Löhne sollen mit Konjunktur Schritt halten
22.02.2008 | 18:05 Uhr 2008-02-22T18:05:16+0100Schwerte. (TK) Freitagmorgens finden sich vor dem Rathaus gern Hochzeitspaare ein, um sich das Ja-Wort zu geben. ...
... Gestern kamen dort rund 250 öffentlich Bedienstete zusammen, weil es ihnen mit dem Bund, den sie mit dem Arbeitgeber geschlossen haben, zu bunt geworden ist. Die Gewerkschaft Verdi fordert acht Prozent mehr Lohn, der Tarifpartner hat fünf Prozent geboten. "Da wird es Zeit, dass wir ein Zeichen setzen", rief Christian Struwe in die Menge. Seine Worten zum Warnstreik versiegten irgendwo im ohrenbetäubenden Konzert der Trillerpfeifen. Fünf Prozent: Dahinter setzt Udo Kickuth ein dickes Fragezeichen. Der Verdi-Gewerkschaftssekretär rechnet den rund 250 Streikenden vor, dass die Anhebung nicht auf einen Schlag, sondern nur in Etappen kommen soll, die sich bis 2009 hinziehen würden. Am Ende stehe eine Drei und keine Fünf vor dem Komma, das Heraufschrauben der wöchentlichen Arbeitszeit auf 40 Stunden seien da noch nicht mal bedacht. Triller-pfeiffen erschallen, als der Verdi-Mann es auf den Punkt bringt: "Da bleibt für uns nicht viel übrig".
In den Reihen der Demonstranten steht Uli Behrenberg, Leiterin des Kindertagesstätte An der Ulme. "Das Einstiegsgehalt einer Erzieherin beträgt 1 200 Euro netto. Das reicht doch vorne und hinten nicht", sagt sie. Niedriges Lohnniveau kann nach Worten von Kickuth fatale Folgen haben. Es werde nämlich immer schwieriger, qualifiziertes Personal zu gewinnen, wenn die Lohnentwicklung im öffentlichen Dienst von der in der freien Wirtschaft abgekoppelt werde.
Als "ungewöhnlich" könne man es vielleicht betrachten, dass er das Wort ergreife, sagt Bürgermeister Heinrich Böckelühr, als er sich zwischen den Säulen des Rathausaufgangs postiert. Seine Worte sind wohl gesetzt. Das "Grundanliegen kann er unterstreichen" (wieder einmal ertönen Trillerpfeiffen), sollten sich aber die acht Prozent durchsetzen, "so könnten wir das nicht schultern". Die Menge schweigt. Das würde für die Stadt eine Mehrbelastung von 1,2 Millionen Euro bedeuten, erklärt der Bürgermeister. Eine solche Summe wäre mit den Sparzielen nicht vereinbar.
Böckelühr empfiehlt, den Abschluss der Stahlbranche zu übernehmen. Bei 5,2 Prozent würde man sich sofort handelseinig, gibt Kickuth zu verstehen. Doch weder er noch Böckelühr sind Verhandlungsführer. Zwei Runden haben Verdi und die Arbeitgeberseite noch im Terminkalender. Falls keine Einigung kommt, stehen die Zeichen auf Streik. In der zweiten Aprilwoche würden dann vielerorts die Räder still stehen. Die Schwerter Beschäftigten seien nicht die einzigen, die ihre Arbeit niederlegt hätten, berichtet Kikuth den Streikenden. In vielen Städten ruhe die Arbeit im öffentlichen Dienst. Und auch der Busverkehr sei lahmgelegt. Während der Sätze des Verdi-Mannes biegt ein Bus um die Ecke. In Schwerte fahren fast ausnahmslos Privatfirmen. Deshalb blieb das Chaos in den Schulen gestern Morgen auch aus. Die Schulbusse verkehrten regulär.
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