Tiefsttemperatur -28,5
12.02.2010 | 16:32 Uhr 2010-02-12T16:32:00+0100Schwerte. Winter? Die Ruhrstadt hat 16 Tage vor dem meterologischen Frühlingsbeginn am 1. März die Nase voll von Schnee und Eis. Schlimmer war's nimmer, könnte man meinen. Falsch!
Dieser Winter ist zwar nicht der härteste, den Schwerte je erlebt hat , aber...
Helmut Nötting weiß es besser. Der ehemalige Angestellte der Dortmunder Stadtwerke hat als Mitarbeiter der hydrologischen Abteilung die Öffentlichkeit jahrelang mit Wetterdaten versorgt und weiß deshalb ganz genau, dass dieser Winter nicht der härteste ist, den das Ruhrtal erlebt hat.
Viel Schnee geschippt
Temperaturen im zweistelligen Minusbereich hat es in diesem Jahr schon gegeben, und Schnee geschippt haben die Schwerterinnen und Schwerter wie lange nicht mehr. Auch in den letzten Jahren ist die Temperatur immer wieder mal tief in die Frostzone gefallen. Aber 120 Frosttage am Stück? Die gab es 1963, woran sich die älteren Bürger dieser Stadt erinnern werden. „Für mich war das der kälteste Winter”, sagt Helmut Nötting. Die Ruhr war damals zugefroren, lediglich an der Turbinenstation der Dortmunder Stadtwerke in Hengsen sei das Wasser eisfrei gewesen. Zu Tausenden hatten sich damals Wasservögel dort eingefunden. „Wir haben die Bäcker abgeklappert und altes Brot gesammelt”, erzählt der rüstige Rentner aus Hennen. Das Federvieh dankte es mit großem Zutrauen, einige Vögel „sind sogar bis ins Büro gekommen”, so Nötting.
Über 100 Frosttage boten auch die Jahre 1968 und 1979. 1979 gab es zum Jahreswechsel einen Wettersturz. Gut und gerne 30 Zentimeter dick war die Schneeschicht, die das Ruhrtal bedeckte, zwei Monate blieb die weiße Pracht den Menschen erhalten, an 109 Tagen sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Davon gab es 1968 106 Tage. Und, mal eben nebenbei, einen Sommerrekord: Am 16. Juni fiel die höchste hier gemessene Niederschlagsmenge mit 89,2 Litern auf den Quadratmeter in 24 Stunden.
Empfindlich kalt war es 1985. Am 7. Januar wurden -23 Grad Celsius gemessen, 112 Frosttage gezählt. Aber das war noch lange nicht die tiefste Temperatur. Die gab es im Jahre 1956. In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar sank die Temperatur auf -28,5 Grad Celsius. „An vier Tagen hintereinander kletterte die Temperatur in diesen Tagen nicht über -20 Grad”, erinenrt sich Helmut Nötting.
1990 wurden die Wetteraufzeichnungen im hydrologischen Institut eingestellt. Aber Helmut Nötting weiß, dass „es dieser Winter verdient hat, sich in zehn, zwanzig Jahren auch an ihn zu erinnern”.
0mitdiskutieren