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„Ich arbeite mit einem Lebewesen”

01.09.2008 | 14:01 Uhr
„Ich arbeite mit einem Lebewesen”

Der 15-jährige Robin Schwabe ist leidenschaftlicher Reitsportler.

Auf „Bormio Sun”, dem Pferd seines Vaters, startet er für den ZRFV Schwerte auf Reit- und Springturnieren rund um die Ruhrstadt. Dabei heimste der Gesamtschüler schon etliche Platzierungen ein – sowohl in den „A-Springen” als auch in diversen Dressurprüfungen. Seine gesamte Freizeit verbringt Robin auf dem Rücken der Pferde – denn auch sein bester Kumpel Nick findet dort das Glück der Erde. „Sofort nach der Schule beginne ich mit dem Training”, sagt der 15-Jährige. Praktisch dabei: Der Zehntklässler lebt auf dem Reiterhof seiner Eltern. Robin über sich und seine Welt:

Wie ich zum Reitsport kam . . .

„Meine Eltern haben den Reiterhof, auf dem wir inzwischen auch leben, von meinem Großvater übernommen. Ich bin hier aufgewachsen und habe die Pferde sofort gemocht. Schon als ich ganz klein war, fand ich die Arbeit mit den Tieren toll. Außerdem hat auch mein Vater Turniere geritten. Als ich mir das angeschaut habe, wusste ich sofort: ,Das will ich auch machen'. Seitdem ich fünf bin, reite ich im ZRFV Schwerte. Pferde haben so eine beruhigende Art, das gefällt mir total. Außerdem ist das nicht irgendein technischer Sport, beim Reiten muss man auf sein Tier eingehen und es quasi lenken. Auch das fand ich von Anfang an toll – ich wollte schließlich mit Tieren umgehen, das schon als kleines Kind. Das Gefühl, mit den Tieren zu arbeiten und zu sehen, wie die sich weiterentwickeln, finde ich besonders toll. Wenn man das zum Beispiel mit dem Fußball vergleicht: Da trete ich einfach nur gegen ein Stück Leder. In meinem Sport arbeite ich mit einem Lebewesen – das ist eine besondere Herausforderung.”

Wie man eine Beziehung zum Pferd aufbaut. . .

„Man muss einfach täglich mit dem Tier umgehen und ein Auge darauf haben, wie es sich entwickelt. Die Stärken und Schwächen kenne ich inzwischen und gehe darauf ein. Wenn man merkt, das Pferd fühlt sich an einem Tag nicht so gut, dann trainiert man nicht so lang und umgekehrt. Man bekommt Reitsportler ziemlich schnell ein Gefühl dafür, ob ein Pferd entspannt ist und ,losgelassen' werden kann. Wenn man dann auf Turnieren eine gute Tagesform erwischt und das Pferd mitzieht, ist es perfekt. Ich habe 57 Turniere geritten, dabei eine Führzügelklasse und einen Reiterwettbewerb gewonnen und etliche Platzierungen eingefahren. Es ist aber auch unabhängig davon ein tolles Gefühl, mit dem Pferd quasi eine Einheit zu bilden. Es gibt spezielle Arten, ein Pferd zu trainieren, damit es über Hindernisse springt. Meine Mutter hilft mir viel dabei, mein Verhalten auf dem Pferd zu verbessern.”

Wie ich trainiere. . .

„Auf dem Reiterhof meiner Eltern trainiere ich nur die Dressur, zum Sprungtraining fahre ich dann zweimal die Woche aufs Gut Ruhrfeld. Dort machen wir Spring- und Gymnastiktraining, zum Beispiel über Cavalettis [kleine Hindernisse aus einer ca. acht Centimeter dicken und drei Meter langen Stange, d.Red.]. Da gehen die Pferde einfach nur im Trab drüber. Danach springe ich erst kleinere, dann größere Hindernisse.”

Warum ich zur Zeit kaum reiten kann. . .

„Mein Pferd ,Bormio Sun' ist sehr schwer krank, deshalb habe ich das Training einschränken und aussetzen müssen. Er hat Muskelprobleme durch eine Krankheit, die sich ,Tying up' nennt. Das heißt auch ,Kreuzverschlag', darunter versteht man eine Muskelstoffwechselstörung. Die ,Hinterhand' des Pferdes wird steif und der Schritt verkürzt sich. Die Muskeln verspannen sich und fühlen sich sehr hart an. Die Körpertemperatur kann dabei auf 38,5 Grad steigen. Durch dieses Syndrom entwickeln sich bei ,Bormio Sun' nun die Muskeln zurück. Bei einem Sportpferd sollten die sich aber durchs Training natürlich nach vorne entwickeln. Das Resultat haben wir schon auf den letzten Turnieren bemerkt, da hat Bormio Sun oft vor den Hindernissen gebockt. Deshalb reite ich ihn jetzt nicht mehr, das ist sonst nur noch Quälerei. Ich hoffe, das ich bald ein neues Pferd bekomme, dass ich auf Turnieren reiten kann.”

Wie ich meine Freizeit gestalte. . .

„Ich besuche die Gesamtschule, deshalb bin ich meistens erst um 15 Uhr zuhause. Dann geh ich eigentlich als erstes zu meinem Pferd. Zuerst putze ich ihn, dann mache ich ihn reitfertig, also lege ihm Trensen, Zügel und Hilfszügel an und sattele ihn. Erst wenn ich den Stall ausgemistet habe, fange ich an zu reiten. Dann ist meistens schon einige Zeit vergangen. Nach dem Training spritze ich die Hufe ab und putze ihn nochmal, bevor ich ihn wieder in die Box stelle. Wenn ich danach noch Zeit habe, helfe ich meinem Vater auf dem Hof, da liegt eigentlich immer Arbeit an. Wenn ich mal nicht reite, habe ich ziemlich ,normale' Hobbys. Dann gehe mit meinen Freunden ins Kino, auch mal in den Movie Park oder ins Fantasialand. Mein bester Freund reitet aber auch selbst, mit dem treffe ich mich jede Woche fünf, sechs Mal. Den kenn' ich quasi von Geburt an.”

Wie ich meine Zukunft sehe. . .

„Ich möchte auf jeden Fall erstmal meinen Realschulabschluß machen und bin dann hoffentlich im nächsten Jahr fertig. Dann möchte ich eine Lehre als Baumaschinenmechaniker starten. Das Reiten wird als Hobby aber weiterlaufen, nebenbei werde ich immer versuchen, so oft wie möglich auf dem Pferd zu sitzen. Ansonsten lasse ich aber die Zukunft auf mich zukommen. Erstmal hoffe ich jetzt, auf ein anderes Pferd umsteigen zu können. Das sollte recht groß sein, ein Springpferd – und wenn möglich, ein Rappe... [Pferd, dessen Mähne, Schweif und Fell schwarz sind, d. Red.] Das wäre mein Traum für die nähere Zukunft.”

Bernd Peters

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