Ein Löwe aus Leidenschaft

Im Trikot seines Lieblingsvereins: Mario Bierwirth im 1860-Jersey.
Im Trikot seines Lieblingsvereins: Mario Bierwirth im 1860-Jersey.
Foto: PRIVAT

Sprockhövel..  Wie wird man als Kind des Ruhrgebiets ein Fan des TSV 1860 München? Das ist eine Frage, die Mario Bierwirth nur allzu gut kennt.

„Mein Papa ist Bayernfan“, sagt Bierwirth. „2001 waren wir zum Spiel Bayern gegen Kaiserslautern in München. Ich fand die Stadt imposant.“ Und während der Erfolg des FC Bayern für ihn nicht anziehend war, faszinierten ihn die blau-weißen bayerischen Landesfarben und der Löwe des Ortsrivalen 1860.

Seiner Meinung nach macht den Verein das aus, was auch die großen Ruhrgebietsclubs sich gerne auf die Fahnen schreiben: den „Working-Class-Charakter“ nennt Bierwirth das. 1860 sieht sich als Arbeiterverein. „Das ist ein bisschen wie im Ruhrgebiet“, sagt er.

Fahrt zu jedem Auswärtsspiel

Deswegen komme er meist auch mit Schalke-Fans gut aus. „Wenn ich denen meine Fan-Leidenschaft erkläre, erkennen sie sich darin wieder. Wir haben einige Dinge gemeinsam, wie wir den Fußball sehen.“

„2003 habe ich mein erstes Auswärtsspiel in Dortmund besucht“, erinnert sich Bierwirth, den damals Spieler wie Benny Lauth oder Marcus Schroth begeisterten. Später wurden es andere Akteure, denen er manchmal auch ein Lied widmet. Auf den ungarischen Torhüter Gabor Kiraly, dessen Markenzeichen eine schlabbrigen graue Trainingshose war, dichtete er einen Song. „Der Chefredakteur eines Fanblogs hat Kiraly das Lied dann vorgespielt. Bei einem Testspiel in Österreich habe ich ihn kennengelernt, und er hat mir seine Handschuhe geschenkt.“

Sein neuestes Lied hat er dem Nachwuchsspieler Korbinian Vollmann gewidmet. „Beim Auswärtsspiel in Leipzig hat er mir sein Trikot geschenkt“, sagt Mario Bierwirth. Auch habe er gehört, dass Vollmann das Lied vor dem Anpfiff immer auf voller Lautstärke auf dem MP3-Player höre, sagt er mit einem Lachen. Ob das stimmt, wisse er aber nicht.

Wenn es möglich ist, fährt Mario Bierwirth zu jedem Auswärtsspiel seiner Löwen. Egal, ob nach Aue, St. Pauli oder Ingolstadt. Wenn er eines verpasst, versucht es das durch ein Heimspiel in München zu kompensieren. „So dass ich auf jeden Fall auf 17 Spiele komme.“

Meist fährt Bierwirth mit bis zu vier Bekannten, die aus Bochum, Wuppertal, Düsseldorf und Soest kommen. Gemeinsam diskutiert man über die Lage des Traditionsvereins, der in der 2. Bundesliga gegen den Abstieg kämpft.

„Es ist eine schwierige Situation“, sagt Mario Bierwirth. Der TSV sei jetzt so lange in der zweiten Liga, es müsse etwas passieren – Auf- oder Abstieg. „Der Verein hat in den letzten Jahren sehr schlecht gewirtschaftet. Eigentlich müssten wir jetzt absteigen. Normalerweise freue ich mich immer auf den Rückrundenstart – aber diesmal habe ich wirklich Angst, dass wir absteigen.“