Die Küche „Zur Alten Post“ bleibt kalt

Helga und Heinz-Gerd Deffner schließen ihr Restaurant „Zur Alten Post“.
Helga und Heinz-Gerd Deffner schließen ihr Restaurant „Zur Alten Post“.
Foto: Fischer

Sprockhövel..  An Silvester gingen die letzten Speisen aus der Küche des Restaurants „Zur Alten Post“ in Herzkamp an die Tische. Helga und Heinz-Gerd Deffner gehen in den Ruhestand, einen Nachfolger gibt es nicht.

„Nach 47 Jahren und 97 Tagen darf man es sich erlauben in den Ruhestand zu gehen, oder?“, fragt Heinz-Gerd Deffner scherzhaft. Keine Frage, das darf man. Den Ausstieg haben seine Gattin und er sich sicherlich mehr als verdient. Einen Nachfolger haben die Deffners nicht finden können. „Trotz intensiver Bemühungen von uns, diverser Institute und Makler“, sagt Heinz-Gerd Deffner. Die Hoffnung hat er allerdings noch nicht ganz aufgegeben. „Vielleicht fährt mal jemand vorbei und denkt sich: Hier ist etwas zu machen“, sagt der 72-Jährige. „Das Gästepotenzial ist jedenfalls da.“ Insbesondere was Stammgäste angeht, denn von denen hatten die Deffners viele.

„Mir wäre es am liebsten, wenn jemand das machen würde“, sagt Heinz-Gerd Deffner. Dann allerdings sei klar, dass das neue Lokal ein frisches Gesicht haben müsse. „Nach so vielen Jahren muss ein Geschäft ein anderes Gesicht bekommen“, sagt er. Sollte sich aber doch kein Nachfolger finden, wird das Geschäft aufgelöst. „Dann hören wir uns im Kollegenkreis um und werden jedes Messer und jede Gabel verkaufen.“

Für die Zukunft des Restaurants sieht es derzeit also nicht allzu gut aus, was seine eigene angeht, lässt Heinz-Gerd Deffner alles auf sich zukommen. „Sicher freut man sich auf den Ruhestand“, sagt er. „Aber wie der sich ausfüllt, kann ich noch nicht sagen.“ Er selbst jage aus Hobby. „Und vielleicht werde ich das dann ein wenig häufiger tun. Ich denke, dass meine Frau öfter mal ins Theater geht“, sagt Heinz-Gerd Deffner.

Deffner kochte für Max Schautzer

Natürlich ist auch Wehmut mit dem Gang in den Ruhestand verbunden. „Das haben in den Tagen vor Silvester sicherlich auch unsere Gäste gemerkt“, sagt Deffner, dem es am Herzen liegt, sich bei den Besuchern zu bedanken. „Für die jahrelange Treue“, sagt er. Vielleicht nimmt es den Deffners ein wenig an Wehmut, wenn sie an die Höhepunkte der vielen Jahre zurückdenken. Da war zum Beispiel ein Fernsehauftritt, bei dem Heinz-Gerd Deffner Moderator Max Schautzer Stüteraner Kartoffelsalat und Kohlentreiberbrot servierte. „Einmal war auch der damalige Ministerpräsident Wolfgang Clement bei uns“, sagt Deffner. „Er hat damals mit den Auszubildenden gesprochen.“

Und wie sieht es im Ruhestand mit dem Kochen aus? Hat jemand, der so lange am Herd gestanden hat wie Heinz-Gerd Deffner, überhaupt noch Lust dazu? „Am Anfang wohl eher nicht“, sagt Deffner. „Aber ich kann vermutlich die Finger nicht vom Herd lassen“, fügt er mit einem Lachen hinzu.