Die Jahrhundert-Frau

Sprockhövels Stadtälteste: Mathilde Mange (108)hat eine große Familie.Foto:Christian Werth
Sprockhövels Stadtälteste: Mathilde Mange (108)hat eine große Familie.Foto:Christian Werth
Was wir bereits wissen
Mathilde Mange ist im Jahr 1906 geboren und macht bis heutefast alles selbst. Ein Porträt von Sprockhövels Stadtältester

Ihre Weihnachtsplätzchen sind noch immer ein Gedicht, verwöhnen nicht weniger als vier Generationen. Auch zu ihrem 109. Weihnachtsfest hat es sich Mathilde Mange nicht nehmen lassen, Kinder, Enkel, Urenkel zu bebacken. Schließlich ist dies keine große Sache für die 108-Jährige, die nach wie vor fast alles selbst macht.

Sie ist eine Lebensoptimistin

Im Drei-Generationen-Haus im Eicklöhken, in dem auch ihre Tochter mit Schwiegersohn sowie der Enkel mit seiner Frau leben, hilft man sich gegenseitig. So ist auch die heimische Weihnachtsdekoration ein Gemeinschaftsprodukt von Mange und ihrer 48-jährigen Enkelin Elke Weituschat, die die Oma liebevoll „meine Freundin“ nennt. Überhaupt sei es der große Zusammenhalt der Familie, der ihr viel Kraft gebe, verrät Mathilde Mange, Sprockhövels Stadtälteste. „Das Miteinander ist das Schönste und hat mich immer begleitet“, meint die Seniorin und schwärmt davon, dass mindestens einmal im Jahr die gesamte Verwandtschaft zusammenkommt: die beiden Kinder, heute auch schon stolze 80 und 77 Jahre alt, fünf Enkel und neun Urenkel, von denen das jüngste erst vor wenigen Wochen geboren wurde.

Die Mangeschen Nachkommen hat es dabei teils sogar in bis in die USA verschlagen. Auch die Familienälteste selbst kommt ursprünglich gar nicht aus der Region. Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Hunsrück, zog es die Hauswirtschaftlerin der Liebe wegen zunächst nach Trier, wo sie 1933 ihren Mann heiratete. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten Mange und ihre Kinder dann nach Kohlscheid bei Aachen um. Seit Ende der 1970er Jahre lebt die Familie in Sprockhövel.

Mathilde Mange hat beide Weltkriege bewusst miterlebt und wie viele andere die Grausamkeit dieser Kriege miterleben müssen. Aus dem Ersten Weltkrieg kam ihr Vater nicht mehr nach Hause, ihr Mann fiel 1943 im Zweiten Weltkrieg. „Unvorstellbar, was wir Menschen uns da selbst angetan haben“, blickt Mange zurück. Trotz dieser schrecklichen Erlebnisse hat die Stadtälteste jedoch nie den Lebensmut verloren. „Man muss eben immer das Beste aus dem Leben machen und alles so hinnehmen, wie es einem zugedacht ist“, sagt die Optimistin.

Mut und Willensstärke treiben die 108-Jährige bis heute tagtäglich an: „Ich versuche immer noch, so viel wie möglich zu tun. Wenn ich nur im Sessel gesessen hätte, wäre ich bestimmt nicht so alt geworden“, stellt die Seniorin klar.

Nachdem sie die Gartenarbeit vor einigen Jahren schweren Mutes abgeben musste, gehört heute das Lesen zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen: anspruchsvolle Literatur wie Biografien oder historische Bücher. Zudem ist sie die einstige Turnerin sportbegeistert geblieben, schaut sich im Fernsehen gern Leichtathletik und Wintersport an.

Auch ausgeprägt kontaktfreudig ist die 108-Jährige bis heute geblieben, neben verschiedenen Brieffreundschaften, die sie pflegt, besucht sie noch immer regelmäßig den Seniorentreff. „Da gefällt es mir sehr gut, auch wenn das dort alles meine Kinder sein könnten“, schmunzelt die rüstige Seniorin.