Überraschung: Busch trifft Bukowski
29.01.2009 | 21:00 Uhr 2009-01-29T21:00:00+0100
Schwerte. Wohl kein anderer Künstler in Deutschland hat nachhaltig deutsche Dichtkunst für Hunderttausende so lebendig gehalten wie Lutz Görner.
Bei der Auswahl der Dichter, ihrer Dichtkunst und deren Interpretation war Görners Handschrift stets unverkennbar. Jetzt kommt der 64-Jährige mit einem Programm daher, das selbst seine eingefleischte Fangemeinde aufhorchen läßt: Wilhelm Busch trifft Charles Bukowski. Geht das?
Das geht! Beide hatten eine problematische Kindheit, beide wurden von Minderwertigkeitskomplexen geplagt, beide litten unter drückender Armut, beide waren geschädigte Süchtige, beide spürten sich erst spät mit fast 40 als Künstler berufen, beide hatten Probleme mit Frauen und waren wie Waldelefanten scheue Einzelgänger, so fasste Görner die Gemeinsamkeiten von Busch und Bukowski zusammen. Es war auf der Fahrt nach Ibbenbüren, wo er am Abend in der Schauburg auf der Bühne stand, dass der Rezitator gestern Mittag einen Stopp in Schwerte einlegte, um rasch für seinen Auftritt am 14. März in der Rohrmeisterei zu werben. Er wolle, betonte Lutz Görner, mit dem Vorurteil aufräumen, „der eine hat Kindermärchen geschrieben, der andere war Pornograf”. Seine Zuhörer, sagte der Rezitator, „müssen nicht mit rotem Kopf aus dem Saal verschwinden”, vielmehr wolle er Busch und Bukowski auf seine ihm eigene Weise darstellen. Und gab auch sogleich eine Kostprobe seines Könnens. Es sind die Gedichte der beiden, die in seinem neuen Programm im Vordergrund stehen, „die besser als alles andere das Innere dieser beiden großen Künstler offenlegen”, wie Görner das beschrieb. Um sogleich noch eine weitere Gemeinsamkeit aufzuzählen: „Busch wie auch Bukowski sind trotz exzessivem Alkoholkonsums über 70 Jahre alt geworden, lebten gegen Ende zurückgezogen und sind hochgeehrt und durch gigantische Buchauflagen als Millionäre gestorben.”
Wie hat das Publikum bisher auf seine Busch-/Bukowski-Abende reagiert? „Die Leute sind zum Schluss euphorisch”, hat der bekannteste Rezitator deutscher Zunge erfahren. Und Görner wäre nicht Görner, wenn er nicht die Gelegenheit nutzte, gleich für sein anderes brandaktuelles Programm zu werben: Im Haydn-Jahr erschien eine Hommage zu dessen 200. Todestag, erzählt von Lutz Görner, auf der Grundlage von Hans-Josef Irmens Haydnbuch. „Der Haydn, der ist ein derartiger Lustmolch gewesen...” schmunzelte der Rezitator. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Mit „Wilhelm Busch trifft Charles Bukowski” gastiert der gebürtige Zwickauer im Rahmen der 48. Schwerter Kleinkunstwochen am Samstag, 14. März, um 20 Uhr in der Rohrmeisterei. Görner, der erstmals 1992 in Schwerte aufgetreten ist, ist wohl der Künstler, der am häufigsten in der Ruhrstadt auf der Bühne gestanden hat. Seine Fans dürfen gespannt sein...
Info:
Mit drei Millionen verkauften Tonträgern und Büchern gilt Lutz Görner heute als der bekannteste Rezitator deutscher Zunge.
Eine 200-teilige Serie „Lyrik für alle” wurde im Sender 3Sat ausgestrahlt.
Seit 2004 läuft im ZDF Theaterkanal seine Serie „Lyrik der Welt”.
Aktuelle Tourneedaten: www.lutzgoerner.de
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