Opern-Welt aufs Korn genommen
31.10.2008 | 21:00 Uhr 2008-10-31T21:00:00+0100
Schwerte. In dichten Nebel gehüllt, intonierte Katharina Herb - ganz atypisch - mit Zigarre in der Hand eine Arie aus Guiseppe Verdis „Don Carlos”.
Es war der stimmgewaltige Auftakt in einen kabarettistischen Opern-Ausflug, der am Donnerstagabend in der Rohrmeisterei erst nach fast zwei Stunden und doppelter Zugabe sein Ende fand.
„Sie müssen noch nicht einmal Opern-Fan sein", nahm die „Wiederholungstäterin” und erneut heiße Anwärterin auf den Schwerter Kleinkunstpreis nach ihrem imposanten Einstieg vorweg. Schaden konnte es gleichwohl nicht, hatte sich die Münchenerin die Interaktion mit dem erwartungsfrohen Schwerter Publikum doch auf die Fahnen geschrieben. Gleich zu Beginn präsentierte sie die Konterfeis verschiedener (früherer) Tenöre wie Luciano Pavarotti - verbunden mit der Frage, was diese Künstler für die Frauenwelt eigentlich so attraktiv mache. Aussehen und Verhalten, das stellte die mit hochhackigen Spitz-Schühchen und dunkelrotem, lässig am Dekolleté gebundenem Kleid herausgeputzte Sopranistin klar, können es jedenfalls nicht (gewesen) sein.
Mit Situations-komischem Mienen- und Gestenspiel und scharfer Körpersprache zelebrierte Herb ihre humoristische Fassung des Stierkampfs in Laras „Granada” und befasste sich eingehend mit dem Phänomen des Prinzen Tamino aus Mozarts „Zauberflöte”. Warum nur fliegen dem am Bühnenrand vor der Schlange kauernden und minutenlang sein Schicksal besingenden Protagonisten die Herzen der Damen zu? Die Antwort ist simpel: „Weil er der Tenor ist!”
Das Selbstverständnis dieser Spezies nahm die Opern-Kabarettistin auch mit Bezug auf ihre Musik-Abitur-Klausur aufs Korn. Rossinis „La Danza” interpretierte sie in ihrer gewohnt saloppen Art schlicht als „geilen Wettstreit zwischen Orchester und Tenor”, um gleich im Anschluss einen Wettlauf mit ihrer eigene Playback-Stimme zu demonstrieren. Das „Original” gewann diesen - wie auch die Herzen des Schwerter Publikums in der gut gefüllten Halle 3 der Rohrmeisterei an diesem Abend.
Im schimmernden Ganzkörper-Gewand kehrte die Münchenerin, eine weitere Arie aus der „Zauberflöte” schmetternd, nach 20-minütiger Pause zurück. Auch das betagte Mannheimer Opern-Urgestein, das sich nach 70-jähriger Blütezeit gekrümmt vom Bühnenrand schleppt, und die Allüren einer wahren Opern-Diva, die beim krampfhaften Versuch scheitert, ihr Gesicht in peinlichster Situation zu wahren, blieben im Anschluss von Herbs Feldzug nicht verschont. Abschließende Essenz: Es sei ein Sakrileg, als Frau („Bin ich eine Vokal-Transe?”) Tenor zu singen - mit der Spitzfindigkeit und Stimmgewalt einer Katharina Herb lässt sich dieser Umstand immerhin trefflich parodieren.
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