Philharmonie Südwestfalen und „Demon's Eye” mit Ex-Deep Purple Jon Lord : Spannungsreiches „Crossover”

Klassikfreunde fragen bei einem Crossover-Konzert gern, ob der klassische Part für sich genommen musikalisch interessant sei, gerade bei einer Musik wie „Concerto for Group and Orchestra” von Jon Lord aus dem Jahre 1969.
Damals als Brückenschlag gemeint, lebt das Werk heute aus der Spannung zwischen den Polen einer musikalischen Erfahrungswelt. „Konzert” – „concertare” – „mit einander streiten”: im Barock sprach man von einem „Concerto Grosso”, wenn Solisten und Gesamtorchester spielend mit einander stritten.
Freilich erschienen die gegensätzlichen Kräfte dieser Pole in der Siegerlandhalle zunächst als Konfrontation. Aber die Impulse aus der einen Welt belebten die andere, und was 1969 als Brückenbau geplant war, könnte 40 Jahre später von einem Publikum, das viele Hörerfahrungen verarbeitet hat, als Symbiose verstanden werden.
Es kracht gewaltig, wenn die Rockband in das sinfonische Gefüge einbricht; und es entwickelt sich ein großes Pathos, wenn am Ende der Bund neuer Gemeinsamkeit beschworen wird: wenn das Sinfonieorchester Rock-Rhythmen übernommen hat und die Rock-band sich anstecken ließ von sinfonischen Lyrismen der Streicher und Bläser.
Ein Musizieren ohne Bodenhaftung
Für die klassischen Musiker war der Anteil, den Lord ihnen zugedacht hat, durchaus anspruchsvoll. Keinesfalls „modern” im Verständnis seiner Zeit, hat er eine sinfonische Partitur geschrieben, in der sowohl farbige Klangflächen als auch solistische Passagen zu ungewohnter Gestaltung herausforderten – weitgehend ein Musizieren ohne Bodenhaftung, weil keiner im Orchester wirklich wusste, wie sein Spiel nach dem Durchgang durch die elektronische Bearbeitung des Tonmeisters in den Ohren der Zuhörer ankommen würde. Dass es ein Stück wurde aus dem Nebeneinander zweier musikalischer Teilwelten war nicht zuletzt der Erfolg der souveränen Dirigenten Jon Lord und Russell N. Harris.
Die im ersten Teil des Konzertes entstandene Gemeinschaft führte im weiteren Verlauf zu Einigkeit von Rock und Klassik. Aus dem provokativen Experiment wurde Harmonie, in der sich die Protagonisten gegenseitig unterstützen. Am Anfang stand Deep-Purple's „Pictures of Home”. Demon's Eye Gitarrist Mark Zyk machte sich mit einem seiner virtuosen Soli bemerkbar und erhielt spontanen Beifall.
Der Sänger der Tribute-Band, Bernd Martin übernahm abwechselnd mit dem Gastsängerin Kasia Laska die vokalen Parts. Vor allem in diesem Lied musste er aber sichtlich gegen die Übermacht der Instrumente kämpfen, die Laska begeisterte durch Volumen und Sicherheit.
Zu „The Sun will shine again” setzte sich Lord, der als einer der wenigen Rockorganisten auch eine klassische Ausbildung hat, an den Flügel und zeigte damit die Umgewichtung von Rock auf Klassik an. Diesen Wechsel vollführte er einige Male bis zum lang erwarteten Höhepunkt. Mit stehenden Ovationen forderten die Zuhörer Zugaben.
Besonderes Finale mit „Child in Time”
Und was viele gehofft hatten, wurde erfüllt: Zum Finale setzte Lord an der Orgel zu „Child in Time” an. Das Besondere an dem Stück: Deep Purple spielen es nicht mehr live. Ein Grund soll sein, dass durch die Schreipassagen die Stimme des Sängers leide. Dieser Herausforderung stellten sich Laska und Martin gemeinsam, zweistimmig und mit großem Erfolg.












