Schulische Qualität ist wichtiger als Schulform
15.02.2012 | 18:52 Uhr 2012-02-15T18:52:00+0100
Schwerte. In der Sekundarschule liegt möglicherweise auch in Schwerte ein Ansatz, um vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und damit verbundener sinkender Schülerzahlen die Qualität des schulischen Angebots zu sichern. Allerdings: Die im nordrhein-westfälischen Schulkonsens entstandene Schulform für die Klassen 5 bis 10 wird an der Ruhr durchaus kritisch gesehen.
Das ist ein wesentliches Ergebnis einer Diskussionsrunde, zu der der CDU-Stadtverband am Dienstagabend in den gut gefüllten Bürgersaal des Rathauses eingeladen hatte.
„Eine Werbeveranstaltung für eine bestimmte Schulform soll das hier nicht werden“, betonte Jörg Schindel. Der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes gehörte neben dem CDU-Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Thomas Sternberg, dem Ersten Beigeordneten der Stadt Schwerte, Hans-Georg Winkler, und dem Vorsitzenden der CDU-Ratsfraktion, Marco Kordt, zum Podium, wo Prof. Sternberg zunächst Vorzüge der Sekundarschule beschrieb. Er sieht in ihr „einen guten Weg zur Ausbildungsreife und für den Übergang zur gymnasialen Oberstufe“. Er sprach sich klar gegen ein Einheitsschulsystem aus. „Wir brauchen ein pluralistisches System“ quasi als Qualitätssicherung auf breiter Basis. „Wir können es uns künftig nicht mehr erlauben, auch nur eine Begabung ungenutzt zu lassen, sonst bekommen wir einen Fachkräftemangel, der sich gewaschen hat.“
Beifall erhielt aber nur Prof. Thomas Sternberg für einen kurzweiligen Vortrag, nicht aber die Sekundarschule. Daniela Steven zum Beispiel sieht in ihr nur eine Schule dritter Wahl. „Mein Kind soll kein Versuchskaninchen sein“, sagte sie. Und warum könne man nicht das nehmen, was man schon hat.
Demografie als Problem
In dasselbe Horn stieß eine andere Mutter, die forderte, die Hauptschule wieder zu einer allseits akzeptierten Schulform zu machen und die Schwerter Schullandschaft im Bestand zu sichern. Unterstützung fand sie in Linda Feliz, Schülersprecherin der Realschule am Bohlgarten. „Ich fühle mich dort wohl. Der Übergang zur gymnasialen Oberstufe wird super gemacht. Alle Möglichkeiten sind da.“
Bleibt die Demografie als Problem, wie Hans-Georg Winkler bemerkte. Alleine die jüngsten, geringen Anmeldezahlen für die Hauptschule sichern deren Zukunft nicht. Nicht die Schulform, sondern die schulische Qualität müsse im Vordergrund nahender politischer Entscheidungen stehen. „Wie die aussehen werden, vermag ich nicht zu sagen“, so Winkler. In der aktuellen Phase der Meinungsbildung „stehen wir auch im Dialog mit der Bezirksregierung um auszuloten, welche Möglichkeiten vorhanden sind“.
Die letzte Entscheidung trifft die Politik. Wann das sein wird, konnte am Dienstag niemand sagen. Nur so viel: Das außerordentlich komplexe Thema verlange einen behutsamen Umgang unter Beteiligung aller Betroffenen wie Lehrer, Schüler, Eltern. Die Projektgruppe Schulentwicklung, in der Vertreter aller politischer Parteien und der Verwaltung sitzen, leistet Pionierarbeit „ohne Schnellschüsse“, wie es Hans-Georg Winkler formulierte. Aber ganz im Sinne kommender Generationen.
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