Deutsch-polnischer Austausch in Sprockhövel

Um an die Zwangsarbeiter zu erinnern, legten die Austauschschüler auf dem katholischen Friedhof in Haßlinghausen einen Kranz nieder.Foto:Bastian Haumann
Um an die Zwangsarbeiter zu erinnern, legten die Austauschschüler auf dem katholischen Friedhof in Haßlinghausen einen Kranz nieder.Foto:Bastian Haumann
Was wir bereits wissen
Noch bis Freitag sind 20 Schüler aus Wojnicz zu Gast an der Haßlinghauser Gesamtschule, beschäftigen sich hier mit der deutschen Kultur und Geschichte.

Sprockhövel..  Witamy! Oder auf Deutsch: Herzlich willkommen! Mit diesen Worten haben die Wilhelm-Kraft-Gesamtschüler gerade 20 Austauschschüler vom „Gimnazjum Publiczne“ aus Wojnicz begrüßt, seit diesem Dienstag nun beschäftigen sie sich mit der deutschen Kultur und Geschichte.

Die polnische Mittel- und die Haßlinghauser Gesamtschule unterhalten eine Partnerschaft. Und nachdem die Gesamtschüler bereits im vergangenen Herbst einen Abstecher nach Polen gemacht haben, sind in diesem Jahr die polnischen Schüler mit ihrem Gegenbesuch an der Reihe. Sie bleiben noch bis Freitag in Sprockhövel und sind bei Gastfamilien in benachbarten Städten – wie Gevelsberg, Schwelm, Ennepetal, Wetter und natürlich Sprockhövel – untergebracht.

Der Auftakt ihres Besuchs am Montag begann für die polnischen Schüler noch recht ruhig. Nach der Busreise – immerhin braucht man von Wojnicz nach Sprockhövel 15 Stunden über die Straßen – sollten sie erst einmal ankommen und sich einleben. „Die Schüler trafen auch ihre alten Freunde wieder, die sie noch vom ersten Austausch kennen, als unsere Schüler in Polen waren“, sagt Mariette Kersting-Amling, Lehrerin an der Gesamtschule.

An diesem Dienstag nun geht es schließlich mit dem breitgefächerten Programm los. Karin Hockamp vom Sprockhöveler Stadtarchiv besucht die Gruppe im Klassenzimmer und hält einen Vortrag über die Zwangsarbeiter in Sprockhövel: „Hier lebten 2000 Zwangsarbeiter, etwa 300 davon kamen aus Polen.“ Im Vortrag geht es auch um die Frage: „Wie gehen wir mit der Vergangenheit um?“

Karin Hockamp ist ganz begeistert von der Gruppe. „Die Schüler waren während des Vortrags mucksmäuschenstill.“ Direkt im Anschluss besucht die Gruppe den katholischen Friedhof an der Kortenstraße, um einen Kranz niederzulegen und eine Gedenkminute abzuhalten. Dort sind ehemalige Zwangsarbeiter beerdigt. Weiter geht’s mit dem Antifaschistischen Arbeitskreis nach Gevelsberg und Sprockhövel, zu Schauplätzen des Nazi-Terrors.

Der für Mittwoch geplante Besuch der Gestapo-Zentrale und des Doms in Köln dagegen platzt. Der Bahnstreik macht ein Hinkommen unmöglich. „Wir weichen daher auf den Wuppertaler Zoo aus“, sagt Mariette Kersting-Amling. Ob sich der Bahnstreik auch Auswirkungen auf das weitere Programm hat, bleibt abzuwarten. Eigentlich soll es noch quer durchs Ruhrgebiet gehen, sollen das BVB-Stadion in Dortmund und das Bergbaumuseum in Bochum besucht werden.