Lachen als weiblicher Lockruf
03.10.2008 | 15:15 Uhr 2008-10-03T15:15:39+0200Wandhofen. Wenn in den Medien hierzulande Bilder aus dem Iran zu sehen sind, zeigen sie meist Massendemonstrationen oder die politische Führungsriege. ...
... Von ganz anderer Qualität sind da die Fotos von Peymaneh Luckow, deren biographische Wurzeln im Iran liegen. Sie gehört zu den Diplomanden der Ruhrakademie, die am 7. und 10. Oktober ihre Abschlussarbeiten zeigen. Luckow besuchte die 14 Millionen Einwohner zählende Hauptstadt Teheran und zeigt eine subjektiv gefärbte Innenansicht eines Landes, dessen Bild in der westlichen Welt vom Mullah-Regime geprägt wird. "Das überraschende Ergebnis ihrer Diplomarbeit ist das Aufzeigen einer subversiven Kraft, mit der sich I?ranerinen ihre Freiräume im Alltag schaffen und mutig versuchen, das System zu unterlaufen", erläutert Dozent Kurt Schrage und ergänzt: "Das Adjektiv schleierhaft steht im deutschen Sprachgebrauch für ein Rätsel, das bei jemandem Unverständnis über einen bestimmten Sachverhalt hervorruft. Im Kontext der vorliegenden Arbeit von Peymaneh Luckow ist der Fokus auf die Lebenssituation von Frauen in der islamischen Republik Iran gerichtet."
Politische Dimensionen berührt auch die Grafik-Designerin Monika Nicke, die sich als Thema "Gender Communications" gewählt hat, also die Frage nach dem psychosozialen Geschlecht. In ihren Collagen findet Widerhall, was die 29-Jährige im Aufzug der Uni Bochum erlebt hat. Stundenlang fuhr sie Aufzug, beobachtete das Verhalten von Männern und Frauen. Wie stellen sie sich hin? Wohin schauen sie? Kann man ihnen bestimmte Eigenschaften zuordnen: Sind sie arrogant, begehrend, gierig?
Grafiken erzählen von Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen
Den Lift hat sie deshalb gewählt, weil hier die räumliche Enge das Einhalten von Distanzzonen außer Kraft setzt. Zudem betrieb Monika Nicke ihre Studien auf den Unifluren oder auch auf der Straße, um nach psychologischen Mustern von Mann und Frau Ausschau zu halten. Kurt Schrage zu dem, was die Diplomandin herausgefunden hat: "Sobald sich Männer einer Gruppe von Frauen nähern, lachen die Damen häufiger. Die Deutung hierfür: Das Lachen ist ein weiblicher Lockruf. Ein weiteres Phänomen: An ihren unfruchtbaren Tagen haben Frauen ihre größte verbale Leistungsfähigkeit, sie quasseln mehr. Frauen bewegen sich häufiger, wenn sie von Männern angesehen werden, ihre Stimme wird höher, wenn sie fruchtbar sind".
Sehr viel abstrakter kommt das Werk von Gregor Eisenmann daher, der sich mit Zeitkonstruktionen befasst und in seinem 300 Blätter umfassenden Buch mit Grafiken aufwartet, die von Träumen, Sehnsüchten, Hoffnungen und Schmerz erzählen.
Davon, welche Qualen ein Computerhacker erleiden muss, erzählt der 17-minütige Film von Marc Ruckh und Andi Rogenhagen, Grimme-Preisträger und Diplom-Betreuer. Der junge Mann am Rechner stimuliert sich so lange mit Drogen bis eines Tages irgendwelche Drähte und Schläuche von ihm Besitz ergreifen.
Mit einer Figur, die der US-Gesellschaft den Spiegel vorhielt, mit Hunter S. Thompson befasst sich Sven Pacher, der sieben großformatige Gonzo-Illustrationen vorstellt und dabei den Thompson-Roman "Fear and Loathing in Las Vegas" in den Fokus rückt. An den beiden Tagen werden jeweils ab 12 Uhr insgesamt 21 Diplomanden/innen ihre Abschlussarbeiten in den Räumen der Ruhrakademie in Wandhofen vorstellen. Wie immer sind diese Veranstaltungen öffentlich.
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