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Politik & Wirtschaft

Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea

08.11.2010 | 15:52 Uhr
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea

Sprockhövel. Unmut gegen den geplanten Homepark des schwedischen Möbelriesen an der Stadtgrenze wächst.

Bürgermeister Dr. Klaus Walterscheid bezog am Wochenende klar Stellung gegen den an der Stadtgrenze zu Wuppertal geplanten Ikea-Homepark: „Was soll aus unseren lebendigen, traditionell vom mittelständischen Einzelhandel geprägten Innenstädten werden, wenn die Geschäfte ausgelagert werden? Es würde nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern vor allem auch Abstriche in der Lebensqualität bedeuten.“

Die SPD (Ratsfraktion und Stadtverband) hatte zu einer Info-Veranstaltung geladen. „Der Ennepe-Ruhr-Kreis kann nur mit einer Stimme auftreten“, erklärte der Bürgermeister weiter. Gemeinsam hätten die Städte deshalb ein Positionspapier zum Thema entwickelt.

Wenn es nach dem Wuppertaler Bürgermeister Peter Jung geht, kann der Ikea-Homepark nicht schnell genug die Fertighaus-Ausstellung an der Sprockhöveler Stadtgrenze in Wuppertal-Nord ablösen.

Das Vorhaben hätte fatale Auswirkungen, sagt Jürgen Köder von der Wirtschaftsförderungs-Agentur des Kreises. „In Sprockhövel gibt es 153 Einzelhändler, 49 von ihnen im Bereich Einrichtung, Glas, Sport, Foto-Optik und Haushalt wären durch den Riesenkonkurrenten bedroht.“

„Unsere Lage am Autobahnkreuz wird dem Einzelhandel ohnehin schon zum Verhängnis. Nur 20 Prozent der Kaufkraft der Einwohner bleibt in den Orten, der Rest wandert in die Großstädte. Ein Homepark direkt vor der Tür würde das nur verschlimmern“, sagt Wolfgang Weiss vom Werbering Hasslinghausen.

Schwierig wird das Handeln für den Ennepe-Ruhr-Kreis: Ikea würde deutlich näher an den Stadtkernen von Haßlinghausen, Gevelsberg oder Schwelm liegen – aber Wuppertal entscheidet und würde die Gewerbesteuer kassieren.

Auch die Anwohner haben Bedenken, vor allem wegen des Verkehrsaufkommens. „Ikea würde wahrscheinlich keine eigene Autobahn-Auffahrt bekommen, der Verkehr würde sich auf die ohnehin strapazierten Umgehungsstraßen ausweiten“, so der Erste Beigeordnete Bernd Woldt.

Was kann man also tun? Jürgen Köder: „Gerade jetzt müssen die Innenstädte mit Investitionen, neuen Parkplätzen oder Verschönerungen aufgewertet werden, um an Attraktivität zu gewinnen.“

Stefanie Vollmann

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Kommentare
11.11.2010
15:42
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Till Kowski | #15

10.08.2010
http://frontal21.zdf.de/ZDFde/inhalt/26/0,1872,8098714,00.html

IKEA: Niedrigsteuern
auf Milliardengewinne

von Christian Esser, Norbert Hansen und Joe Sperling

Organisierte Steuerflucht wirft der Wirtschaftsexperte der Gewerkschaft ver.di., Dierk Hirschel, IKEA vor. Nach Recherchen von Frontal21 machte die in den Niederlanden ansässige IKEA-Muttergesellschaft, die Ingka Holding, allein im Jahr 2008 einen Gewinn von 2,28 Milliarden Euro. Der von Firmengründer Ingvar Kamprad kontrollierte Möbelkonzern hat auf diesen Milliarden-Gewinn lediglich 19,3 Prozent Steuern bezahlt. Hier würden massiv Steuerschlupflöcher genutzt, so der ver.di-Experte: Wenn ordnungsgemäß versteuert würde, müssten zwischen 30 und 35 Prozent gezahlt werden.
Zudem hat die IKEA-Gruppe ein undurchsichtiges Stiftungssystem zur Steuerung der Finanzströme aufgebaut. Allein in den Niederlanden betreibt die Gruppe insgesamt fünf Stiftungen - bislang waren nur zwei bekannt. Darüber hinaus existiert auch im Steuerparadies Curacao auf den Niederländischen Antillen eine Inter IKEA Holding NV.

