Barrierefrei mit Ecken und Kanten

Petra Sträter (48) mit Rollator auf dem Gehweg an der Hauptstraße. Ihr bereitet auch das Kopfsteinpflaster Schwierigkeiten.
Petra Sträter (48) mit Rollator auf dem Gehweg an der Hauptstraße. Ihr bereitet auch das Kopfsteinpflaster Schwierigkeiten.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Die Stadt macht in Sachen Barrierefreiheit vieles richtig. Die Niedersprockhöveler und Haßlinghauser haben nur kleine Wünsche und Verbesserungsvorschläge.

Sprockhövel..  Es geht nicht nur um die großen Dinge. Es sind vor allem die Kleinigkeiten, die eine Stadt barrierefrei machen. Eine Ampelschaltung, die den Fußgängern genug Zeit lässt, um die Straße zu überqueren, der ausreichend abgesenkte Bordstein oder einfach hilfsbereite Mitmenschen. Unsere Zeitung fragt daher entlang der Mittel- und Hauptstraße nach, ob die Haßlinghauser und Niedersprockhöveler mit der Gestaltung beider Einkaufsmeilen zufrieden sind.

Grundsätzlich: Ja, sind sie. Doch im Detail muss nachgebessert werden. Denn oft bereiten genau die Dinge Schwierigkeiten, an die jemand, der noch gut zu Fuß ist, kaum einen Gedanken verschwendet. Petra Sträter besucht regelmäßig ihren Arzt in Niedersprockhövel. Die 48-Jährige ist auf den Rollator angewiesen. „Und mit dem über den gepflasterten Gehweg zu fahren, ist schon lästig“, sagt sie. Was sie meint, ist nicht zu überhören. Den Rollator schüttelt es bei jeder Rille des Weges, er rappelt und klappert. Auf kurzen Strecken und beim gemütlichen Gehen mag das kaum stören. Doch Petra Sträter eilt gerade zum Bus, geräuschvoll begleitet durch die Gehhilfe. Selbst abgesenkte Bürgersteige können für sie zu einem Problem werden. „Verbunden mit einem Rinnstein ist es schwierig, sie zu überwinden.“

Test mit Rollstuhl

Peter Rust (68), Vorsitzender des Seniorenbeirats der Stadt, kann ihre Probleme sehr gut nachvollziehe. Er engagiert sich ehrenamtlich für die Altenhilfeeinrichtung Matthias-Claudius-Haus, lieh sich einen Rollstuhl und fuhr selbst mal durch die Stadt. „Da habe ich gemerkt, dass es die Kleinigkeiten sind, die Barrierefreiheit ausmachen.“ Denn passte er nicht auf, blieb er mit einem der Räder hängen. Der Dellwig, der hinunter zum Seniorenheim Haus am Quell führt, ist für die Bewohner sogar ein unüberwindbares Hindernis. „Nur drei unserer Bewohner schaffen es dort hoch“, sagt Einrichtungsleiter Christoph Ruthenbeck. Das Haus ist daher auf einen Bus angewiesen. „Damit wollen wir die wichtige Mobilität bieten.“

Dabei erwartet eigentlich niemand aus den beiden Ortsteilen, dass die Stadt die Perfektion erreicht. „Es muss ja auch nicht alles fußgerecht umgebaut werden“, sagt Elfriede Kickuth, 86 Jahre alt. Genauso sieht es auch Robert Ziegler (77), der oft mit seinem Rollator unterwegs ist. Um seinen Stammfriseur in Haßlinghausen zu erreichen, muss er fünf Stufen überwinden. Die Mitarbeiter des Friseurs helfen ihm dabei. Die Szene ist ein schönes Beispiel dafür, dass Barrierefreiheit tatsächlich in den Köpfen der Menschen anfängt.

Ecken und Kanten gibt es ganz in der Nähe von Rewe Lenk. Ein befestigter Pfad verbindet den Parkplatz am Rathaus mit dem Parkplatz des Supermarkts. Um ihn zu nutzen, muss eine kleine Stufe überwunden werden. Die Abkürzung wirkt zwar wie ein Weg, war seitens der Stadt aber nie barrierefrei geplant. Er hat den einzigen Zweck, dass die Marktbesucher nicht kreuz und quer durch das Blumenbeet marschieren und die Bepflanzung beschädigen.