Markus Kneer – Parallelen zwischen Bibel und Koran
28.03.2011 | 14:17 Uhr 2011-03-28T14:17:00+0200
Schwerte.Die aktuelle Entwicklung in Nordafrika verfolgt er mit viel Akribie. Und wenn Dr. Markus Kneer sich mit den Nachrichten aus dieser Region befasst, dann hat es nicht nur etwas damit zu tun, dass er seit 2003 mindestens jährlich in Marokko weilt. Es sind wohl Profession und angehende Professur, die bei ihm zusammenkommen und sein Augenmerk auf die Staaten richten, in denen die Bevölkerung mehrheitlich muslimisch ist. Denn der 38-Jährige, der seit kurzem in Schwerte lebt, richtet wissenschaftlich den Blick auf das Verhältnis des Miteinanders von Christentum und Islam. Und genau dazu schreibt er an seiner Habilitationsarbeit. Die Fragen, die ihn dabei umtreiben, mögen beim ersten Eindruck, vorsichtig gesagt, sehr theoretisch wirken: Meinen eigentlich beide Religionen dasselbe, wenn sie von dem Begriff Mensch oder Person reden?, laut beispielsweise eine Problemstellung.
Dass die Antwort darauf ganz praktische Folgen haben kann, zeigt sich durchaus im alltäglichen Leben. Denn am Ende dreht es darum, wie es Christentum und Islam mit den Menschenrechten halten oder ob Mann Frau eigentlich gleichberechtigt sind. Kneer orientiert sich sehr stark an einem Philosophen aus Marokko, der zu spannenden Ergebnissen kommt. Danach liegen nämlich keine Welten zwischen diesen Religionen. Ganz im Gegenteil. Auch wenn Koran und Bibel vollkommen anders aufgebaut sind, lässt sich Menschenwürde aus beiden Schriften herleiten. „Und auch die Verantwortung, die einjeder für den Umgang mit der Schöpfung hat, ist sowohl in der Bibel als auch im Koran verankert“.
Die Studien zu dem Wissenschaftler Mohamed Aziz Lahbabi führen Kneer immer wieder nach Marokko, wo er inzwischen großen Gefallen an Städten wie Fes, Rabat oder auch Casablanca gefunden hat. Urlaub macht er da übrigens nicht, den verbringt er lieber in seiner sauerländischem Heimat, in dem Dörfchen Oberhundem.
Seelsorge hört nicht an Konfessionsgrenzen auf
Es waren aber nicht nur die Zufälle des Lebens, die den Priester dazu brachten, sich mit den Grundlagen des Islam auseinanderzusetzen. Seine sprachliche Neugier war wohl eine ganz maßgebliche Triebfeder.
Nachdem er fürs Studium Hebräisch lernen musste, war das Arabische nicht weit und damit der Islam sehr nah. Sein Wissen, sein Können und sein Talent sollten im Erzbistum Paderborn nicht ungehört bleiben. Erzbischof Becker ernannte ihn zum Beauftragten für Fragen des Islam im Erzbistum, was im später noch eine weitere Aufgabe einbringen sollte. Er wurde in den interreligiösen Beirat des Integrationsbeauftragten der Landesregierung berufen.
Trotz der Fülle an Terminen, die auch dadurch noch mehr werden, dass Markus Kneer häufiger Seminare über und zum Islam anbietet, bleibt ihm noch Zeit, um sich ins stille Kämmerlein zurückzuziehen. So gern er einerseits den Wechsel zwischen wissenschaftlichem Arbeiten daheim und den Begegnungen auf vielerlei Ebenen mag, so steckt darin auch immer wieder eine enorme Spannung. „Eine echte Herausforderung.“ Die bekam er auch zu spüren, als er einige Zeit in Hamm in der Seelsorge tätig war, aber auch da nur mit einer halben Stelle im Einsatz. Die andere Hälfte band ihn an den Schreibtisch. Diese Teilung den Menschen in der Gemeinde zu erklären, da stieß er auch schon mal auf Granit.
„Da haben mir Leute zu verstehen gegeben, sie könnten nicht nachvollziehen, warum ich für Muslime frei gestellt werde“, sagt Kneer.
Er sei doch Priester und somit für die Katholiken zuständig. Für ihn, so habe er gern geantwortet, höre die Seelsorge nicht an den Konfessionsgrenzen auf. Vielmehr möchte er die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit sehen.
Fußball spielen
aus Leidenschaft
Daher wird der Theologe auch sehr deutlich, wenn es um die vor allem durch Thilo Sarrazin losgetretene Debatte um Integration geht. Nach Kneers Ansicht werden hier im übertragenen Sinn Äpfel mit Birnen verwechselt. Die religiöse Bindung muslimischer Menschen könne man doch nicht einfach mit ihrer Lebenslage und den daraus resultierenden Problemen verknüpfen. Und überhaupt: Schon der Titel „Deutschland schafft sich ab“. Damit kann er nichts anfangen.
Bleibt bei so viel beruflicher Belastung, im nächsten Sommersemester wartet ein Lehrauftrag an der Hochschule der Kapuziner in Münster zusätzlich auf ihn, noch überhaupt etwas, das man Freizeit nennen könnte? „Durchaus“, sagt Kneer. Radfahren und Fußball. In Villigst hat er schon Hobbykicker gefunden, bei denen er vors runde Leder treten darf. Und Fußball hat schließlich überall Begeisterte, unabhängig von Glauben und Religion.
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