Das Firmengeflecht von IKEA sei so komplex, so Hirschel, damit die nationalen Finanzbehörden letzten Endes nicht mehr durchschauen, wohin das Geld fließt. Der ver.di-Experte erhebt schwere Vorwürfe: Volkswirtschaftlich ist es schädlich und moralisch-ethisch ist es *******, anders kann man das nicht bezeichnen, so Hirschel gegenüber Frontal21. IKEA teilt gegenüber Frontal21 mit: Die IKEA-Gruppe bezahlt Steuern nach den Gesetzen und Vorschriften in jedem Land, in dem es rund um die Welt tätig ist. Folglich werden in Deutschland Steuern in bedeutender Höhe bezahlt.
Philosophie Steuer-Vermeidung

Der ehemalige IKEA-Manager Johan Stenebo bestätigt gegenüber Frontal21: Steuer-Vermeidung - das ist die Philosophie. Innerhalb von IKEA wird es als etwas sehr Negatives, bishin als kriminell angesehen, mehr Steuern zu zahlen als man muss. Stenebo war einer der engsten Mitarbeiter von Firmengründer Ingvar Kamprad und spricht zum ersten Mal im deutschen Fernsehen über seinen ehemaligen Arbeitgeber. Während der Konzern viele Steuerschlupflöcher nutzt, versucht IKEA Deutschland die Personalkosten zu senken.
Wirtschaftswissenschaftler Rudolf Hickel. Quelle: ZDF

So werden in den deutschen Filialen Leiharbeiter eingesetzt. Im Stammsitz in Wallau sollen insgesamt zehn Prozent aller Arbeitsstunden von Leiharbeitern geleistet werden. Manche von ihnen verdienen so wenig, dass sie über Hartz IV aufstocken müssen, sagt Professor Rudolf Hickel von der Universität Bremen. Man kann also zusammengefasst sagen: Die Kostensenkungsstrategie durch Einstellung von Leiharbeitern wird am Ende vom Staat, sprich von den Steuerzahlern noch finanziert. Und das ist ein wirklich miserabler Beitrag für das Image von IKEA, so Hickel weiter. Die deutschen Leiharbeiter würden nur vorübergehend zu frequenzstarken Zeiten eingesetzt, so IKEA in einer Stellungnahme gegenüber Frontal21. Außerdem habe man mit der Gewerkschaft eine Betriebsvereinbarung Leiharbeit geschlossen.

11.11.2010
07:03
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von HansPeterPeter | #14

Also Fakten. Mal diesen Link benutzen.
http://www.sihk.de/linkableblob/557926/data/Informationsveranstaltung_IKEA_Wuppertal-data.pdf
.

Die Zahlenangaben schwanken. Klar.
Aber selbst wenn ein IEKA nur 100 Millionen Euro Umsatz macht. Das Geld muss doch irgendwoher kommen. Anzunehmen ist, daß es aus der näheren Region kommt. Das Geld kann nicht mehr in den Nachbarkommunen ausgegeben werden. Selbst wenn die Städte jetzt richtig Gas geben, ist das immer noch eine enorme Bedrohung. IKEA ist nur nur ein Konkurrent. Und was passiert, wenn die Kohle weg fällt, sehen wir doch schon an vielen Orten.

10.11.2010
16:58
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von vonBommel | #13

Selbstverständlich soll es auch Vollsortimenter für den schlechten Geschmack geben. Warum nicht? Aber was ist daran lächerlich festzustellen, dass sich hinter der kumpeligen Fassade frühkapitalistische Methoden verstecken. Und was ist daran lächerlich zu diskutieren, dass EN die Umweltbelastung, Verkehr, Lärm, Dreck (...) und Wuppertal die Steuererträge bekommt?

10.11.2010
13:43
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Der Kunde | #12

Das hört sich ja so an als würden die Kunden zu Ikea getrieben, zum Kauf gezwungen und in das Geschäft genötigt. Oha, und die Mitarbeiter sind auch in Sklavenhaltung und können tatsächlich nicht kündigen, wenn es ihnen nicht passt.
Lächerliche Argumentation!

