer mit den Schülern zusammen und lernen: Lesen. Das machen sie ehrenamtlich und mit viel Geduld. Bis jede Silbe und jedes Wort bei ihren Schützlingen sitzt. Mal kommt dabei die Unterrichtslektüre auf den Tisch, mal gibt es Rätsel zu lösen, Lückentexte zu füllen, man fährt die Zeilen der Tageszeitung mit dem Finger entlang oder schmökert schlicht im Lieblingsbuch der Schüler. Geübt wird dabei nicht etwa in der großen Gruppe, sondern stets in der Eins-zu-eins-Betreuung. In Sprockhövel gibt es zurzeit 95 Leselernhelfer. Und Verstärkung wird immer gesucht. „Jeder Bürger kann mitmachen, das ist nicht nur Pädagogen vorbehalten“, sagt Barbara Rupp, Vorsitzende von Mentor Sprockhövel.

Der Verein startete im Jahr 2007 als Initiative. Seit 2009 ist er eingetragen. Die Arbeit der Leselernhelfer sei dabei nicht etwa mit Nachhilfeunterricht oder mit der Tätigkeit von Schulsozialarbeitern vergleichbar. Mentor habe sich dagegen ganz darauf verschrieben, Lese- und Sprachkompetenz zu fördern und zu verbessern.

Interessenten, die sich mal als Leselernhelfer austesten wollen, können sich direkt an den Sprockhöveler Verein wenden. Horst Lobbe hat dies vor einiger Zeit getan und kümmert sich um Schüler an der Hauptschule. Auf den Verein sei er durch eine Urlaubsreise aufmerksam geworden. „Ich kam auf der Rückfahrt mit einem anderen Leselernhelfer aus einer anderen Stadt ins Gespräch und habe mich dazu entschieden: Das sehe ich mir mal an.“

Die neuen Leselernhelfer werden aber nicht ins kalte Wasser geworfen. In Schulungen lernen sie alles Wichtige. Über das Lehren weiß Helga Mönks dagegen schon fast alles. Bis zur Pension unterrichtete sie an der Hauptschule. Wobei: Lehrerhaft sei sie als Leselernhelferin nicht. „Ich sehe mich als eine Art Kümmerer.“

Und Günter Kronenbitter sagt: „Ich hatte in meinem Leben viel Glück, das will ich jetzt zurückgeben, als Mentor.“ Selbst den Schülern macht die Zeit, die sie mit ihren Mentoren verbringen, eine Menge Spaß. Denn viele merken selbst: Die Wörter gehen von Mal zu Mal besser von den Lippen.