Avery Dennison schließt sein Werk in Sprockhövel

Der Avery-Dennison-Standort in Sprockhövel soll 2016 schließen.
Der Avery-Dennison-Standort in Sprockhövel soll 2016 schließen.
Foto: Fischer
Was wir bereits wissen
Der Sprockhöveler Avery-Dennison-Standort an der Kleinbeckstraße wird im ersten Quartal 2016 aufgegeben. 70 von 115 Mitarbeiter werden gekündigt, die anderen sollen in der Region weiterarbeiten.

Sprockhövel.. Aus für Avery Dennison an der Kleinbeckstraße: Die Belegschaft am Sprockhöveler Standort des Etiketten-Herstellers wurde am Dienstag in einer Betriebsversammlung über die Entscheidung des Unternehmens informiert, im Laufe des ersten Quartals 2016 70 von 115 Stellen abzubauen. Wie es mit dem Rest der Belegschaft genau weitergeht, ist zurzeit noch unklar.

Dirk Kolwe (34), stellvertretender Betriebsratsvorsitzender und tätig in der Logistik, beschreibt die Betriebsversammlung als kurz und vage. Keine 15 Minuten dauerte sie. „Die Betriebsleitung hat sich nur dazu geäußert, dass die Kollegen irgendwo in der Region weiterarbeiten können.“ Der Weg, den Avery Dennison hier gehe, überrasche. „Unter den Mitarbeitern gab es schon Gerüchte über Umstrukturierungen und Stellenabbau“, sagt Kolwe. Mit dem jetzigen Ausmaß habe aber keiner gerechnet.

Erste Kündigungswelle 2008/09

Unweigerlich erinnert dies an die erste Kündigungswelle. „Damals mussten 170 Menschen gehen“, sagt Kolwe. In den Jahren 2008/09 legte Avery Dennison die Werke von Rinke und Paxar zusammen und errichtete den Standort an der Kleinbeckstraße. Kolwe: „Die Produktion wurde eingestellt und ausgelagert und der Standort in ein Muster- und Innovationszentrum umgewandelt.“

Es schwingt Verbitterung mit, als er an die Worte des ehemaligen Geschäftsführers zurückdenkt. „Das ist die heilige Kuh“, zitiert er. „Denn im Jahr 2013 sind Muster- und Innovationszentrum wieder um die Hälfte verkleinert worden.“ Der Betriebsrat werde nun in die Verhandlungen einsteigen. Mit klarer Botschaft: „Wir werden uns nicht unter Druck setzen lassen!“

Gegenkonzepte erarbeiten

Zusammen mit der IG Metall und externen Fachleuten werden die verschiedenen Möglichkeiten geprüft und Gegenkonzepte erarbeitet. Was dabei herauskommt, liege zwischen zwei Extremen: „Im besten Fall wird der Standort nicht geschlossen“, sagt Kolwe. Im schlechtesten Fall werde ein Sozialplan ausgearbeitet und eine Transfergesellschaft eingerichtet, genau wie in 2008/09.

Wenn ein Unternehmen schließt, gibt es aber nicht nur die Verhandlungen, sondern auch den menschlichen Aspekt.. „Bei einigen Kollegen gibt es eine Schockstarre, bei anderen flossen die Tränen, als sie bei der Betriebsversammlung von der Betriebsschließung hörten.“ Auch Kolwe fühle sich „wütend und enttäuscht.“

Die nächste Betriebsversammlung folgt am Donnerstag (30.04.2015) und findet im IG-Metall-Bildungszentrum statt. Auch die Betriebs­leitung stoße später dazu, um Fragen zu klären.