10.11.2010
09:39
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von vonBommel | #11

Lagerhallen mit Verkaufskassen und Abholschalter für hässliche Möbel, die man mitnehmen und selbst zusammenschrauben muss: Niemand braucht das. Außer man ist scharf auf die Gewerbesteuer eines Multis, der seine Mitarbeiter drangsaliert, an die Belastungsgrenzen treibt, Betriebsräte schikaniert und seine Kunden penetrant duzt. Tolle Perspektive für die Pleitestadt nebenan: den milliardenschweren Investor auf die Stadtgrenze setzen, steuern kassieren und die Kollateralschäden im EN-Kreis entsorgen. Trickreich!

10.11.2010
00:00
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Naturfanatiker | #10

Ich finde so ein Ikea-Markt verschandelt nur die Natur und die restliche Wirtschaft. Weg von den Monopolen müsste doch das Ziel lauten. Lidl gibt es ja schon neben jedem Kindergarten. Furchtbar. Und dann muss man sich nicht wundern, wenn die alleinerziehende Mutter von 8 bis 21 Uhr im Laden stehen muss. Ohne gewerkschaftlichen Beistand versteht sich. Schluss mit der Debatte! Die Wuppertaler müssen ihrem OB mal die passenden Briefe schreiben!

09.11.2010
20:56
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Ein_Auswärtiger | #9

Da hat der TaxMan doch recht. Es kann doch nicht sein, das man eigenes Versagen an anderen fest macht. Ich finde es eine Unverschämtheit der EN-Kreis Bürgermeister sich so gegen einen Multi stellen zu wollen. Mit Kurzsichtigkeit wird hier auf Stimmenfang gegangen. Wer biitte schön aus Niedersprockhövel fährt denn in die Pafümerie Weiss um einen Duftstoff zu kaufen? Es gibt in Sprockhövel durchaus Geschäftsleute die in den Wirtschaftsstandort Sprockhövel investieren und dafür belohnt werden. Dafür kommt man dann auch gerne aus Bochum, Wuppertal und Essen zum Schuhe kaufen. Warum dann nicht auch noch ein Billyregal kaufen. Es mag sich EN-Kreis schimpfen, aber den Städten und Bürgermeistern/innen klebt der Kleinstadtmuff an den Fersen. Ob mit oder ohne Ikea, eine schöne Fußgängerzone bleibt ohne gute Geschäftsleute auch weiterhin leer.

09.11.2010
15:14
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Der Kunde | #8

Aber vielleicht bin ich ja auch nicht der typische Innenstadtkunde. Entweder es gibt einen Händler, der ein besonderes Sortiment hat und gleichzeitig möglichst kundenfreundlich ist (Öffnungszeiten, etc.), dann kaufe ich auch dort gerne ein. Ansonsten nach folgender Reihenfolge: Parkplatz, möglichst großes Sortiment, kundenfreundlich (Kassen besetzt, wenig Wartezeiten, Service) und als letztes der Preis. Da schneiden unsere Innenstädte nicht immer gut ab. Und ich sehe die Händler nicht in erster Linie als Sponsoren der lokalen Vereine.

09.11.2010
14:45
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von DerPeter | #7

Es gibt ja auch noch andere Innenstädte neben Hasslinghausen. Ennepetal, Schwelm etc.. Das Problem sind die sogenannten innenstadtrelevanten Sortimente, die IKEA sowie andere große Märkte (OBI, ALDI etc.) führen. Als all das, was man so in Innenstädten findet. Je mehr man hiervon auf der grünen Wiese kaufen kann, desto weniger kann der Händler um die Ecke verkaufen. Somit Frequenzverlust, Ladenleerstände, etc.. Da kommt eins zum anderen. Und dann sollte man auch mal überlegen, wer sich in das lokale Sponsoring einbindet und auch mal was spendet. Wenn jemand hier Beispiele von LIDL, Tschibo, Douglas, Schlecker oder auch IKEA hat, der sollte die mal nennen.

09.11.2010
14:11
Bürgermeister stellt sich klar gegen Ikea
von Der Kunde | #6

Wieso ist denn IKEA ein Problem für die Einzelhändler? Ich lebe seit ca. 6 Jahren in Haßlinghausen und die Angebote der Einzelhändler sind so attraktiv, dass ich immer nach Gevelsberg oder Wuppertal fahre. Und IKEA wird sicher keine Konkurrenz für den Bäcker von nebenan.
Aber wach werden die Einzelhändler immer nur, wenn plötzlich jemand nebenan tatsächlich etwas verkaufen möchte.

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