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Zweifel an Gutachten

Angst vor Blechlawinen

15.06.2012 | 23:16 Uhr
Angst vor Blechlawinen
Im Foyer der Sporthalle Haßlinghausen wurde das Verkehrsgutachten der Stadt Wuppertal zur Ikea-Ansiedlung an der Stadtgrenze lebhaft diskutiert.

Wuppertal macht Druck, der Ennepe-Ruhr-Kreis spielt auf Zeit. Die einen wollen Ikea, die anderen wollen insbesondere die Ansiedlung des Homeparks mit allen Mitteln verhindern. Dabei stehen die Südkreisstädte vor zwei Problemen: Zum einen zieht der Homepark des Möbelgiganten Kaufkraft ab. Zum anderen ist die Sprockhöveler Verwaltungsspitze überzeugt, dass Sprockhövel von einer Blechlawine überrollt wird.

Wuppertal macht Druck, der Ennepe-Ruhr-Kreis spielt auf Zeit. Die einen wollen Ikea, die anderen wollen insbesondere die Ansiedlung des Homeparks mit allen Mitteln verhindern. Dabei stehen die Südkreisstädte vor zwei Problemen: Zum einen zieht der Homepark des Möbelgiganten Kaufkraft ab. Zum anderen ist die Sprockhöveler Verwaltungsspitze überzeugt, dass Sprockhövel von einer Blechlawine überrollt wird.

Vor diesem Hintergrund hatte die SPD am Donnerstagabend zu einer Diskussionsrunde in das Foyer der Sporthalle Haßlinghausen geladen. Mittelpunkt der Diskussion war das Verkehrsgutachten der Stadt Wuppertal, das die Situation nicht dramatisch aussehen lässt. SPD-Fraktionschef Klaus Knippschild äußerte seine Zweifel. Das Gutachten geht davon aus, dass bis zu 300 Fahrzeuge mehr über Sprockhövels Straßen zu Ikea rollen. „Das kann man so sehen, wenn davon ausgegangen wird, dass viele Autofahrer den Weg über die Autobahnen nehmen“, so Knippschild. „Ich habe da so meine Zweifel.“ Uwe Tietz, Leiter der Abteilung Kreisentwicklung beim EN-Kreis, sowie sein Kollege Jürgen Tannenfels bekräftigten diese Zweifel.

„Das vorliegende Gutachten berief sich wohl auf die Daten seitens Ikea. Und auch die Berechnungsmethode kann infrage gestellt werden“, fand Tannenfels, der weitere Beispiele nannte. Das Gutachten gehe von einer Verkehrserzeugung von bis zu 7500 Fahrzeugen pro Tag aus. Er komme, aufgerundet, auf einen Wert, der fast doppelt so hoch sei. Tannenfels zog auch den im Gutachten aufgeführten Einzugsbereich der Kunden in Zweifel. „Wir gehen von einem viel größeren Einzugbereich aus“, unterstrich der EN-Kreis-Mitarbeiter.

Die Besucher der Diskussionsrunde befürchteten darüber hinaus, dass viele Fahrer den Weg über die Schmiedestraße und über den Eichenhoferweg wählen. „Ja, wir auch“, gab Tannenfels zu. Wuppertal betonne, Probleme würden gelöst, Ikea zahle. „Doch was ist, wenn nicht?“, fragte er sich. Beigeordneter Bernd Woldt sieht auch eine Mehrbelastung des Verkehrs der Mittelstraße auf die Stadt zukommen. Und dort sei jetzt schon eine Menge los. „Die Mittelstraße hat ein Verkehrsaufkommen von bis zu 11 000 Fahrzeugen pro Tag“, sagte er. Für eine Einkaufsmeile sei das jetzt schon eigentlich viel zu viel. Bürgermeister Klaus Walterscheid machte gleich eine Grundsatzdiskussion aus dem Thema Ikea. „Die Frage ist, wie wollen wir unsere Innenstädte gestalten?“ Aus dem Forum hieß es, auch Sprockhövel hätte zugeschlagen, wenn es ein Ikea-Angebot gegeben hätte. Ein anderer Bürger fragte: „Kann die Situation an der Mittelstraße nicht als Negativbeispiel dienen?“ Damit zielte er auf die Verkehrsentwicklung bei Rewe/Aldi und auf den Leerstand vieler Geschäfte an der Mittelstraße ab. Walterscheid sieht das anders. Die Stadt sei mit dem Einzelhandel im Gespräch, die Leerstände hätten mit Rewe nichts zu tun, „das hat andere Gründe“, sagte Walterscheid, beispielsweise Todesfälle. Rainer Bovermann (SPD-MdL) sah nur eine Möglichkeit, Ikea zu verhindern. „Man muss den Standort unattraktiv machen.“ Ein Gesetz zur Stadtentwicklung sei in Arbeit.

Bastian Haumann



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