Das aktuelle Wetter Schwerte 14°C
Endstation Bahnsteig

Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges

29.08.2009 | 16:24 Uhr
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges

Schwerte-Ergste. Ein Bahn-Kontrolleur hat den Fahrausweis einer geistig behinderten Frau nicht anerkannt, ihr ein Bußgeld aufgebrummt und sie mitsamt ihres Freundes in Schwerte auf dem Bahnsteig stehen lassen. Das gleiche war ihr schon im April passiert. Damals hatte die Bahn den Vorgang bestritten.

Jetzt hat es Hans-Günter Rösener schriftlich: Ein Bahn-Kontrolleur hat die Fahrerlaubnis seiner geistig behinderten Tochter nicht anerkannt, ihr ein Bußgeld aufgebrummt und sie mitsamt ihres Freundes in Schwerte auf dem Bahnsteig stehen lassen.

Ähnlich war es der 21-Jährigen im April dieses Jahres ergangen. Damals war sie schon vor Fahrtantritt des Zuges verwiesen worden.Die Bahn hatte abgestritten, dass einer ihrer Mitarbeiter verantwortlich war.

Aufklärung gefordert

Der Vorfall am 20. April hatte ordentlich Staub aufgewirbelt. CDU-Bundestagsabgeordneter Hubert Hüppe, Behindertenbeauftragter seiner Fraktion, hatte Aufklärung eingefordert. Wie kann es sein, hatte er seinerzeit wissen wollen, dass Bahn-Bedienstete die beglaubigte Kopie eines Behindertenausweises in Verbindung mit dem Begleitschein des Landschaftsverbands nicht als Fahrschein anerkennen? Wie ist es möglich, dass eine behinderte junge Frau völlig allein auf dem Bahnsteig stehengelassen wird?

DB Regio-Vorstandsvorsitzender Ulrich Homburg hatte dem Abgeordneten kurz und knapp geantwortet: Eine Beteiligung seiner Mitarbeiter habe „nicht nachgewiesen werden” können.

"Fahrpreisnacherhebung"

Das dürfte sich diesmal anders darstellen. Es war am Mittwoch, auf dem Weg von Dortmund nach Ergste, kurz hinter dem Halt Aplerbeck. Der Kontrolleur wollte die Bescheinigungen nicht anerkennen. „Aber diesmal war ich schlauer”, sagt Sabrina Rösener, die mit ihrem Freund unterwegs war. Erst bat sie den Kontrolleur, ihr seinen Namen zu geben. Als der Mann das ablehnte, gab sie vor, kein Geld dabei zu haben und ließ sich die „Fahrpreisnacherhebung” ausstellen. Da steht es nun schwarz auf weiß: Beanstandungstag, Zugnummer, und - für den Vater von Sabrina am wichtigsten - die Kennnummer des Prüfers. Der wiederum, das wird aus dem Dokument deutlich, hat die beglaubigte Kopie des Behindertenausweises zwar genutzt, um Sabrinas Personalien festzustellen und die Nachforderung in Höhe von 40 Euro auszufüllen. Dafür hat die Kopie gereicht - aber als Fahrschein wird sie nicht anerkannt. „Das verstehe, wer will”, meint Hans-Günter Rösener, der den erneuten Vorfall bereits an Hüppe weiterleitete. Der versprach umgehend: „Diesmal”, so Hüppe, „diesmal kommt mir die Bahn nicht davon.”

Hüppe will zur Not zur Bahn gehen

Hüppe kündigte an, diese Angelegenheit „ganz oben aufzuhängen” und will die Behindertenbeauftragten von Land und Bund einschalten. „Und wenn ich selbst in den DB-Turm gehe”, sagt Hüppe: „Wenn wir wollen, dass Menschen mit so genannter geistiger Behinderung ein weitgehend eigenständiges Leben führen können, dann darf so etwas nicht passieren.”

Die Nachforderung in Höhe von 40 Euro nach dem jüngsten Zugverweis ist übrigens inzwischen aus der Welt. Mutter Rösener wurde mit ihrer Tochter Sabrina im Schwerter Bahnhof vorstellig, legte den Original-Behindertenausweis vor und konnte mit dem Hinweis von dannen ziehen, dass damit die Sache erledigt sei.

Vielleicht für die Bahn, nicht aber für Hüppe.

Manfred Kowitzke

Facebook
 
Kommentare
11.12.2010
15:54
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von Bremsklotz | #59

Um hier mal was klarzustellen:

Es gibt eine ganz klare Anweisung der DB für die Schaffner/Prüfer:
Kopien von Fahrscheinen jegwelcher Art sind NICHT anzuerkennen!
Von der Weiterfahrt ausschliessen ist auch nicht!
Regel: Falls kein BPA vorgezeigt werden kann, dann Feststellung der Personalien duch die Polizei. Fahrgast erhält Rechnung (40 Euro).
Dann ist das für das Prüfpersonal erledigt, der Kunde setzt sich dann mit dem Betreiber (DB, NWB, ERB.),... auseinander.

31.08.2009
00:00
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von kacker | #58

Dem Bericht von Kluge Frau kann ich nur zustimmen, es war mit Sicherheit
Fahrgäste im Zug aber niemand hat geholfen weil diese Menschen denken solange
es mich nicht betrifft schaue ich lieber aus dem Fenster. Und dann gibt es Menschen
die neidisch auf Menschen sind die einen Schwerbehinderten Ausweis haben diesen
kann ich nur sagen Ihr habt nur Stroh im Kopf sonst würden nicht so dumme Kommentare
über Menschen mit Behinderung geschrieben wer gemeint ist, ist doch klar nur Stroh im Kopf. Es stimmt man kann nicht alle Kontrolleure über einen Kamm scheren, wäre dieser
Kontrolleur richtig Ausgebildet gewesen und hätte dieser auch noch ein bisschen Menschen
Kenntnisse gehabt, so hätte dieser auch gesehen mit welchen Behinderten Menschen er es zu tun hat. Es wird der Tag kommen wo diese Strohköpfe auch Hilfe benötigen und dann werden
wir sehen was passiert. Ich werde auf jeden fall jeden Behinderten Menschen helfen wo
ich kann.

