Wenn Produktname in die Irre führt
15.10.2012 | 19:51 Uhr 2012-10-15T19:51:00+0200
Schwerte. Ein Allergiker, der sich über eine kaum sichtbare E-Nummern für Zusatzstoffe auf dem abgepackten Käse aufregt, ein Anrufer, der in der Aufschrift auf der in Folie eingeschweißten Leberwurst entdeckte, dass die Packung viele Substanzen erhielt, aber kaum Leberwurst: Den Frust der Kunden bekommt Angelika Weischer, Leiterin der Verbraucherzentrale, immer wieder zu hören und spricht von einer wachsenden Tendenz. Die Beratungsstelle hat aufgrund der Entwicklung eine Aktion gestartet, um an die Verbraucher zu appellieren, die Hinweise auf den Kartonagen und Verpackungen sehr genau unter die Lupe zu nehmen. Oftmals müsse der Verbraucher aber überhaupt erst einmal das Bewusstsein entwickeln, sich mit den Angaben zu befassen. Doch es lohne sich durchaus, betont die Leiterin.
Aus Untersuchungen, die die Verbraucherzentrale vorgenommen hat, sei bekannt, an welchen Stellen es besonders häufig hapere:
Der Name des Produkts ist irreführend oder widersprüchlich: Da wird das Produkt „Birne Granatapfel“ genannt, aber auf der Zutatenliste findet sich weder Birne noch Granatapfel. Lediglich von Äpfeln ist dann die Rede.
Qualität vorgetäuscht: Es wird mit dem wohlklingenden Namen „Spargelcremesuppe“ geworben, aber der Anteil des Spargels liegt bei gerade Mal vier Prozent.
Beschriftung viel zu klein: Vielfach sind die Angaben so klein gedruckt, dass sie kaum lesbar sind. Vor allem ältere Menschen können nicht entziffern, was auf der Packung geschrieben steht.
Versteckte Hinweise: Sehr häufig werde den Kunden eine aufwändige Suche zugemutet, um überhaupt die Daten zu den Inhaltsstoffen zu finden. Anstatt die se auf der so genannten Schauseite einer Ware zu präsentieren, seien sie auf der Rückseite oder am Rand zu finden. Manche Hersteller benutzen auch die Falz, sagt Weischer. An solchen Stellen sei es mit der Lesbarkeit dann ganz vorbei.
Lebensmittelunternehmen wie Edeka und Rewe, die in Schwerte mehrere Standorte betreiben, verweisen ihrerseits auf die Verantwortung der Hersteller. In Gesprächen mit den Lieferanten sei es aber durchaus ein Thema, wie die Ware ausgezeichnet sei, hieß es auf Anfrage.
Mehr Kontrolleure wünschenswert
Die Lebensmittelkontrolleure des Kreises Unna werfen schon auf ein wachsames Auge auf die Beschriftungen der Ware, betont Ludger Nottenkemper, der mit seinen Kollegen die heimischen Geschäfte aufsucht. Ein Lebensmittelgeschäft werde normalerweise zwei Mal pro Jahr aufgesucht. Im vergangenen Jahr habe man 2385 Proben genommen und in 88 Fällen Beanstandungen ausgesprochen. Vom Haltbarkeitsstempel über die mangelnde Lesbarkeit bis hin zu fehlenden Hinweise bei den Zusatzstoffen reichte die Liste der Anmerkungen.
Verbraucherschützer kritisieren indes, dass die Zahl der Kontrollen viel zu gering sei. Daher würden viele Verstöße überhaupt nicht auffallen. Zusätzliche Prüfer müssten Behörden wie der Kreis Unna einstellen, um häufiger in den Märkten Präsenz zu zeigen.
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