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Herr Hermes und der Götterbote

22.08.2008 | 12:33 Uhr
Herr Hermes und der Götterbote

Die Vorfreude aufs Welttheater der Straße am 29. und 30. August steigt unaufhörlich. „Alles ist, neudeutsch formuliert, ,work in progress'”, sagt Festivalleiter Herbert Hermes. Voll im Plan also, mal frei übersetzt. Wären da nicht die Metereologen, die leider nicht nur vor Beifalls-Stürmen warnen.

„Wir sind solange im Plan, wie ihn das Wetter nicht durchkreuzt”, gibt Hermes einen Blick auf die letzten Sorgenfalten auf seiner Stirn frei. „Leider ist das nach den derzeitigen Prognosen aber sehr wahrscheinlich.” Noch setzt er auf die einzige Konstante im wolkigen Treiben der letzten Wochen: Die Inkonstanz. „Man hat sich ja in diesem Sommer kaum mal auf die Vorhersagen verlassen können.”

Schade wäre es schon, sollte der Himmel dem bunten Treiben auf den Straßen der Ruhrstadt am kommenden Wochenende allzu stürmischen Beifall klatschen. Denn bei starkem Wind ist zuallererst das diesjährige Highlight des Welttheaters der Straße gefährdet, wie Hermes ausführt: „Bei Windstärken von 6 bis 8 darf der Zirkus ,Öff Öff' seine Akrobatennummer hinter der Rohrmeisterei nicht aufführen.” Stürme dieser Stärke aber flimmern derzeit über die Bildschirme von Kachelmann & Co. „Auch Gewitter werden vorausgesagt”, weiß Hermes. „Aber gottseidank noch nicht für Schwerte.” Noch nicht. Man hört Hermes an: Am liebsten würde er seinen Namensvetter, den Götterboten, einen Bittbrief an Petrus überbringen lassen. Größter Wunsch: ein bisschen Sommerwetter. 

Hermes gibt sich trotz allem kämpferisch: „Wir haben auch schon bei strömendem Regen gespielt.” Die Bereitschaft der Akteure dazu hinge allerdings auch vom Publikum ab: „Ohne Zuschauer macht das schließlich wenig Sinn.” Solch düstere Szenarien am Horizont schiebt er allerdings schnell wieder beiseite, schließlich beginnt in den nächsten Tagen die heiße Phase der Vorbereitungen. Am Donnerstag reist der Zirkus „Öff Öff” an, alle anderen Theatergruppen müssen wenig aufbauen. „Sie agieren alle spontan und müssen nichts groß herrichten”, so Hermes.

Das Ambiente der Altstadt und die nahegelegenen Ruhr-auen am Kulturzentrum Rohrmeisterei bieten schließlich auch so beste Voraussetzungen für magische Theatererlebnisse, selbst bei dunklen Wolken von oben. So plädiert Hermes für die Schweizer Truppe „Rigolo” mit ihrem Wasser speienden, traumhaften Gesamtkunstwerk „Tausendwasser” statt einer Dusche von oben. Oder für die als Barkeeper gekleidete Boygroup „Woesh” mit ihren aberwitzigen Jonglagen statt Blitzen von oben. Letztere sind mithin völlig unnötig: Die erste Schwerter „Peep Show” der kanadischen Truppe „Corpus” gibt ohnehin ein strahlendes Lichterzelt ab.

Die Showgruppe baut einen Sehnsuchtstempel als Ort der himmlischen Versuchung auf. „Wettergott, entspanne Dich”, scheint dieses Programm zu rufen. So endet unsere Welttheater-Vorschau auch mit einer positiven Nachricht: Der Verkauf der Programmhefte läuft trotz der bösen Kachelmänner blendend. Sollte nicht irgendeiner von oben die Stimmung verhageln, dürfen auf einem der größten Schauplätze für Straßentheater in Europa bis zu 15 000 Besucher erwartet werden.

Bernd Peters

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