Eltern fühlen sich allein gelassen

Foto: Uwe Schaffmeister
Was wir bereits wissen
Kinderpornografie-Ermittlungen: Mutter kritisiert die Infomationspolitik der Stadt und berichtet von Fotos, die gemacht worden sein sollen.

Sprockhövel..  Im Fall der Ermittlungen gegen einen ehemaligen Praktikanten der Kindertagesstätte Schee, der im Verdacht steht, Bildmaterial mit kinderpornografischem Inhalt zu besitzen, erhebt eine Mutter jetzt neue Vorwürfe: In der Einrichtung könnten doch Bilder entstanden sein. Die Stadt äußert sich dazu nicht mehr. Die Staatsanwaltschaft betont aber, es gebe derzeit keine Hinweise auf einen Missbrauch.

„Mein Sohn hat erzählt, dass der Praktikant mit dem Handy Fotos im Schlafraum gemacht hat“, sagt eine Mutter. Sie hatte ihn danach gefragt. Ihr Sohn habe erst erschrocken reagiert und das Gespräch abgeblockt, dann aber doch von Bildern erzählt. Von Nacktfotos habe er aber nicht gesprochen, sagt sie.

Auch von anderen Eltern habe sie erfahren, dass deren Kinder von Aufnahmen berichteten. „Auf dem Elternabend vor zwei Wochen wurde uns noch gesagt, dass der Kita-Leiterin Bilder von einem der beschlagnahmten Rechner gezeigt wurden“, berichtet die Mutter. ­Dabei seien keine Bilder aus der Kita gefunden worden. „Jetzt sollen Fotos für eine Collage für die Praktikumsmappe gemacht worden sein.“ Andere Praktikanten hätten sich dafür die Erlaubnis der Eltern eingeholt, kritisiert die ­Mutter und fragt: „Warum müssen solche Bilder im Schlafraum gemacht werden und noch dazu mit dem Handy?“

Der Stadt wirft sie eine schlechte Kommunikation vor, wie andere Eltern bereits vor ihr. „Wir haben ja nur über Umwege davon erfahren“, klagt sie. Informationen hätten die Eltern von der Stadtverwaltung seit dem Elternabend nicht mehr erhalten. Die Stadt möchte sich zu dem Sachverhalt nicht mehr äußern, verweist an die Staatsanwaltschaft.

Und auch die gibt kaum Informationen. Aber aus gutem Grund, wie Oberstaatsanwältin Anette Milk erklärt: „Wir möchten die Ermittlungen gründlich führen und oftmals fällt es Zeugen in einer späteren Verhandlung unbewusst schwer, zwischen Gehörtem und Erlebtem zu unterscheiden“, erklärt sie. Außerdem müsse man den Begriff der Pornografie von anderen Aufnahmen abgrenzen und sich deshalb „alles haargenau anschauen.“

„Bisher haben wir keine Kenntnisse, dass es zu einem Missbrauch gekommen ist“, betont sie. Sexuellen Missbrauch von Kindern begeht laut Gesetz übrigens nicht nur, wer sexuelle Handlungen an Personen unter 14 Jahren vornimmt oder an sich oder einem Dritten vornehmen lässt. Sondern auch, wer „auf ein Kind mittels Kommunikationstechnologie einwirkt“, um eine „kinderpornographische Schrift, die ein tatsächliches Geschehen wiedergibt“ herzustellen (§ 176 und § 184b Strafgesetzbuch).