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Theater am Fluss

„Johnny zieht in den Krieg“

14.02.2012 | 16:42 Uhr
„Johnny zieht in den Krieg“
Michael Wernikowski spielt die Hauptfigur in „Johnny zieht in den Krieg“. Foto: privat

Schwerte. Mit einem einmaligen Ereignis in seiner fünfjährigen Geschichte wartet das Theater am Fluss (TaF) auf: Als deutsche Erstaufführung feiert das Ensemble mit dem Antikriegsdrama „Johnny zieht in den Krieg“ am Freitag, 24. Februar, Premiere. Unter der Regie von Lars Blömer beginnt die Aufführung um 19.30 Uhr in Halle 4 der Rohrmeisterei.

Dank Blömers persönlicher Kontakte zum US-amerikanischen Autor Bradley Rand Smith überließ dieser dem Theater am Fluss die Rechte zur Übersetzung ins Deutsche einschließlich der Aufführungen seines Stückes im deutschsprachigen Raum. Die Übersetzung übernahm die Schwerterin Katharina Wais, deren Honorar der Förderverein des Lions Club Schwerte zahlte.

Das Stück basiert auf einem Film von Dalton Trumbo aus dem Jahr 1971, der seinen eigenen 1939 erschienenen Roman verfilmte. Buch und Film schildern das Schicksal des 21-jährigen Joe (Johnny) Bonham, der freiwillig für die USA in den Ersten Weltkrieg zieht und schwer verwundet wird. Bradley Rand Smith hat den Stoff 2003 für das Theater adaptiert. Daher lautet der (korrekte) Langtitel des Stückes „Dalton Trumbo’s Johnny got his gun – adaptiert von Bradley Rand Smith“.

Zum Inhalt: Der junge Johnny ist nur noch ein Stück Fleisch. Voller Tatendrang in den Ersten Weltkrieg gezogen, wurde der junge Soldat von einer Granate getroffen, verlor Augen, Ohren, Gesicht, Arme und Beine. Weil die Ärzte ihn für hirntot halten, erhalten sie ihn am Leben, um zu sehen, wie lang ein seelenloser Körper überlebt. Was sie nicht wissen: Johnny ist bei Bewusstsein, versucht verzweifelt Kontakt zur Außenwelt aufzunehmen, lässt in diesem Dämmerzustand sein Leben, seine Familie und seine Liebe Revue passieren und verliert langsam den Verstand.

Das Stück ist ein eindringliches, schockierendes Antikriegsstück, das auch auf der formalen Ebene die Klischees eines herkömmlichen Soldatenschicksals durchbricht und zur erschütternden Reflexion über das Leben wird.

„Meine Inszenierung folgt der kompromisslosen Frage nach der eigenen Identität: Wann ist man noch Mensch, ab wann nur noch ein willenloses Stück Fleisch?“, erläutert Lars Blömer. Der Horrorvorstellung im eigenen Körper gefangen und Dritten hilflos ausgeliefert zu sein, stellt Blömer dem Glück körperlicher Unversehrtheit entgegen. „Der Körper als Vehikel unserer Welterfahrung – hier in einer feindlichen Welt – steht im Mittelpunkt des Geschehens, das ich mit äußerst reduzierten bühnenbildlichen Mitteln zeige“, so der TaF-Intendant.

Die Rolle des Johnny wird von Michael Wernikowski in beeindruckender und stark be-wegender Weise verkörpert. Um seine grenzenlose Einsamkeit und Hilflosigkeit zu un-terstreichen, werden die übrigen Personen im Stück über Ton zugespielt.

Das Theater am Fluss, 2007 von Schwerter Theatergruppen gegründet und seit Juli 2008 ein gemeinnütziger Theater-Verein, plant in der laufenden Spielzeit unter dem Motto „Aus dem Dunkel der Nacht“ acht Produktionen.

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