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Religion und Fußball Tür an Tür - eine Herzensangelegenheit

04.07.2008 | 17:06 Uhr

Ergste. Der FC Schalke 04 kann einen Neuzugang mit besonderen Qualitäten vermelden. Der gebürtige Ergster Norbert Filthaus ist seit dem 1. Juli offiziell "Pfarrer auf Schalke". Mit Beistand von ganz oben auf zu neuen Höhenflügen?

Der gebürtige Ergster Norbert Filthaus ist seit dem 1. Juli offiziell "Pfarrer auf Schalke" - was kaum zu übersehen ist. (Bild: Privat)

Eine stadioneigene Kapelle scheint auf den ersten Blick eine ungewöhnliche Zutat zu einer multifunktionalen Arena wie der Veltins Arena auf Schalke zu sein. Die "Knappen", wie Schalker Fußballer und ihre Anhängerschaft in Erinnerung an den Bergbau im Ruhrgebiet genannt werden, nehmen damit durchaus eine exponierte Stellung ein. Doch jene Kapelle ist, wie der neue Pfarrer Norbert Filthaus erklärt, von buchstäblich zentraler Bedeutung. Sie liegt direkt im Kabinentrakt - und gibt diesem damit eine ganz besondere Note.

2001 wurde sie vom damaligen Papst Johannes Paul II. im Zuge der Arena-Fertigstellung offiziell eingeweiht. Seitdem dient sie Fans als Ort der Begegnung, Spielern und Trainern wie Ralf Rangnick, der die Kapelle zu seiner Trainerzeit vor jedem Spiel zu besuchen pflegte, als Ort der Besinnung, aber auch als Stätte ganz "gewöhnlicher" kirchlicher Feste und Veranstaltungen. In diesem "ökumenischen Raum", erklärt Pfarrer Norbert Filthaus, haben seit 2001 gut 500 Taufen und rund 100 Trauungen stattgefunden; darüber hinaus zahlreiche Seminare und Gottesdienste, ein ganz spezieller zum 100. Vereinsjubiläum im Jahr 2004.

Fußball und Religion besitzen in Gelsenkirchen eine ganz eigene Verbundenheit. "Man braucht schon eine große Begeisterung", verrät der eingefleischte Schalke-Anhänger Filthaus. Er selbst besitzt eine Dauerkarte für alle S04-Heimspiele und tritt jeden Mittag einen kleinen Spaziergang über das Arena-Gelände an. Er l(i)ebt Fußball durch und durch. Eine wahre Herzensangelegenheit.

In der alten Heimat Borussen in der Überzahl

Zurück in seine Heimatstadt treibt es den vielbeschäftigten Pfarrer nur gelegentlich. Beim Jubiläumstreffen mit seinen ehemaligen Weggefährten in der Schwerter Gaststätte "Zur Waage" (WR berichtete) war der Zwist des "Aussätzigen" mit seinen früheren FBG-Kameraden und heute ausnahmslos BVB-Anhängern programmiert. Auch familienintern schwelt alte Rivalität, denn sein Schwager Thomas Hennecke ist als Redakteur des "kicker" hauptverantwortlich für Schwarz-Gelb.

Künftig Kevin Kuranyi und Co. vor jedem Arena-Auftritt zu segnen oder den nächsten Schalker Meistertrainer heilig zu sprechen, entgegnet Pfarrer Filthaus mit einem Lachen, sei freilich nicht seine Aufgabe. Vielmehr werde er als Nachfolger des bisherigen "Schalke-Pfarrers" Jochen Dohm, übrigens Ehrenratsvorsitzender des Vereins, seine Aufgaben als Gemeinde-Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Buer-Erle ergänzen und die Leidenschaft für Fußball und Religion mit anderen Fußballfans teilen. Auch als Ansprechpartner und Gruppenführer wird Norbert Filthaus zur Verfügung stehen. Durch ihre Lage inmitten von Enthusiasmus und Emotion sei die Kapelle ein "moderner Kirchenraum, der einer genauen Erklärung bedarf".

Bei Schalker Heimspielen weht selbstredend eine Fan-Fahne am Kirchturm seiner Heimatgemeinde im Berger Feld, unweit des früheren Parkstadions und neuen Arena-Geländes. Und beim nächsten großen Vereinserfolg wird Pfarrer Filthaus zu einem großen Gottesdienst laden. "Wir atmen und leben das", spricht der Ergster mit großer Hingabe über seine Liebe zu Blau-Weiß. Und diese wird als "Pfarrer auf Schalke" wohl nie erlöschen.

Von Stefan Reccius



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