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Tansania

Theater gegen Kannibalismus

16.06.2009 | 18:08 Uhr
Theater gegen Kannibalismus

Schwerte. Eigentlich gehört Tansania im Osten Afrikas zu den Staaten des schwarzen Kontinents, die nicht mit negativen Schlagzeilen von sich reden machen. Eher besticht das Land durch seine landschaftlichen Schönheiten.

Doch der Wind hat sich gedreht, seit bekannt wurde, dass über 40 Menschen den so genannten Albino-Morden zum Opfer gefallen sind. Die Regierung hat zwar diese Taten schon scharf verurteilt und will entschieden gegen die Killer vorgehen, aber damit ist es aus Sicht des Schwerter Bernd Witte noch nicht getan.

In den Köpfen der Menschen müsse sich etwas bewegen, sagt der Schauspieler, der selbst ein eigenes Theater betreibt und unter anderem für „Emscherblut” auf der Bühne steht. Mit der Kollegin Elke Drews will der 55-Jährige im Juli drei Wochen lang in Tansania unterwegs sein und mit Theaterstücken die Stimme gegen das Morden erheben. Witte gehört dem Freundeskreis Bagamoyo an, der die Reise von Witte nicht nur begrüßt, sondern auch tatkräftig unterstüzt. Benannt ist die Aktionsgruppe, unter anderem vom Schriftsteller Josef Reding gegründet, nach einer Hafenstadt Tansanias, in der eine Kunstakademie ihr Zuhause hat, die in diesem Fall das Sprungbrett für die Aktion hergibt. Denn Studenten der Akademie und zwei weitere afrikanische Schauspieler sollen Witte und Drews begleiten, allein schon der Sprache wegen. Zudem möchten die deutschen Schauspieler zwei weitere Gruppen schulen, die sich ebenfalls gegen das Töten der Menschen mit Albinismus engagieren.

Den Weg zu wählen, per Bühne Aufklärungsarbeit zu leisten, mag außergewöhnlich erscheinen. Witte sieht gerade in seinem Fach, dem Improvisationstheater, eine große Chance, das Denken und das Fühlen der Landbevölkerung zu erreichen. „Denn diejenigen, die die Morde begehen, sind bei den Menschen hoch angesehen”, weiß der Schwerter, handelt es sich doch um Heiler und Seher, die in den Dörfern als Medizinmänner tätig sind. Da beispielsweise die Region Bagamoyo, doppelt so groß wie das Münsterland, nur über ein einziges Krankenhaus verfügt, sind die Medizinmänner aus dem Alltag der tansanischen Bevölkerung nicht mehr wegzudenken. Sie kümmern sich um kranke oder auch alte Menschen.

Die Motive, warum sich einige Seher und Heiler an den Morden beteiligen oder sie „dise grauenvolle Taten in Auftrag geben”, so Rudolf Blauth, Vorsitzender des Aktionskreises, seien im Prinzip nichts anderes als Geschäftemacherei. Den Ermorderten werden Körperteile abgetrennt, für mehrere tausend Euro verkauft und dann für mysteriöse Zauberriten genutzt. Den Leuten würde vorgegaukelt, dass sie durch den Verzehr von Fleisch der Albinos ein besseres Leben haben werden. Mit den Versprechen, dass von den Toten eine magische Wirkung ausgehe, ködern sie die Schwarzafrikaner, sagt Blauth. Da gerade auf dem Land die Not regiere, seien die Menschen für solche vermeintlichen Heilsbringer ´sehr empfänglich. Um zu verdeutlichen, welches grausame Geschehen sich da vollzieht, sagt der Vorsitzende: „Im Grunde handelt es sich hier um Kannibalismus”, so Blauth.

Die Regierung hat nun dazu aufgerufen, dass sich alle Seher und Heiler neu registrieren lassen müssen, um eine Kontrolle ihrer Arbeit zu gewährleisten. Der Premierminister hat Todesstrafen für die angekündigt, die Menschen mit Albinismus umbringen. Der Versuch, alle Namen von potenziellen Tätern in Erfahrung zu bringen, indem eine Umfrage gestartet wurde, rief allerdings eine Vielzahl von Denunzianten auf den Plan. Der Regierungschef selbst hat inzwischen ein Albino-Kind adoptiert. Das Land steht derweil unter erheblichem Druck. Die internationale Staatengemeinschaft hat damit gedroht, die Entwicklungshilfe einzustellen - die wichtigste Einnahmequelle des Staates.

Theo Körner

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