30.08.2009
14:18
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von KLUGE FRAU | #57

bitte kommentar #33 löschen.
sonst lasst es mal gut sein, der kontrolleur hat einen fehler begannen, die bahn ebenso. hat denn niemand sonst im zug gesessen der hätte helfen können, sind wir alle so passiv und bekommen unseren hintern nicht hoch, wenn es mal wichtig ist?

30.08.2009
10:08
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von parteienlos | #56

@55
du solltest die geistig behinderten nicht beleidigen.

eine dienstaufsichtsbeschwerde und kräftig nachbohren, da kommt leider selten was bei raus.

bei den fähigkeiten dieses bahnkontrolleures ist dieser im innendienst sicher auch nicht zu gebrauchen.

das ganze ist einfach nur traurig.

trotz alledem ist das sicher ein einzelfall. ich bin bisher immer, naja fast immer auf nette kontrolleure getroffen.
nur solche einzelfälle, wie diesen hier darf es nicht geben.

bahnkontrolleure sind eben halbe sozialarbeiter.

30.08.2009
08:53
Blockierter Kommentar.
von Matthias.Kiesel | #55

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.08.2009
23:38
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von nimmersatt | #54

Sorry Adressat vergessen. Gemeint war #50 kriesenmanager

29.08.2009
23:37
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von b.treut gern r. kant | #53

#47 von Oooh...Wer sich an Regeln nicht hält, wird ganz einfach bestraft!
G.Nau: konnte man dem einem Sozialverhalten geringgradig angepasstem Verhalten des Oli. K.ahns stets entnehmen: Wer die größte Klappe hat, gewinnt. Pech für die, die real als behindert eingestuft werden, nur weil die nicht deppertes Bleichgesicht von Geburt an sind.

29.08.2009
23:35
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von nimmersatt | #52

Dem kann ich nur zustimmen.
Danke übriges für den Hinweis mit den 100 Euros.
War mir erst garnicht aufgefallen.
100, -€ ist schlicht und ergreifend falsch.
Es sind sogar nur 60 Euro für ein Jahr. Die 60 € muss ein Behinderter nämlich für die Wertmarke hinlegen, die dann in seinen Behindertenausweis geklebt wird. Nachzulesen im IX Sozialgesetzbuch ab § 145.

29.08.2009
23:26
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von nimmersatt | #51

Als Nachtrag noch ein Auszug aus den Beförderungsbedingungen.
Besonders interessant ist der letzte Absatz.

(5) Der Fahrgast kann von der Beförderung ausgeschlossen werden, wenn er der Aufforderung des Personals nicht nachkommt, den Fahrausweis vorzuzeigen, ein erhöhtes Beförderungsentgelt zu zahlen oder die hierfür notwendigen Angaben zu machen. Das Gleiche gilt, wenn ihm angeboten wird, einen Fahrausweis nachzulösen, und er dieses ablehnt.

Dabei muss das Personal die Umstände des jeweiligen Einzelfalls prüfen und dafür Sorge tragen, dass insbesondere junge oder ältere Fahrgäste sowie hilflose Personen danach keinen Gefahren ausgesetzt sind.

Ende des Auszugs. Folgerungen hieraus bleiben jedem selbst überlassen.

29.08.2009
23:24
Kontrolleur verweist Behinderte erneut des Zuges
von kriesenmanager | #50

@48
Oooh ist nicht aufgeregt sondern neidet behinderten ihre fahrkarte für hundert euro in ganz deutschland fahren zu dürfen.

der staat hat nicht ohne grund so eine regelung getroffen aber das zu begreifen, dafür sind hier manche kommentatoren anscheinend zu unreif.
kleinlich und peinlich sind alle die, die sich mal wieder zu kurz gekommen fühlen und meinen auf menschen herumtreten zu dürfen, die sie für minderwertiger halten.

beschränktheit ist auch eine behinderung! und die bahn hat halt auch solche „behinderten“ mitarbeiter.

wer ohne fehler ist, werfe den ersten stein. so oder so ähnlich.

menschliches miteinander wird durch das verbreiten solcher artickel sicher nicht gefördert.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/357/create

Aktuelle Fotos und Videos
MC Ruhrtal
Bildgalerie
Fotostrecke
Kirschblütenfest
Bildgalerie
Fotostrecke
Einsatzübung bei REWE
Bildgalerie
Fotostrecke
Schwerte putz(t) munter
Bildgalerie
Fotostrecke
Aus dem Ressort
Küchengespräch bringt dritten Platz
Veltins-Lokalsportpreis
Der 20. Juni wird ein besonderer Tag im Leben von Florian Riesewieck und Thomas Schulzke werden. Die beiden Freien Mitarbeiter aus der Schwerter Sportredaktion der WR erhalten nämlich in Berlin den Veltins-Lokalsport-Preis.
In Gedanken stets im Mittelalter
Nostja und Morian
Als Anja und Norbert Schwarz zum ersten Mal einen Mittelaltermarkt besuchten, hatten sie das Gefühl, zu Hause zu sein. Ihr Gefühl trog sie wohl nicht. Seit Jahren sind sie als Nostja und Morian von Schwerte unterwegs und organisieren nun für das Pannekaukenfest im September den Mittelaltermarkt.