Das aktuelle Wetter Schwerte 15°C
Schlechtes Versprechen

Rund 500 Autofahrer betrogen

18.06.2012 | 17:46 Uhr
Rund 500 Autofahrer betrogen
Im Landgericht Hagen wird ein Betrug in 482 Fällen verhandelt. Foto: Theo Schmettkamp

Schwerte/Hagen. Die Chance, einen Neuwagen ein Jahr lang kostenfrei zu fahren, lockte Interessenten scharenweise an. Letztendlich zahlten sie kräftig oben drauf. Die drei mutmaßlichen Drahtzieher der nur vermeintlich lukrativen Geschäftsidee stehen seit gestern vor dem Hagener Landgericht. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Betrug in 482 Fällen.

Das Angebot eines Schwerter Unternehmens ließ sich nicht toppen: Über das so genannte Car-Sponsoring-Modell sollte Kunden die Möglichkeit eröffnet werden, ein fabrikneues Auto zwölf Monate zu fahren, ohne einen Cent dafür zu bezahlen. Dafür sollten die Interessenten einen Kredit für das Fahrzeug abschließen. Die 600 Euro Provision für den Vermittler und die Raten sollten über Werbeaufkleber auf den Wagen finanziert werden. Und, nach Ablauf des Jahres sollte der Wagen über das Unternehmen verkauft werden und der Erlös dazu ausreichen, um den Kredit abzulösen.

Nahezu 500 Autofahrer, die über das Internet oder Mund-zu-Mund-Propaganda von dem Angebot erfuhren, ließen sich im Zeitraum zwischen Juni 2004 und März 2007 auf das Experiment ein – und dürften das mittlerweile bitter bereuen. Anfang 2007 brach das Modell, das unweigerlich an ein Schneeballsystem erinnert, in sich zusammen. Die Kunden blieben auf ihren Finanzierungen sitzen, die Ratenzahlungen blieben aus. Hintergrund des Ganzen – so zumindest der Vorwurf: Die Angeklagten versorgten die Geschädigten mit EU-Import-Wagen, die in etwa 20 Prozent unter dem deutschen Listenpreis gelegen haben sollen. Der Finanzierung soll jedoch der höhere, überteuerte Preis zu Grunde gelegen haben. Damit, so die Anklage, stand nach Ablauf des Jahres ein viel zu hoher Rest-Darlehensbetrag zu Buche, der mit dem Verkauf des Autos nicht erzielt werden konnte. Der Gesamtschaden soll mindestens im sechsstelligen Bereich liegen.

Ex-Schwerter vor Gericht

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Hagener Landgerichts begann gestern der Prozess gegen die drei Angeklagten im Alter zwischen 48 und 55 Jahren, darunter der Ex-Schwerter Jürgen S. Allein das Verlesen der Namen der mutmaßlich Geschädigten und die Daten der Vertragsabschlüsse kosten die Vertreterin der Staatsanwaltschaft über eine halbe Stunde Zeit. Die Angeklagten selbst wollen sich zumindest gestern noch nicht zu den Vorwürfen äußern.

Almuth und Rolf B, ein Ehepaar aus dem Siegerland, verfolgen den Prozess. Sie vertrauten dem Modell, schlossen einen Vertrag ab und handelten sich großen Ärger ein. Um einigermaßen unbeschadet aus der Sache rauszukommen, mussten sie – wie viele Andere – immer wieder vor Gericht ziehen. „Wir haben viel dabei gelernt“, so ihr Fazit.

Sylvia Mönnig



Kommentare
Aus dem Ressort
Modelabel mit Motiven für Schwerte-Ergste
Selfie-Dress
Eisenbahnbrücke, Kirche, Ehrenmal und Stadion - die Skyline von Schwerte-Ergste. Zwei Jungunternehmer haben sie auf T-Shirts gebracht. Und mit diesem und anderen Motive ihr eigenes Modelabel gegründet.
Einbrecher dringen in Häuser und Lauben ein
Mehrere Fälle am...
Viel zu tun für die Polizei: In mehrere Häuser und Gartenlauben wurden am vergangenen Wochenende in Schwerte eingebrochen. Wo? Auf unserer Karte sehen Sie alle Einbrüche, die in den vergangenen Monaten in Schwerte gemeldet wurden.
Sportler können vorerst wieder in die Halle
Sabotage-Akt am...
Klebstoff im Schließzylinder versperrte den Tischtennis-Spielern der Eintracht Ergste am Freitagnachmittag den Zutritt zur Turnhalle am Derkmannsstück. Die Sportler vermuteten erst, die Stadt habe die Schlösser wegen der Umrüstung für die Asylbewerber schon ausgetauscht. Ein Meisterschaftsspiel...
Polizisten auf Kirmes von Jugendlichen bedroht
Wiedersehen im Anglerheim
Massen-Schlägerei - das war der Einsatz, zu dem die Polizei am Freitagabend auf der Kirmes ausrücken musste. Eine Gruppe junger Leute hatte sich versammelt - Gewalt haben die Beamten zuerst aber nicht beobachtet. Bis einige sich gegen die Polizei wandten. Die selben Jugendlichen wurden später wieder...
Video: So tickt die Schwerter Rathaus-Uhr
Zur Zeitumstellung
Im Turm des Schwerter Rathauses tickt eine 100-jährige Uhr. Keine elektronische, sie muss einmal in der Woche von Hand aufgezogen werden. Zur Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag waren wir beim Hausmeister des Rathauses, Axel Kanngießer. Ob er in der Nacht extra aufstehen muss, erzählt er uns im...
Fotos und Videos
Vogelschau im Schützenheim
Bildgalerie
Fotostrecke
Die 100 Jahre alte Uhr im Rathaus
Bildgalerie
Fotostrecke
Die Abfüllanlage in Schwerte
Bildgalerie
Fotostrecke