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Görner: originell, amüsant, brillant

12.02.2012 | 15:30 Uhr
Görner: originell, amüsant, brillant
Ein gutes Gespann: Lutz Görner und Elena Nesterenko.

Schwerte.   „Auch wenn sie keine Musiker sind, werden sie Spaß haben“, war Lutz Görner überzeugt – er behielt recht.

Der Meisterrezitator Görner hatte gemeinsam mit der russischen Pianistin Elena Nesterenko zum Auftakt der 54. Schwerter Kleinkunstwochen zu einem „etwas anderen Klavierabend“ eingeladen: „Franz Liszt für alle“ – und das Duo wurde frenetisch gefeiert.

„Liszt war ein Jahrhundertgenie. Sehr vielseitig. Er war ein großer Pianist und Komponist, er war Familienvater, Liebhaber, er war ein politischer Mensch, Journalist und Autor, in späteren Jahren sogar ein weltlicher Priester“, berichtet der Rezitator. Der Beginn einer wundervollen lyrisch-musikalischen Reise durch das Leben und Schaffen von Liszt.

Wagner über Liszt: „Keimender Wahnsinn“

Schon das Bühnenbild ist überwältigend: Auf der gesamten Länge erstreckt sich Josef Danhausers Gemälde, auf dem das „Who is who“ der Künstler des 19. Jahrhunderts abgebildet sind. Franz Liszt am Flügel, mit Blick auf eine Beethoven-Büste, seine Geliebte Marie ihm zu Füßen, große Künstler des 19. Jahrhunderts wie Viktor Hugo, Paganini oder Rossini als Zuhörer. Auf einer Leinwand im oberen Eck der Bühne, werden die virtuosen Hände der Pianistin beim Spiel projiziert, live aufgenommen von Görner mit der Handkamera.

180 Minuten standen im Programm – ein langer Abend, der von Görner und Nesterenko kurzweilig gestaltet wurde und wie im Flug verging. Görner erzählte eine mitreißende Biografie des 1811 geborenen Künstlers, der schon mit neun Jahren sein erstes öffentliches Konzert gab. Liszt komponiert, gibt Klavierunterricht und lernt Paganini kennen, der zu seinem Geigenspiel eine „gigantische Bühnenshow“ zeigte. Da stand für Liszt fest „Ich will der Paganini des Klaviers werden.“

Ulan & Bator sind die nächsten

Schon am Freitag, 17. Februar, geht es weiter mit den 54. Schwerter Kleinkunstwochen. Ulan & Bator präsentieren dann in der Halle 3 der Rohrmeisterei ihr Programm „Wirrklichkeit“.

Beginn ist wie immer um 20 Uhr, die Türen zum Saal öffnen sich um 19.30 Uhr. Ab 19 Uhr ist die Abendkasse in der Halle 2 besetzt.

Tickets gibt es im Vorverkauf in der zentralen Vorverkaufsstelle im Foyer der Volkshochschule, Am Markt 11, zu den Öffnungszeiten der VHS: mo-fr 8-12 Uhr, mo+di 14-16 Uhr, do 14-17 Uhr.

Kartenreservierungen sind auch telefonisch unter 104810 möglich.

www.ulanundbator.de

Görner bringt Liszt komplexes Leben und Persönlichkeit dem Publikum nahe – Nesterenko seine Musik: vom „La Campanella“ bis hin zu den Rhapsodien. Und auch Liszt Wasserspiele, die Wagner mit „Ich gönne dir diese Musik nicht, sie ist unserer Zeit weit voraus“, oder Wagners Anmerkung zu Liszt „Trübe Wolken“: „Keimender Wahnsinn.“

Der geniale Virtuose Liszt wurde europaweit gefeiert und verdiente viel Geld. Mehr als die Hälfte seiner Einkünfte – „umgerechnet in die heutige Zeit, wären das etwa 60 Millionen Euro“ – hat er gespendet: an notleidende Künstler, für das Beethoven-Denkmal in Bonn oder auch für den Kölner Dom, das wird von Görner mit Kölner Dialekt bordiert. Liszt liebte die (meist verheirateten) Frauen, Alkohol und Drogen waren ihm auch nicht fremd. „Was heute als Sex, Drugs and Rock’n’Roll bei den Musikern bezeichnet wird, war Liszt Saus- und Brauszeit, wie er sie selbst bezeichnete“, so Görner. Die habe Liszt allerdings im Alter von 36 Jahren abrupt beendet.

Der „Versuch eines etwas anderen Klavierabends“ ist dem Künstlerduo vollends geglückt. Der Wechsel zwischen Görners mitreißender und anekdotenreicher Darstellung des Lebens und der routiniert, bar jeglicher Noten, aufspielenden Nesterenko, bescherte dem Duo viel verdienten Zwischen- und nicht enden wollenden Schlussapplaus. Für die so eingeforderte Zugabe lieh sich Görner von einem Zuschauer, das vorher erstandene Liszt-Buch aus und rezitierte humorvoll über die Krönung von Franz Joseph und Elisabeth, „in Deutschland besser bekannt als Karl-Heinz Böhm und Romy Schneider“. Die virtuos von Nesterenko zu Gehör gebrachte Krönungsmesse, die Liszt zu diesem Anlass komponiert hatte, vollendete einen amüsanten, unterhaltsamen Abend.

Christel R. Radix

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