"Wir sind nur die Spitze des Eisbergs"
15.11.2009 | 17:20 Uhr 2009-11-15T17:20:00+0100
Schwerte. „Ach wissen Sie, so ein Vorsitzender, das ist doch nur die Spitze des Eisbergs”, sagte Karl-Heinz Mehrfert. Ein Stück Bescheidenheit ließ da der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ergste/Villigst anklingen, als er die Stadtmedaille aus der Hand des Bürgermeisters entgegennahm.
Wenn das Bild des Eisbergs auch auf die vielen Mitkämpfer verweisen soll, die verdienstvolles Wirken in einem Ehrenamt oft erst effektiv machen – jeder Eisberg hat und braucht doch eine Spitze. Und Spitze sind alle die Männer und Frauen, die am Freitag in der Katholischen Akademie geehrt wurden.
„Sie alle haben Maßstäbe gesetzt”
„Sie alle haben Maßstäbe gesetzt”, sagte Malte Hinz, Chefredakteur der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU, die die Verleihung der Stadtmedaille, der zweithöchsten Auszeichnung der Stadt Schwerte, seit vielen Jahren als Partner begleitet. „Das Ehrenamt ist unverzichtbar, nicht zuletzt in Zeiten knapper Kassen”, erklärte er weiter, und: „Das Ehrenamt macht unsere Städte lebenswert.” Er gratulierte deshalb am Ende nicht nur den neuen Medaillenträgerinnen und -trägern, sondern auch „der Stadt zu solchen Bürgern”.
Mit dem Lied „Oh, happy day” hatte der Musikschul-Chor „Just for fun” unter der Leitung von Jutta Matschi den Abend ausgesprochen schmissig eröffnet. „Was für ein schöner Tag” griff Bürgermeister Heinrich Böckelühr dann das Motto auf. Auch er betonte, wie sehr die Kommune heute auf die ehrenamtlich tätigen Helferinnen und Helfer angewiesen seien. Er hielt aber auch fest, dass das Ehrenamt in Schwerte eine gute Tradition hat, die weit älter ist als jede Finanzkrise: „Diesen Menschen macht es auch einfach Spaß, zu helfen und Zeit zu verschenken für andere.”
„Die Verleihung der Medaille an einzelne zieht den Vorhang weg und weitet den Blick auf die vielen Helferinnen und Helfer im Hintergrund”, sagte Dr. Peter Klasvogt, Hausherr des Abends und Chef der Akademie. „Und sie kann ein Anstoß sein für andere, zivilgesellschaftliches Engagement zu zeigen.”
Mit manchmal launigen und oft auch sehr wissenswerten Zwischenbemerkungen führte Schwertes Ex-Beigeordneter Herbert Kluge gewohnt charmant durch den Abend, den er mit der Bemerkung „49 000 Menschen sagen Danke” auf den Punkt brachte.
Die neuen Träger der Stadtmedaille
„Kinderarmut in Schwerte” heißt das Projekt, das dafür sorgt, dass auch Kinder, für die das ohne Hilfe nicht gesichert wäre, jeden Tag in der Schule eine warme Mahlzeit bekommen. Für dieses Projekt aber steht die Villigsterin Heidi Wenniges. 314 Kinder, vor allem aus Hartz-IV-Familien, betreut das Projekt zurzeit. „Dabei steuert das Projekt nur die Hälfte dazu”, betonte Laudatorin Susanne Schneider. „Die andere Hälfte kommt von den Eltern, die entlastet, aber nicht aus der Verantwortung entlassen werden.”
„Wo kann ich helfen?” Das ist ein Satz, den unzählige Menschen schon aus dem Munde von Joachim Kurtz gehört haben. Woche für Woche erfreut er Seniorinnen und Senioren des AWO-Altenheimes in Holzen mit seiner Gitarre und lädt sie vor allem immer wieder erfolgreich zum Mitsingen ein. Trotz einer starken Sehbehinderung und Handicaps „packt er überall fröhlich und voller Tatkraft mit an”, berichtete Laudatorin Inge Blumberg von seiner unermüdlichen Mithilfe in der weit über Schwertes Grenzen bekannten Johannis-Disco für behinderte junge Menschen und ihre Freunde in Ergste.
Karl-Heinz Mehrfert gehört zu den Gründervätern der Kolpingsfamilie Ergste/Villigst, die gerade ihren 25. Geburtstag feiern konnte. Unzählige Veranstaltungen hat er in diesem Vierteljahrhundert organisiert und damit, so Laudator Johennes Fleischer, „ein Stück mehr Lebensqualität” in die Ortsteile südlich der Ruhr gebracht. Dabei geht der Blick des Kolpingbruders (seit 55 Jahren) weit über den Tellerrand hinaus: Als Vorsitzender des gemeinsamen Sozial- und Entwicklungswerkes der Schwerter Kolpingsfamilien ist er auch für die Hilfe zum Beispiel in den Entwicklungsländern zuständig.
Die stellv. Landrätin Andrea Hosang stellt mit Lore Seifert und Irmtraud Ruder die Gründerinnen der weit über die Grenzen Schwertes bekannten Beginenhöfe vor. „Klug, hochgebildet, zupackend”, das sind Begriffe, die nicht nur der Laudatorin angesicht dieser beiden neuen Medaillenträgerinnen einfallen. Mit der Etablierung des ersten Beginenhofes in NRW haben die beiden einen großen Beitrag zur Entwicklung einer Generationen übergreifenden Wohnform für Frauen erfolgreich geleistet.
„50 Beschäftigte und über eine Millionen Euro Umsatz – das entspricht einem ordentlichen mittelständischen Betrieb” und dies alles hat ein siebenköpfiger ehrenamtlicher Vorstand gut im Griff. Hans-Georg Winkler, der 1. Beigeordnete der Stadt Schwerte, weiß, was er an EFA, der Ergster Familien-Aktion e.V. hat. Seit 2004 hat der Verein (über 400 Mitglieder) als Kooperationspartner der Stadt die Organisation der Offenen Ganztagsschule an fünf Grund- und einer Förderschule übernommen – und weitere Aufgaben sind in Vorbereitung.
Wenn die Stadtmedaille in diesem Jahr auch an „das Hospiz” geht, dann werde damit „ein ganzes Geflecht” von Organisationen, Institutionen, Gruppen und Einzelpersonen ausgezeichnet, erklärte Laudator und Ex-Stadtdirektor Ernst D. Schmerbeck. Für ein Sterben in Würde im Ilse-Maria-Wuttke-Haus legen Initiative, GmbH und Stiftung und viele weitere Ehrenamtliche, die nicht nur in der Sterbebegleitung, sondern auch in Garten und Haus helfen und Sponsorenevents wie den „Garten Eden” oder den Hospizlauf organisieren, die Grundlage.
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