Flüchtlinge willkommen

Foto: Socrates Tassos
Was wir bereits wissen
Der Feuerwehr-Löschzug Haßlinghausen stellte seine Arbeit vor und beantwortete Fragen. Unterstützung vom NRW-Intergrationsministerium.

Sprockhövel..  In der Stadt leben zurzeit 165 Asylbewerber und Flüchtlinge, die oft viel mehr in ihrer Heimat zurückgelassen haben als ihr altes Leben. In Sprockhövel angekommen, ist ihnen erst einmal alles fremd. Die Sprache, die Gebräuche – und sogar die Feuerwehr. Und genau da setzte der Löschzug Haßlinghausen an: Die Feuerwehrleute erdachten sich eine Art Tag der offenen Tür, ausschließlich für die Menschen, die nie aus freien Stücken nach Sprockhövel wollten.

Den Anstoß dazu gab Marc ­Stoltenberg, Elektriker und Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. „Beruflich hat er öfter in den ­Übergangswohnheimen zu tun“, sagte Matthias Kleinberg, Pressesprecher des Löschzugs Haßlinghausen. Als Stoltenberg am Timmersholt, an einem der Wohnheime, zu tun hatte – durch einen Stromausfall blieben dort alle Lichter aus –, war gleichzeitig ein Rettungseinsatz. Und das fehlende Licht war für die Einsatzkräfte eine Herausforderung.

Und da stellte sich der Feuerwehrmann schlicht die Frage: Was wäre, wenn? Wenn die Hemmschwelle zu groß ist, dass Anwohner überhaupt die 112 anrufen? Wenn die Sprachbarriere unüberwindbar ist? Wenn die Flüchtlinge und Asylbewerber nicht wissen, dass die Feuerwehr nur da ist, um zu helfen? Wie sie sich beim Ernstfall richtig verhalten müssen – selbst wenn das Licht aus bleibt?

Die Idee, einen solchen Tag durchzuführen, nahm schnell Gestalt an und der Löschzug Haßlinghausen trug sie an den städtischen Flüchtlingsbetreuer Michael Bergediek heran. Von dort aus fand der Vorschlag seinen Weg zum Ennepe-Ruhr-Kreis und schließlich zum Land. Das nordrhein-westfälische Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales unterstützte die ­Aktion finanziell und beobachtete die Durchführung mit Interesse.

„Wir versuchen, den Flüchtlingen einen Einblick darüber zu geben und stellen vor, was Feuerwehr überhaupt bedeutet“, sagte Matthias Kleineberg. Nachdem die Kameraden sie abgeholt hatten, wurden Fragen geklärt. Das sind manchmal Kleinigkeiten. „Die Flüchtlinge und Asylbewerber kennen oft nicht mal den Schließmechanismus unserer Fenster“, sagte Matthias Kleinberg. Das richtige Verhalten scheitere also schon daran, wenn bei einem Brandfall das Fenster geschlossen werden muss.

Und wenn es mal doch nicht mit der Verständigung klappte, standen Michael Bergediek und Fariborz Molki, Hausmeister der Übergangswohnheime, zur Hilfe bereit. Beide sind mehrsprachig und Molki kennt die Situation der Flüchtlinge besser als kaum jemand anderes. Denn er fing genau wie sie in Deutschland an: als Flüchtling.

Matthias Kleinberg hoffte im Vorfeld zwar darauf, dass er die Menschen nicht nur aufklären, sondern auch für die Freiwillige Feuerwehr begeistern könnte. „Doch ich rechne nicht damit“, sagte er. Eine Mitgliedschaft bei der Wehr sei eben doch etwas anderes, als in einem Sportverein auf dem Fußballplatz zu kicken.

„In unseren Reihen haben wir ja gerade mal einen halben Migranten“, sagte er scherzhaft und meinte damit Sali Souleiman, der in Deutschland aufgewachsen ist. Und er fügte hinzu: „Wenn die Veranstaltung als Erfolg bewertet wird, werden wir sie wiederholen.“