Neue Chancen für Förderschulen
10.11.2011 | 19:37 Uhr 2011-11-10T19:37:00+0100
Schwerte.Ein Schock war es, das gibt Stefanie Krüger-Peter unumwunden zu, als sie und ihr Mann erfuhren, dass der Sohn behindert ist. Er leidet an einer Chromosenerkrankung, Mediziner sprechen von partieller Trisomie 9. Julius wird, das weiß seine Mutter, in seinem Leben nicht weit über den Entwicklungsstand eines Kindes hinauskommen.
Zum Naturell der 43-Jährigen gehört es aber nun mal, nicht aufzustecken. Kein einfaches Unterfangen, denn gerade als gelernte Kinderkrankenschwester „macht man sich vielleicht noch ein paar mehr Gedanken, als es andere Eltern in einer solchen Situation auch schon tun würden“. Doch bei all den Anstrengungen, die das Leben mit einem behinderten Kind mit sich bringe, bereite ihr Julius doch auch eine Menge an Freude und Glück. Diese Erfahrungen sind wohl auch der Antrieb für ein Engagement, das die Schwerterin jetzt begonnen hat. Sie gehört dem Beirat der Landeselternschaft der Förderschulen mit Schwerpunkt geistige Entwicklung in NRW an.
Das Gremium selbst ist noch recht jung und seine Gründung steht im engen Zusammenhang mit der UN-Menschenrechtskonvention für Menschen mit Behinderung, die inzwischen auch von Deutschland anerkannt wurde.
Seither ist das Wort von Konklusion in aller Munde, sagt Stephanie Krüger-Peter. Sie steht im Kontakt zur Stadt Schwerte, die einen eigenen Inklusionsplan erarbeiten will (siehe Bericht unten). „Es geht um das gemeinsame Miteinander von behinderten und nicht-behinderten Menschen“, sagt sie, gehört der Arbeitsgruppe selbst an. Doch nicht nur dort warte viel Arbeit, sondern auch in der Landeselternschaft .
Die Förderschulen selbst seien zwar recht gut ausgestattet,
aber es lauern nach Worten der Beirätin auch Gefahren, die mit der Forderung nach gemeinsamen Unterricht verbunden sind. Wenn immer mehr Kinder von einer Förder- in einer Regelschule wechseln, könne es passieren, dass am Ende Pädagogenstellen wegfallen. Hier gelte es sehr genau hinzuschauen und solche Entwicklungen zu verhindern.
Alternativ seien Konzepte, wie sie eine Schule im Berliner Stadtteil Templin anbiete. Das Haus für behinderte Kinder habe sich für Nichtbehinderte geöffnet und könne sich vor Anmeldungen kaum retten. Die kleinen Klassen, die individuelle Förderung, das gesamte Konzept: Das sind, so die Beirätin, Pluspunkte, die Eltern zu schätzen wissen.
Die Vorteile, die in solchen Ideen stecken, bekannt zu machen, hat sich die Landeselternschaft vorgenommen und will darüber hinaus einem Jungen wie Julius und seinen Angehörigen das Leben leichter machen. Als er nämlich den Kindergarten am Alten Dortmunder Weg besuchte, habe er schnell Freunde gefunden, erzählt die Mutter. Es seien Kontakte erwachsen, die auch heute noch andauern würden. Inzwischen besucht er die Karl-Brauckmann-Schule in Holzwickede. Da sei er gern, sagt er, als er mit seiner Mutter die WR-Redaktion besuchte. Das freie Arbeiten und Lernen, die Möglichkeit, Mappen zu erstellen, mit denen er seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten Ausdruck verleihen kann, wertet die Mutter als besondere Vorzüge.
Die Schule setzte aber auch verständlicherweise Grenzen. Damit lernen die Kinder umzugehen, erläutert sie.
Ihr Julius rede auch gerne dazwischen und lasse sich auch ablenken. „Unterscheidet ihn das von anderen Kindern?“, fragt die Mutter.
Sie weiß, dass er kaum über das reine Erlernen von Zahlen und Buchstaben hinauskommen wird. Aber dafür mag er’s gerne praktisch,. Der Garten ist sein Revier. Dort arbeite er, sagt Julius. Und die Labradorhündin Lilli braucht um Mangel an Futter nicht fürchten.
0mitdiskutieren