Das Wohnmobil in der Box

Erfinder und Camper Ulrich Vielmetter aus Niedersprockhövel.
Erfinder und Camper Ulrich Vielmetter aus Niedersprockhövel.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Der Sprockhöveler Ulrich Vielmetter erfand ein Camping-Modul, das einen Pkw in ein Wohnmobil verwandelt. Die zündende Idee kam ihm beim Packen.

Sprockhövel..  Es zählen eben die inneren Werte. Denn in der Kiste, die sich Ulrich Vielmetter ausgedacht hat, steckt beinah ein ganzes Wohnmobil. Sie wird einfach in ein Auto – ein Kombi sollte es schon sein – gestellt und es braucht nur wenige Handgriffen, um eine Matratze zu entfalten. Es gibt fließend Wasser, ein Spülbecken, einen Zwei-Flammen-Kocher und sogar eine kleine Arbeitsfläche. Länger als eine Minute dauert der Aufbau kaum. „In unserem Werbevideo schaffen wir es sogar in 35 Sekunden“, sagt der Erfinder.

Und da Kiste oder Camping-Modul wenig klangvolle Namen sind, taufte der 48-Jährige seine Erfindung: Ququq (sprich: Kuckuck). „Der Kuckuck legt sein Ei schließlich auch in fremde Nester.“ Dabei ist Vielmetter eigentlich kein Erfinder. Jedenfalls nicht hauptberuflich. Er ist Designer. „Und leidenschaftlicher Camper.“

Die Idee zu der Box kam daher auch bei einer Campingtour vor etwa vier Jahren. Er habe gerade das Auto gepackt und festgestellt, dass der Platz für viel mehr reicht. Im Urlaub entstanden dann die ersten Skizzen, wieder daheim ging es an die Umsetzung und zwei Prototypen später war alles fertig.

Der Sprockhöveler schaute sich auch auf dem Markt um. „Es gibt europaweit vielleicht zwei, drei Anbieter“, sagt er. Doch ihre Systeme waren ihm zu kompliziert. Er wollte weder schrauben noch montieren. Seine Camper-Erfahrungen halfen bei der Gestaltung seiner Box. „Sie passt auf eine Europalette.“ Das erleichtert nicht nur den Versand. Das Camping-Modul, das 60 Kilo auf die Waage bringt, passt dank der kompakten Maße durch eine ganz normale Wohnungstür und in fast 20 Pkw-Typen. Es biete Stauraum für Konservendosen und sogar für den Bierkasten. „Die Box ist vollkommen eigenständig.“ Sie muss also nicht über den Zigarettenanzünder mit Strom versorgt werden, das Wasser fließt dank der Schwerkraft aus dem Hahn, der Kocher wird mit Gaskartuschen betrieben.

Vielmetter hat Kunden, die aus ganz Europa, teils darüber hinaus kommen. Hin und wieder senden sie ihm auch Urlaubsgrüße von ihren Reisen zu. Einer fuhr drei Monate durch Europa und nutzte die Box. Ein anderer reiste bis zum Nordkap. Oft sind es ältere Menschen, die sich das Modul gönnen. „Früher bauten sie ihren alten Bulli um und reisten durch die Welt.“ Der Sprockhöveler Tüftler hat es früher auch nicht anders gemacht.

Jüngeren Campern ist das Wohnmobil in der Kiste oft zu teuer. Die Boxen kosten immerhin 2200 bis 2800 Euro, je nach Modell. Noch stehen sie zwar bei Vielmetter in der Garage. Aber nicht mehr lange. „Wir richten einen Showroom in Köln ein.“