Uschi Vielhauer bringt Farbe ins Leben
07.10.2011 | 17:01 Uhr 2011-10-07T17:01:00+0200
Schwerte.Uschi Vielhauer räumt auf: in ihren Schränken und ihren Gedanken. 42 Jahre arbeitete sie im evangelischen Krankenhaus und ist jetzt pensioniert. „Diese Woche hatte ich meine erste Rente auf dem Konto. Das war schon ein komisches Gefühl.“
Wie auch der Abschied vom Arbeitsplatz. Ihr Arbeitsleben begann sie als Krankenschwester auf der Geburtshilfestation und der Gynäkologie, ihr Arbeitsleben endete als pflegerische Leiterin der geriatrischen Tagesklinik. Die baute sie mit auf, und das gerne. „Kein Wochenenddienst mehr, kein Schichtdienst. Das war ein Geschenk.“ Wie sie blieben und bleiben viele Kolleginnen seit Jahrzehnten im evangelischen Krankenhaus. Das mag auch am Betriebsklima liegen. Man feierte zusammen – „auch mit den Patienten“ –, deckte sich gegenseitig liebevoll Geburtstagstische, verbrachte manche Abende miteinander. „Die letzten Monate im Krankenhaus habe ich mir jedoch anders vorgestellt als ich sie erleben musste. Nicht als Patientin.“
Uschi Vielhauer war schwer krank, viele Wochen lang und hat sich wieder erholt. Die Krankheit bewegte sie zum Umdenken. Vor wenigen Tagen gab sie ihren Vorstandssitz im Verein Die Brücke auf: „Sterben, Tod und Trauer sind im Moment nicht meine Themen.“ Die Kunst bleibt es.
Seit 25 Jahren malt sie, besucht Workshops, zeigt ihre Bilder und wie man’s macht auch anderen. Jährlich lädt sie in ihren Garten in Westhofen zu Ausstellungen ein, bittet Autorinnen und Schauspielerinnen ins Haus zu Aufführungen im Freundeskreis. Ein Ausgleich zu ihrem Beruf als Krankenschwester.
Als vor 1986 der Verein für Sterbe- und Trauerbegleitung Die Brücke gegründet wurde, war sie dabei, seit anderthalb Jahren auch im Vorstand. Jetzt will sie, die gerade 60 Jahre alt ist, ihren Alltag rund um Liebe, Lachen, Laufen und lernen aufstellen: „Es ist wichtig, im Alter Grenzen zu setzen.“
Und sich Zeit zu lassen. „Ich werde endlich mit der Ölmalerei anfangen.“ Bislang hat Uschi Vielhauer mit Acrylfarben gemalt. „Die trocknen schneller.“
Immer arbeitet sie Material mit ein wie Sand und Werkzeug, Küchengeräte und Blätter von Bananenstauden aus dem eigenen Garten, von ihrem Mann wochenlang und fachmännisch getrocknet.
Uschi Vielhauer lacht gerne, feiert gerne, ist gesellig und voll von Ideen. Das sieht man auch auf den Bildern im Fotoalbum, dass die Kolleginnen aus dem Krankenhaus ihr zum Abschied zusammenstellten. Weil sie sich auch gerne verkleidet, möchte sie noch ein Vorhaben verwirklichen: ein Clown-Seminar zu besuchen. Das wird genauso klappen wie viele ihrer anderen Pläne auch: „Ich fühle mich immer geführt und gesegnet.“
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